Künstler Gilbert Baier unterstützt Ausstellung „Gänzende Aussichten“ Wie John Lennon noch heute inspiriert

Mörsbach · Mit seinen ersten Karikaturen zu der kritischen Ausstellung „Gänzende Aussichten“ erfüllte sich der Zweibrücker Künstler Gilbert Baier einen geheimen Traum. Der John-Lennon- und Gitarren-Fan kombinierte beide passend zu der Thematik.

 Insgesamt 31 Karikaturen hat der Zweibrücker Künstler Gilbert Baier nach Originalen von John Lennon gestaltet. Zu sehen sind sie im Rahmen der Miserior-Karikaturen-Wanderausstellung „Glänzende Aussichten“.

Insgesamt 31 Karikaturen hat der Zweibrücker Künstler Gilbert Baier nach Originalen von John Lennon gestaltet. Zu sehen sind sie im Rahmen der Miserior-Karikaturen-Wanderausstellung „Glänzende Aussichten“.

Foto: Cordula von Waldow

Auf dem riesigen Ateliertisch bei „Formart“ in Mörsbach liegt Karikatur neben Karikatur. Alle sind fein coloriert, zumeist mit Buntstift und alle – zieren eine Gitarre. „Ich bin ein Gitarren-Freak“, lacht Gilbert Baier. Der studierte Zweibrücker Designer und Grafiker hat sich mit Freude an der Karikaturen-Ausstellung von „ZW vernetzt“ und dem Zweibrücker Stadtmarketing beteiligt.

„Ich täte auch gerne mal so was machen“, stellte er bei dem Aufruf an die regionalen Künstler fest. Schnell entstanden unter professionellen Händen eine Vielzahl an Werken, die im Schaufenster der ehemaligen CB-Boutique an der Außenseite der Hallplatzgalerie und in den Fenstern des Kulturamts zu bewundern sind.

Der 70-jährige Gitarrist entwirft seit vielen Jahren Gitarrenmodelle, die, wenngleich man sie bauen könnte, noch nie in Holz verwirklicht worden sind. Dafür hat Gilbert Baier ganze Serien von mittlerweile weit über 500 von ihm designten Gitarren-Körpern unterschiedlichster Themengruppen und Motive erschaffen. Und jetzt – ganz neu – mit Umwelt- und Livestyle-Karikaturen im John-Lennon-Style. „Viele wissen nicht, dass er nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern auch ein gesellschaftskritischer Karikaturist, skurril und sarkastisch, und im Grunde der erste weltberühmte Umwelt-Aktivist war“, erklärt der bekennende John-Lennon-Fan.

Bereits Ende der 1960er Jahre wandte sich der Ex-Beatle nach mehreren öffentlichkeitswirksamen Happenings für den Weltfrieden künstlerisch neuen Gebieten zu. Im Dezember 1969 organisierten Lennon und seine Partnerin Yoko Ono die Plakat- und Posterkampagne „War is Over“, um für den Frieden zu werben. John Lennons bekanntestes Solostück „Imagine“ beschreibt die Vision einer besseren und gerechteren Welt.

Was also lag näher, dieses weltberühmte Vorbild für die städtische Karikaturen-Ausstellung „Glänzende Aussichten“ (organisiert von Miserior) in eigenen Kunstwerken wieder zum Leben zu erwecken. Gilbert Baiers bester Freund dabei ist Transparentpapier. Sorgsam paust er darauf die Vorlage der aus dem Internet ausgedruckten John-Lennon-Karikaturen ab. Und zwar in exakt der Größe, die dann als Design in seine Gitarrenvorlage passt.

Während das Original ausschließlich in schwarz-weiß gehalten ist, setzt Gilbert Baier seine eigenen ersten künstlerischen Akzente durch Farben. „Außerdem ist auf jedem Bild etwas anders, meist etwas dazu gekommen, damit die Bilder die kritischen Themen besser transportieren“, erklärt er seine „umgezeichneten John-Lennon-Fakes im Gilbert-Style“, wie er seine Werke augenzwinkernd tituliert.

Sogar das vor Plastikmüll strotzende Meer aus der Plakat-Karikatur, die für die Ausstellung wirbt, hat der Zweibrücker Künstler eingearbeitet. In seinen Bildern sitzt der Wildjäger eben auf einem Sessel aus Leopardenfell, werden Frauen, dienende Sklavinnen, als „Neger“ dargestellt. Balanciert der See-Elefant bei John Lennon die unter der Sonneneinstrahlung zu einem Mini-Inselchen geschmolzene Erde, hat Gilbert Baier das Bild um ein Atomkraftwerk ergänzt. Die Ertrinkenden vor Lampedusa gehen dem von der Katastrophe abgewandten Urlauber auf der Luftmatratze offensichtlich „am Arsch vorbei“. Dennoch sagt er über sich selbst angesichts der weltweiten Ignoranz gegenüber den Herausforderungen unserer Zeit: „Ich bin ein Posimist.“

Nicht jedes Bild erklärt sich auf den ersten Blick. So hat Baiers Klavierspieler – anders als im unbeschrifteten Original – auf seinem Notenblatt den Beatles-Titel „Help“ stehen. Immer wieder schlägt er zeichnerisch Brücken zu bekannten Lennon-Titeln. So auch mit dem „Adipositas-Hahn“, mit dessen Schrei der Beatles-Titel „Good Morning“ beginnt. „Ich küsse jetzt John Lennon wieder wach. Man kann viel in die Bilder hinein interpretieren, aber es hätte zu ihm gepasst.“ Davon ist Gilbert Baier überzeugt.

Die Miserior-Wanderausstellung „Glänzende Aussichten“ in Zweibrücker Geschäften und Leerständen dauert noch bis 22. März.