Außerdem: Reaktionen auf Tarif-Einigung Zweibrücker Metall-Industrie sucht Personal

Zweibrücken · Hart aber fair: So lassen sich die Reaktionen Zweibrücker Unternehmen auf den Tarifabschluss mit der IG Metall zusammenfassen. Der hohe Abschluss sei herausfordernd, aber verständlich angesichts der Inflation.

Der Tarifkonflikt war diesmal nur kurz, es kam nur zu Warnstreiks wie hier am 4. November in Zweibrücken bei Pallmann.

Der Tarifkonflikt war diesmal nur kurz, es kam nur zu Warnstreiks wie hier am 4. November in Zweibrücken bei Pallmann.

Foto: Rainer Ulm

Der Schmerz über die hohen Preissteigerungen wird für die Beschäftigten in der Metallbranche durch einen ungewöhnlich hohen Lohnabschluss gemildert: Die Löhne steigen um insgesamt 8,5 Prozent (5,2 Prozent ab Juni 2023 plus 3,3 Prozent ab Mai 2024), hinzu kommen zwei Inflationsausgleichsprämien in Höhe von zusammen 3000 Euro (also so viel wie steuer- und sozialabgabenfrei rechtlich maximal möglich). Diesen Pilotabschluss aus Baden-Württemberg haben am Dienstag auch Arbeitgeber und IG Metall in der Tarifregion Mitte (zu der Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen gehören) übernommen.

Wie aber reagieren die großen Zweibrücker Metallunternehmen auf die kräftige Lohnerhöhung, für die es in den vergangenen Tagen auch Warnstreiks bei John Deere, Pallmann und Kubota gab (wir berichteten)? Relativ gelassen, ergaben die Merkur-Anfragen. Trotz der Personalkosten-Steigerung wurde nirgends Personal abgebaut, teils sogar kräftig aufgestockt – denn trotz der weltweiten auch wirtschaftlichen Sorgen infolge des Russland-Ukraine-Kriegs läuft das Geschäft gut.

Kubota-Personalleiterin Anne-Kathrin Simon sagte zwar: „Bei dem Tarifabschluss müssen wir uns abstrampeln – bei der IG Metall wird man zufrieden sein.“ Aber: Bei Kubota läuft das Geschäft sogar derart gut, dass man bei der Personalstärke ein kräftiges Wachstum plant: Zu den zurzeit 720 Beschäftigten in Zweibrücken sollen in nächster Zeit 80 dazukommen (vor allem in der Produktion, aber auch in der Verwaltung). Schon die 720 seien der bisherige Höchststand. Doch nicht nur die derzeitige Auslastung (im Oktober wurde in Zweibrücken der 200 000. Bagger produziert), sondern auch die Auftragslage sei so gut, dass man weiter Mitarbeiter suche: „Wir hoffen sehr, dass dies durch den sehr guten Tarifabschluss erleichtert wird.“

Pallmann-Geschäftsführer Uwe Wagner sagte, die Tariferhöhungen stellten „Maschinenbaubetriebe schon vor Anstrengungen, das zu kompensieren“. Vor dem Hintergrund der hohen Inflation und der Energiekrise sei die hohe Tarifsteigerung nicht überraschend gekommen und „nachvollziehbar“. Andererseits „trifft uns als produzierendes Unternehmen das genauso – wir sind also doppelt betroffen, wenn auch unsere Personalkosten deutlich steigen“.

Wegen der langen Tarifvertrags-Laufzeit und der Verteilung der prozentualen Lohnerhöhungen auf zwei Jahre „können sich aber alle Parteien darauf einstellen“, erklärte Wagner. Pallmann suche nun nach „eleganten Lösungen“, um „die Effizienz zu steigern“ und so die Personalkosten-Steigerung aufzufangen, etwa durch Optimierungen bei Abläufen und Beschaffung. Wegen der Personalkosten-Steigerung werde aber nicht an eine Reduzierung der Personalstärke von derzeit rund 300 gedacht. Im Gegenteil: Pallmann suche derzeit qualifiziertes neues Personal im niedrigen zweistelligen Bereich, um Abgänge auszugleichen. Auch sei eine Kampagne in Arbeit, um mehr Auszubildende zu finden.

