Glaube ist nicht käuflich

Zweibrücken. Auf Kritik bei den Zweibrückern sind die drastischen Maßnahmen der katholischen Kirche gestoßen, mit denen sie der Anzahl gestiegener Kirchenaustritte entgegentreten will: Nach Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz soll allen, die die Kirche verlassen, damit auch gleichzeitig die Mitgliedschaft in der Kirchengemeinschaft entzogen werden (wir berichteten)

Zweibrücken. Auf Kritik bei den Zweibrückern sind die drastischen Maßnahmen der katholischen Kirche gestoßen, mit denen sie der Anzahl gestiegener Kirchenaustritte entgegentreten will: Nach Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz soll allen, die die Kirche verlassen, damit auch gleichzeitig die Mitgliedschaft in der Kirchengemeinschaft entzogen werden (wir berichteten). Somit verliert jeder, der keine Kirchensteuern mehr zahlen möchte, seinen Anspruch auf den christlichen Segen.In Zweibrücken halten viele Bürger diesen Schritt der katholischen Kirche für überzogen. Die Teilnehmer einer nicht-repräsentativen Merkur-Umfrage zeigen nur wenig Verständnis dafür, dass der Glaube von der Zahlungsbereitschaft seiner Kirchenmitglieder abhängig sei. Für den Zweibrücker Hans Wagner geht dieser Schritt entschieden zu weit. Seiner Meinung nach schießt die katholische Kirche über das Ziel hinaus, wenn sie Glauben mit Zahlungsbereitschaft gleichsetze. "Ich bin zwar evangelisch und zahle auch regelmäßig meine Kirchensteuer, aber diese Maßnahme ist sicherlich nicht im Sinne der kirchlichen Gemeinschaft", fügt der 70-jährige an. Ganz ähnlich sieht es das Ehepaar Schneider aus Zweibrücken. Man könne auch fromm und gläubig sein, ohne unbedingt ein zahlendes Mitglied der Kirche zu sein. Dennoch halten es beide für wichtig, seinen steuerlichen Beitrag zu leisten, um kirchliche Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Kindertagesstätten finanziell unterstützen zu können. "Diese Einrichtungen können das Geld dringend gebrauchen, deshalb finden wir es richtig, unsere Steuern zu zahlen, schließlich profitieren wir alle von gut ausgestatteten Kliniken und anderen sozialen Institutionen", sagt Günther Schneider. Für die Homburgerin Elisabeth Lehmann hat die katholische Kirche gar nicht das Recht dazu, gläubigen Katholiken einfach so den Glauben zu entziehen, schließlich sei man seitens der Kirche getauft worden und habe sich nicht in selbige eingekauft. "Eine Konfession gilt ein Leben lang und verliert mit der Einstellung von Kirchensteuerzahlungen nicht ihre Gültigkeit", zeigt sich die Homburgerin empört.

Hintergrund

Wer aus der Kirche austreten möchte, muss beim Standesamt im Rathaus persönlich eine Erklärung abgeben. Das Standesamt leitet den Kirchenaustritt dann an das Finanzamt und auch an die Kirche weiter - im Falle der katholischen Kirche an die Kirchenleitung des Bistums in Speyer. So ist auch die Aussage des Zweibrücker Pfarrers Wolfgang Emanuel zu verstehen, der im August gesagt hatte, dass es schwer sei, mit den Menschen, die ausgetreten seien, noch einmal ins Gespräch zu kommen. Denn die betroffenen Kirchengemeinden erführen erst viele Wochen später von dem Austritt. sf