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Ole Lehmann: Hätte er doch mehr gesungen!

Ole Lehmann : Hätte er doch mehr gesungen!

Ole Lehmann begeisterte im ausverkauften Wintergarten.

(fro) Singen kann er, der Ole Lehmann. Zwei Nummern gab er zum Besten. Das war zu wenig. Ansonsten Comedy, ein bisschen Improvisation dabei, sonst eben Standup. Politik stand gar nicht auf dem Programm, vielleicht, weil Politik nicht fröhlich ist und zum „homofröhlich“ nicht so richtig passen will. Ein Witzchen streifte die Bundeskanzlerin: Wenn sie rede, erinnere sie ihn an die Ente aus Entenhausen. „Was passiert wohl, wenn sie die Maske fallen lässt“? Ein prima Kurzdialog gefiel besonders: Er, in Eile, läuft gegen eine Glastür und zieht sich eine Beule zu. „Sie ist doch glasklar geputzt; nicht wahr?“, sagt die Raumpflegerin lakonisch.

Kinder und Tiere seien grundfröhlich, Erwachsene nicht, es mangele heutzutage an Fröhlichkeit. Dabei sei unter Niveau lachen besser als über Niveau griesgrämig sein. Und schon gings unter der Gürtellinie weiter, dort spiele sich eben Homosexualität ab. „Steckt Homosexualität an“, fragt ängstlich ein Gegenüber. „Nein“, sagt der Homofröhlich, dann niest er dem Frager ins Gesicht und sagt: „Jetzt ja“.

Es folgt eine lange Geschichte über eine Massagepraxis, in der mit langen Nägeln äußerst schmerzhaft massiert wird. Da zeigt sich die Stärke des Comedian: er kann wunderbar schauspielern, grimassierend, theatralisch, immer den maximalen Effekt im Auge, das reizt zum Lachen! Aus harmlosen Situationen lustige Pointen finden und entwickeln, das macht Spaß. Am Ende sei sein Rücken so mit fleckförmigen Hämatomen übersät gewesen, dass er wie ein Dalmatiner ausgesehen habe. Eine Frau mit einem Fuchsfell um den Hals sei ihm begegnet, der Fuchs sei noch gar nicht richtig tot gewesen.

Hier wird unbeschwert gestichelt, angenäherte Kabarettmomente. Von denen hätte man bestimmt gern mehr gehört. Aber gleich ging’s weiter mit Klamauk über eine Küchenmaschine. Oder ein Käufer hüpft durch ein Warenhaus, steht dann nicht an der Kasse ruhig da, sondern hüpft weiter. Bis die Kassiererin auch ein wenig hüpft. Rundum wird Abstand gehalten und nicht gelacht, Anstand eben oder political correctness im weitesten übertragenem Sinn. Sucht der Zuhörer, findet er so manche Spitze in den meisten gelungenen Nummern.