Personal würde nur reduziert, wenn Aufträge wegbrächen. Danach sieht es derzeit aber nicht aus: „Unsere Auftragslage ist gut.“ Allerdings verweist Wagner auf die Ungewissheiten in der weltweiten Konjunktur, „und die Situation für uns bleibt angespannt, weil Russland ein wichtiger Markt für uns ist“. Dies versuche Pallmann durch andere Märkte wie Südamerika oder Afrika zu kompensieren. Und teils seien auch Lösungen für zunächst für Russland gedachte Aufträge gefunden worden, die wegen des Kriegs und der Sanktionen dort nicht mehr zu verwirklichen sind – so konnte ein Projekt von Russland nach Polen umgeleitet werden.

Tadano-Personalchef Frank Schättle zeigt angesichts der stark gestiegenen Lebenshaltungskosten Verständnis für den hohen Tarifabschluss: „Man muss der Realität ins Auge sehen: Es war notwendig, dass was passieren muss.“ Andererseits „hätten wir uns vor dem Hintergrund der Lieferketten- und weltweiten Konjunktur-Probleme einen niedrigeren Abschluss oder eine längere Laufzeit gewünscht – ich hätte 2024 gerne komplett konfliktfrei gehalten“. Der Tarifabschluss trage aber auch Arbeitgeber-Interessen Rechnung, etwa durch Differenzierungsmöglichkeiten oder Aussetzung von Sonderzahlungen, wenn es Unternehmen schlecht geht. Schättle bilanziert den Tarif-Kompromiss. „Wir sind nicht himmelhoch jauchzend, aber auch nicht zu Tode betrübt.“

Wie ist die Lage bei Tadano in Zweibrücken? Es gebe natürlich weiter Unklarheiten abhängig von der weltpolitischen Lage, schickt Schättle voraus. Doch derzeit läuft es gut bei dem Kranbauunternehmen: „Wir haben volle Auftragsbücher und eine starke Nachfrage nach unseren Produkten.“ Bei den Lieferketten-Problemen gebe es „Licht am Ende des Einkaufs-Tunnels“, nachdem die Kolleg-/innen dort „extrem viel Arbeit reingesteckt haben“.

Die Lage ist sogar so gut, dass Tadano in den beiden Zweibrücker Werken zu den zurzeit rund 1100 noch 150 bis 180 weitere Menschen in der Produktion beschäftigen möchte. „Einen Teil natürlich zunächst über Zeitarbeit – aber dann schauen wir weiter.“

John Deere-Sprecher Ralf Lenge empfindet die Tarif-Einigung als „fairen Kompromiss“. John Deere könne damit gut leben, denn: „Wir sind in einer relativ guten Position, das Geschäft läuft, die Landwirte investieren.“ Die Auftragsbücher für 2023 seien gut gefüllt. Aber: „In anderen Sparten oder kleinen Betrieben sieht das vielleicht anders aus.“ Wichtig für Unternehmen sei, dass der Tarifabschluss Planungssicherheit schaffe „und relativ schnell gekommen ist“. Das sei gerade „in diesen unsicheren Zeiten, wo wir schon genug Baustellen haben, wichtig“. (Diesmal gab es deutschlandweit lediglich Warnstreiks, also keine längeren echten Streiks.) Eine „gute Lösung“ für die Beschäftigten seien die hohen steuerfreien Einmalzahlungen als Hilfe gegen die explodierenden Energiepreise.

John Deere hat in Zweibrücken gut 1000 Beschäftigte. Nachdem es schon in letzter Zeit einige Neueinstellung gab, plane man zurzeit keine größeren Neueinstellungen. Frei werdende Stellen würden aber wieder besetzt.

Wie ist die Stimmung bei Beschäftigten über die Tarif-Einigung? Hierzu fragte der Merkur bei John Deere an, weil dort der größte Zweibrücker Warnstreik war. Betriebsratsvorsitzender Kai Blasius antwortete: „Was ich an Rückmeldungen habe, ist überwiegend positiv. Ein kleiner Wermutstropfen ist die lange Laufzeit.“ Die IG Metall hatte acht Prozent für ein Jahr gefordert, und danach neue Verhandlungen.

Weitere Artikel Seiten 1 und 16