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Großes Schweigen auf brisante Fragen

Großes Schweigen auf brisante Fragen

Über 578 000 Euro hat nach Merkur -Informationen der LVIM seit 2013 einem Vorstandsberater gezahlt. Wofür genau, das wollen weder Berater noch LVIM sagen. Das Engagement des Beraters könnte bei der LVIM-Versammlung am 7. September angesprochen werden.

Gute Arbeit hat ihren Preis. Aber wann ist eine Arbeit gut und wie hoch darf ein Preis sein? An dieser Frage scheiden sich aktuell auch beim Landesverein für Innere Mission (LVIM) in der Pfalz die Geister, der zuletzt vor allem durch sein kriselndes Zweibrücker Krankenhaus und Fusionspläne mit den Diakonissen Speyer-Mannheim von sich reden gemacht hat. Von Mai 2013 bis Juni 2015 hat der LVIM nach Merkur-Recherchen einem strategischen Vorstandsberater über 578 000 Euro überwiesen - während er parallel unternehmensweit über 70 Stellen gestrichen hat. Erst vor wenigen Tagen hatte er von 500 000 eingesparten Euro gesprochen, weil 39 Angestellte der Rosenstadt-Klinik unter anderem kürzer arbeiten oder zeitweise an anderen LVIM-Einrichtungen wechseln.

Dem Berater indes überwies der LVIM durchschnittlich über 21 000 Euro im Monat. 2013 waren das fast 170 000, 2014 über 268 000 und 2015 bis Juni knapp über 140 000 Euro . Was er dafür genau macht, verrät LVIM-Vorstand Rainer Wettreck auf Merkur-Anfrage nicht. Er begleite den LVIM-Konsolidierungsprozess und berate den Vorstand, war die allgemein gehaltene Antwort. Laut LVIM war ein Berater von den Wirtschaftsprüfern und Banken des LVIM gefordert worden, der gewählte habe dabei die "überzeugendsten Empfehlungen" erhalten. Der Mann hatte früher die Paul-Gerhardt-Stiftung (PGS) in Lutherstadt-Wittenberg beraten. Dort war Wettreck von 2004 bis 2008 Vorstandsvorsitzender. Als die PGS mit dem Verein zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser fusionierte, waren die beiden 2008 zeitweise sogar Vorstandskollegen. Auch war er jahrelang tätig an der von Wettreck danach gegründeten Paul-Gerhardt-Diakonie-Akademie.

Der Merkur hatte den Berater wegen einer Stellungnahme am 4. und 5. August erfolglos angerufen, einer Rückrufbitte auf der Mailbox kam er nicht nach. Nachdem er auch auf Mail-Anfragen vom 4. und 5. August nicht reagiert hatte (die Fragen im Detail siehe "Auf einen Blick"), schickte der Merkur sie per Post als Einschreiben am 7. August mit Frist gestern, 12 Uhr. Während der Rückschein noch nicht wieder in der Redaktion gelandet ist, ließ der Berater gestern um 12.36 Uhr per Mail durch eine Mitarbeiterin ausrichten: "Leider kann ich Ihre Mail erst jetzt beantworten, da wir Betriebsferien haben und ich im Ausland bin. Zu Fragen bezüglich gegenwärtiger und bisheriger Klienten können wir aufgrund von Vertraulichkeitsvereinbarungen grundsätzlich keine Stellung nehmen." Zu Fragen bezüglich der Beratungsfirma generell verwies er auf die Firmenwebsite.

Dass das Thema Berater bei der nächsten LVIM-Mitgliederversammlung am 7. September zur Sprache kommt, hält der Zweibrücker Dekan Peter Butz, selbst LVIM-Mitglied, für "durchaus möglich". Er stehe mit anderen Mitgliedern im Gespräch, man bereite sich intensiv auf die Sitzung vor. Dann steht auch die Entlastung von Vorstand und Verwaltungsrat auf der Tagesordnung. > Seite 16: Weitere Berichte

Meinung:

Höchste Zeit für Transparenz

Von Merkur-RedakteurEric Kolling

Natürlich darf der Landesverein für Innere Mission einen Berater für den Vorstand beschäftigten, um auf Kurs zu kommen. Dass die Banken das in Zeiten einer Existenzkrise gar gefordert haben, ist glaubhaft, auch wenn sie das wegen des Bankgeheimnisses nicht bestätigen.

Doch dem Berater in drei Jahren mehr zu zahlen als durch die Einsparungen bei jüngst 39 Mitarbeitern gewonnen wurde, scheint moralisch verwerflich. Kleine Angestellte verzichten auf Gehalt, lassen sich versetzen, um dem LVIM Geld zu sparen und Kündigungen zu entgehen. Derweil erhält ein Berater konstant zigtausende Euro im Monat, wobei sich der LVIM bedeckt hält, ob dessen Tipps fruchten. Gerade bei einem diakonischen Unternehmen wie dem LVIM ist das nicht vermittelbar. Warum verzeichnet er trotz der Beratung aktuell einen Einbruch und prüft eine Fusion? Wie kam der Berater zu dem Job? Bei all den Fragen sorgt auch die gemeinsame Vergangenheit von LIVM-Vorstand Wettreck und ihm für ein "Geschmäckle".

Mehrere Personen aus der LVIM-Mitgliederversammlung sagen, nichts von dem Berater zu wissen, geschweige denn von dessen Gehalt. Höchste Eisenbahn, dass der LVIM Licht ins Dunkel bringt!

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Merkur-Fragen, die der LVIM-Berater per Post und E-Mail erhielt: Wie und wann genau kam es zu Ihrem Engagement beim LVIM?Wie oft pro Woche sind Sie dort vor Ort?In welchen Fragen genau beraten Sie den LVIM?Haben und hatten Sie parallel zur Tätigkeit für den LVIM noch andere Auftraggeber? Wenn ja: Wie viele?Welche Firmen haben Sie früher konkret beraten?Spitzenagenturen nehmen für strategische Beratungen einen Tagessatz von bis zu 2500 Euro . Davon ausgehend, dass Sie im Schnitt achtmal im Monat vor Ort in Bad Dürkheim sind, würde sich Ihr Monatshonorar auf etwa 20 000 Euro belaufen. Ist dies korrekt und inwiefern ist das Ihrer Beratungsleistung/aufwand angemessen? Inwiefern werden Ihre Empfehlungen nicht umgesetzt, was die aktuelle Krise und Notwendigkeit einer Fusionsprüfung erklärt? Nachdem die Jahresergebnisse 2013 und 2014 sich ja verbessert hatten, ist schließlich nun wieder ein Negativtrend zu verzeichnen und sogar eine Fusion mit den Diakonissen wird geprüft.Seit wann kennen Sie Rainer Wettreck?Wie kamen Sie bei der Paul-Gerhardt-Stiftung zusammen? Warum waren Sie 2008 zeitweise neben Herrn Wettreck Vorstand der Paul-Gerhardt-Stiftung?Hat Ihr Engagement damals dort dazu geführt, dass Sie auch jetzt beim Landesverein beschäftigt werden?Sie standen von 2010 bis 2012 als Referent im Programm der Paul-Gerhardt-Diakonie-Akademie. Als Herr Wettreck die Akademie verließ, tauchten Sie dort ab 2013 nicht mehr auf. Warum haben Sie Ihr Engagement dort beendet und gibt es hier einen Zusammenhang mit dem Ausscheiden von Herrn Wettreck? ek