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Grünes Licht für Flüchtlingslager

Grünes Licht für Flüchtlingslager

Wenn heute die ersten Flüchtlinge ins Aufnahmelager am Zweibrücker Flughafen kommen, ist sicher nicht jeder in der Stadt begeistert. Bei der Merkur -Straßenumfrage gab es jedoch kaum kritische Stimmen.

Mit ein paar Tagen Verzögerung kann das Flüchtlingslager am Zweibrücker Flughafen heute starten: Die Keime, die zuletzt im Wasser gefunden worden waren (wir berichteten), konnten erfolgreich aus den Leitungen gespült werden. Das bestätigten die Ergebnisse der jüngsten Wasserproben, teilte gestern die Kreisverwaltung mit. Vermutlich noch heute werden die ersten Flüchtlingsbusse am Flughafen ankommen. Sind die Syrer bei den Zweibrückern willkommen? Eher ja, so das Ergebnis einer Merkur-Straßen-Umfrage.

"Ich bin voll dabei", sagt etwa der 61-jährige Helmut Schießer. Wenn am Flughafen Platz sei, solle man ihn nutzen. Er glaubt, dass Zweibrücken von der Zuwanderung profitiere, nicht nur im wirtschaftlichen Bereich: "Wir bekommen ein anderes Bewusstsein, wir werden offener." Eine Passantin, die ihren Namen nicht nennen will, erklärt, sie verfolge die Pläne in den Medien und könne die Kritik des südwestpfälzischen Grünen-Partei- und Fraktionschefs nicht verstehen. Bernd Schumacher hatte gesagt, es sei bedenklich, die mittellosen Menschen so nahe beim "Konsumtempel" The Style Outlets unterzubringen. "Das ist Quatsch, die haben viel größere Probleme als so etwas."

Walter Reuter sieht die Sache aus einem pragmatischen Blickwinkel: "Die Lösung mit dem Flughafen ist besser, als wenn man eine Unterkunft neu errichten müsste." Reuter ist dafür, den Flüchtlingen zu helfen, betont aber, die Flüchtlinge müssten Essen und Kleidung auch annehmen. Bei überzogenen Forderungen stoße sein Verständnis an Grenzen.

Mehrere der Befragten befürworten den Flughafen als Erstaufnahmestelle, fordern aber, dass von hier aus zügig in Wohnungen und auch in andere Regionen verteilt wird. "Wenn wir helfen können, müssen wir das tun. Aber ich hoffe, die Flüchtlinge werden gerecht verteilt, die Arbeitslosigkeit ist hier ohnehin schon hoch", sagt Claudette Lüdecke. Die 23-jährige Berfin Dil hält die Flughafen-Lösung für gut. In Bitburg, wo ihr Bruder wohne, bringe man die Flüchtlinge schon länger auf dem Flughafen unter. "Sie werden dort gut versorgt, und soweit ich weiß, gibt es keine Probleme." Die 34-jährige Emel Sapkur, die mit Dil unterwegs ist, sagt: "Es ist schlussendlich egal, in welchem Gebäude sie untergebracht sind, Hauptsache, es geht ihnen gut."

Eine andere junge Frau, die ihren Namen ebenfalls nicht nennen will, meint hingegen, der Flughafen sei als Aufnahmelager zu weit von der Stadt entfernt. "Es gibt dort noch nicht mal ein Lebensmittelgeschäft. Das ist ja wie im Ghetto." Um die medizinische Versorgung der Flüchtlinge am Zweibrücker Flughafen kümmern sich in erster Linie das Kreisgesundheitsamt sowie niedergelassene Ärzte. Trotzdem haben sich auch die beiden Krankenhäuser der Rosenstadt auf syrische Patienten vorbereitet. "Speziell für das erste Wochenende an der die Aufnahmeeinrichtung in Zweibrücken den Betrieb aufnimmt, haben wir im ambulanten und stationären Bereich die Personalbesetzung aufgestockt", sagt Thomas Frank vom Nardini-Klinikum. Das Evangelische Krankenhaus, das personell derzeit noch keinen Handlungsbedarf sieht, verweist auf die Sprachkompetenz seiner Mitarbeiter. Man habe, unter anderem mit dem gynäkologischen Chefarzt Muayyad Al-Alime und dem Gynäkologen Ahmed Taha, "mehrere Ärzte mit perfekten Arabischkenntnissen", wie Pressesprecherin Susanne Liebold unterstreicht.

Im Nardini-Klinikum will man sich hier mit Anamnesebögen in 14 Sprachen und Zeigewörterbüchern helfen. Zudem wurde die Organisation im ambulanten und stationären Bereich angepasst und eigene Behandlungsbereiche und Isolierungseinheiten ausgewiesen. Dies sei erforderlich, "um das erforderliche Hygienemanagement entsprechend umsetzen zu können". Die Mitarbeiterschulungen sollen bis heute abgeschlossen sein.