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„Gospel and Praise“ am Sonntag in der Alexanderskirche

„Gospel and Praise“ am Sonntag in der Alexanderskirche : „Wir haben uns enorm weiterentwickelt“

Mit einem Konzert aus „Best of“, neuen Titeln und Adventsmusik feiert der Mittelbacher Frauenchor „Gospel and Praise“ am Sonntag, 17 Uhr, in der Alexanderskirche sein 20-jähriges Bestehen.

„Können Sie singen? Wir gründen einen Gospelchor!“ 20 Jahre ist es her, dass der Mittelbacher Pfarrer Wolfgang Kafiz Anja Pless auf der Straße ansprach. Die Arzthelferin, die zu den Urgesteinen von „Gospel and Praise“ gehört, sang ihm „Amazing Grace“ vor und trat dem wenige Wochen zuvor aus der Taufe gehobenen Chor bei. „Damals war Gospelsingen ja noch nicht so en Vogue wie heute“, weiß Gründungsmitglied Anja Sonntag. Sie wohnt neben der Mittelbacher Kirche, hatte viel Kontakt zum Pfarrer und sang für ihr Leben gerne. Eine Familieneigenschaft, denn wenige Jahre später überzeugte sie ihre Schwester, Simone Blatt, dem Chor ebenfalls beizutreten. Ziel war es, neben der Freude am Singen, auch jüngere Menschen wieder für den Gottesdienst zu begeistern.

In den Anfangsjahren leitete Hans-Hermann Bender den Chor. Er holte seine Schwester Connie Haller, die bis heute singt, dazu. „Damals hatten wir auch noch Männer im Chor“, erinnern sich die Sängerinnen der ersten Stunde. Nachdem Hans-Hermann Bender ins Saarland verzog, Wolfgang Kafiz versetzt wurde und die übrigen Sänger abwanderten, ist „Gospel and Praise“ heute ein reiner Frauenchor, der mit einigen Tenor-Stimmen und einer „Bass-Dame“ sogar die tieferen Stimmlagen abdecken kann.

Einem Übergangsjahr mit Stefan Schöner folgte 2011 der heutige Chorverbandspräsident Wolf-Rüdiger Schreiweis. „Er ist an Himmelfahrt 2011 eingesprungen, als wir für einen Auftritt bei einer Hochzeit dringend einen Dirigenten brauchten und geblieben“, erinnert sich Simone Blatt. „Das war der Glücksgriff. Es hat sofort gepasst!“, bestätigen die übrigen Sängerinnen. Seitdem ist Stabilität im Chor eingekehrt.

Mittlerweile ist der einst mit zwölf Stimmen gestartete Chor bei 17 begeisterten Sängerinnen zwischen Mitte 30 und über 60 Jahren angelangt. Sang „Gospel and Praise“ anfangs im Gottesdienst und in Mittelbach bei Hochzeiten, Taufen, besonderen Geburtstagen oder sonstigen Anlässen, ist der Chor heute in der weiten Region gebucht. Zu nennen sind beispielsweise die Atempause samstags in der Alexanderskirche, die Himmelsbergkapelle oder ein Gastspiel in Vinningen.

„Wir haben uns in den 20 Jahren und besonders in den letzten elf enorm weiterentwickelt. Als Chor, aber auch einzeln in unserer Stimme und Persönlichkeit“, erzählt Anja Pless. Die ob ihrer charismatischen, röhrenden Stimme etwa in „Hevenu Shalom“ gefeierte, selbstbewusste Solo-Sängerin erinnert sich an ihre schüchterne Anfangszeit. Zur Entwicklung waren Besuche beim Gospel-Kirchentag ebenso entscheidend, wie die beiden selbst veranstalteten Workshop-Wochenenden mit Malcolm Chambers 2017 und 2019. Dafür gründete der Gospel-Chor einen Verein, der das Zusammengehörigkeitsgefühl zusätzlich stärkte.

Zu den musikalischen Höhepunkten zählt neben den beiden traditionellen Jahreskonzerten das gemeinsame Workshop-Abschlusskonzert 2019 in der Alexanderskirche ebenso, wie Auftritte im Rosengarten oder in Frankreich mit dem grenzübergreifenden Chorprojekt anlässlich 100 Jahre Ende Erster Weltkrieg 2018.

Die Freundschaft untereinander intensiviert sich mit jedem Chorproben-Wochenende. In diesem Jahr in Speyer durfte der Chor bei der Stadtführung sogar auf dem Stadttor „Altpörtel“ über der nächtlichen Stadt singen – ein einmaliges Erlebnis, vor dem selbst die Corona-Chorproben im Parkhochhaus verblassen.

Ganz wichtig ist den Chor-Mitgliedern ihr soziales Engagement. Da Anja Sonntag Pflegedienstleiterin im Haus Sarepta in Contwig ist, sang der Chor dort beim Hüttenzauber mit den Bewohnern. Noch emotionaler allerdings empfanden alle ihre Auftritte in der Justizvollzugsanstalt, bei denen die Reaktionen der Zuhörer die eine oder andere Träne löste und das Weitersingen erschwerte. „Außerdem haben wir spontan zwei Benefizkonzerte in Frankreich gegeben, um dort Menschen in Not zu unterstützen“, zählt Simone Blatt weiter auf.

Statt eines Jahreskonzertes gingen die Sängerinnen 2020 gemeinsam Müll sammeln und pflegten so mit sozialem Engagement zugleich die Chor-Gemeinschaft. Gute Laune, mitreißende Melodien und Rhythmen zu inhaltsreichen Texten – die Freude am Singen machen „Gospel and Praise“ in der weiten Region bekannt und beliebt. Besonders wichtig ist den Mitgliedern neben dem Spaß das Gemeinschaftsgefühl. Sie bestätigen einstimmig: „Wir sind eine Familie“.

Für 2023 will sich der Chor auf seine eigene Weiterentwicklung etwa durch Stimmbildung konzentrieren. 2024 soll es dann wieder ein großes Projekt geben.