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Großer Wirbel um kleine Hundedame

Großer Wirbel um kleine Hundedame

Eine kleine Hundedame hielt am Samstag ganz Zweibrücken auf Trab. Ein vierstündiger Paniklauf trieb Hündin Leni nicht nur quer durch die Stadt, sondern auch eine ganze Zeit lang über die Autobahn. Dank der Hilfe vieler Menschen und einer großen Portion Glück ist Leni nun wieder Zuhause bei ihrem Frauchen.

Entspannt rollt sich Hundedame Leni auf dem Schoß von Frauchen Lara Sohn zusammen. Von dem Stress, der ihr zwei Tage zuvor wiederfahren ist, ist nichts mehr zu merken. Lara Sohn ist die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Leni ist erst seit Mai "Familienmitglied", nachdem sie gemeinsam mit ihren acht Jungen von saarländischen Tierschützern aus einer Tötungsstation im spanischen Andalusien gerettet und nach Deutschland gebracht wurde. Dort hat Leni bereits viel über sich ergehen lassen müssen. Eine verdrehte und einstmals gebrochene Rippe, fehlende Zähne, eine Fehlstellung der Hüfte und ein fehlendes Schwanzstück lassen Schlimmes erahnen. Dennoch ist Leni eine aufgeschlossene und lebensfrohe Podengo-Pinscher-Mischlingshündin, die nach ihrem vermutlich ehemaligen Straßenhunde-Dasein vor Autos etwas Angst hat. Vielleicht waren es diese Erfahrungen, die sie am vergangenen Samstag dazu trieben, quer durch die Stadt auszubüxen.

Jedenfalls war das Frauchen , bei der Leni sonst Schutz sucht, gerade einhundert Kilometer entfernt, als Leni bei Eintreten eines Mitbewohners aus Schreck aus der Wohnung der Freundin von Lara Sohn am Hilgard-Center in Zweibrücken rannte, bei der sie an diesem Tag untergebracht war.

Von da an setzte eine Verkettung von Umständen ein (wir berichteten bereits gestern kurz), die die Hündin immer weiter in Panik versetzte. Durch ein lautes Geräusch erschrak sie sich so sehr, dass sie - statt zurück in die Wohnung zu laufen - vor Schreck auf die Straße rannte. Dies löste ein abruptes Abbremsen zweier Autos aus, von denen eines hupte. Daraufhin rannte Leni Richtung Shell-Tankstelle in der Homburger Straße, von wo der erste Anruf bei der Polizei einging. Bei John-Deere wurde die Hündin erneut gesichtet. "Sie muss total in Panik gewesen sein", berichtet Lara Sohn, denn anschließend wurde Leni auf der Autobahn gesehen. Etwa bis Ixheim rannte sie, dort drehte sie um, rannte erneut auf der Autobahn in saarländische Richtung, bis sie wieder kehrt machte und die wieder Autobahn verlies. Währenddessen wurde Lara Sohn, die sich auf dem Heimweg befand, telefonisch über das Ausreißen ihrer Hündin informiert. "Ich habe nur geheult", berichtet sie, "sie hätte ja jeden Moment überfahren werden können." Per Handy schaltete sie bei Facebook einen Aufruf, in dem sie die Zweibrücker um Hinweise bat. Was dann folgte "war von den Menschen einfach fantastisch", erzählt sie dankbar. Fremde Menschen teilten den Aufruf, Freunde von Freunden halfen mit, das Radio meldete Lenis Paniklauf und die Polizei suchte mit. Sämtliche Einfangversuche scheiterten zuerst. Nach vier Stunden endlich wurde Leni an der Rennwiese gesichtet. Dort versteckte sie sich im Gebüsch und reagierte erst nach mehrmaligem Rufen auf ihr Frauchen . Mit letzer Kraft sprang das Tier seinem Frauchen in den Arm. Bis auf große Erschöpfung und riesigen Hunger hat Leni alles gut überstanden. Nur die Pfötchen sind noch etwas abgewetzt, aber die werden auch noch heilen.