1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Gläubigerversammlung für Tadano-Demag in Festhalle Zweibrücken läuft

Gläubigerversammlung für Tadano-Demag (und Tadano-Faun) hat in Festhalle begonnen : 1200 Gläubiger entscheiden über Zukunft des größten Arbeitgebers in Zweibrücken

Die Probleme bei Tadano-Demag gehen auch auf zu geringe Investitionen in der Zeit unter Terex-Führung zurück.

Die Zukunft des traditionsreichen Zweibrücker Kranbauers Tadano-Demag und seiner zuletzt 1558 Beschäftigten entscheidet sich am heutigen Donnerstagnachmittag in der Zweibrücker Festhalle. Dort nämlich findet unter dem Vorsitz eines Insolvenzrichters des Amtsgerichts Zweibrücken die Gläubigerversammlung für Tadano-Demag und das fränkische Partnerunternehmen Tadano-Faun statt. Die Abstimmung der Gläubiger, ob sie den Insolvenzplan annehmen, wird im Laufe des Nachmittags erwartet

Wie der Merkur aus Teilnehmerkreisen der nichtöffentlichen Versammlung erfuhr, zeichneten sich in den ersten beiden zweieinhalb Stunden aber noch keine Probleme ab, die auf eine Verweigerung der Zustimmung hindeuten könnten. Die Stimmung sei – den Umständen entsprechend – gut, alles laufe reibungslos, es habe erst wenige Fragen gegeben. Mit „substanziellen Fortschritten“ sei aber erst am Nachmittag zu rechnen, ist es für eine klare Prognose über den Ausgang noch zu früh.

Bislang seien etwa 70 der insgesamt rund 1200 Gläubiger persönlich erschienen bzw. ließen sich (wie die weit überwiegende Zahl) durch Bevollmächtigte vertreten. Dadurch können auch die Coronaschutz-Bestimmungen eingehalten werden: Die Einzeltische im großen Heinrich-Gauf-Saal der Festhalle stehen mit mindestens drei Metern Abstand zueinander. Auch Security-Personal ist vor Ort, weile es auch die Einhaltung der Hygienemaßnahmen kontrollieren muss mehr als sonst üblich.

An zwei PC-Stationen werden die eintreffenden Gläubiger bzw. deren Vertreter registriert. Dabei kommt es auch auf die genaue Erfassung ihrer Forderungen an – denn bei der Abstimmung über den Insolvenzplan ist für die Zustimmung nicht nur eine Mehrheit der „Köpfe“ der Gläubiger erforderlich, sondern auch eine nach Forderungs-Höhen gewichtete Mehrheit.

Neben dem Geschäftsführer von Tadano-Demag und Tadano-Faun und dem Sachwalter im Insolvenzverfahren ist auch Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) in der Festhalle. Tadano-Demag ist der mit Abstand größte Arbeitgeber in Zweibrücken. Der Insolvenzplan sieht einen Erhalt aller Werke in Zweibrücken (Dinglerstraße und Wallerscheid) und Faun vor – aber massiven Personalabbau (392 Stellen in Zweibrücken sowie 114 von in Faun) und eine viel engere Verzahnung der beiden Unternehmen (wir berichteten mehrfach).

Der Tadano-Insolvenzverfahrens-Sachwalter berichtete nach den Angaben aus Versammlungs-Teilnehmerkreisen, das Unternehmen habe schon länger Probleme gehabt. Diese gingen auch auf Entscheidungen des früheren amerikanischen Eigentümers Terex bei Demag zurück, es sei nicht genug in Produkte investiert worden. Dann sei der weltweite Einbruch im Ölgeschäft (wo große Krane gebraucht werden) hinzugekommen – und die Corona-Krise habe Tadano-Demag und Tadano-Faun dann den Rest gegeben. In der bisherigen Form wäre deshalb eine Fortführung nicht möglich. Der japanische Mutterkonzern Tadano sei aber bereit, Geld für die Zukunft der deutschen Töchter bereitzustellen. Und er Insolvenzplan eröffne eine gute Perspektive für die Zukunft der Unternehmen – auch wenn absehbar sei, dass dieses Jahr noch keine schwarze Zahlen geschrieben werden könnten.