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Giftige Altlast gefährdet Gewässer

Giftige Altlast gefährdet Gewässer

Die Chemikalie PFT ist giftig und kaum zerstörbar. Über viele Jahre gelangte sie wohl durch Löschschäume in Boden und Wasser. Besonders betroffen sind Regionen um Flughäfen, etwa an der Airbase Spangdahlem.

Aus dem Fluss Kyll soll Fisch nur noch in kleinen Mengen verzehrt werden. Und aus dem sogenannten Märchenweiher bei Binsfeld in der Eifel gar nicht mehr. Grund für die Warnungen ist die giftige Chemikalie PFT, die in Gewässern rund um den US-Militärflugplatz Spangdahlem im Eifelkreis Bitburg-Prüm in stark überhöhter Konzentration nachgewiesen wurde. PFT ist in Feuer-Löschschäumen enthalten und über Jahrzehnte bei Einsätzen oder Übungen versprüht worden.

Natürlich nicht nur auf der Airbase Spangdahlem . Auch rund um den Flugplatz Bitburg sind die perfluorierten Tenside - kurz: PFT - über Normwert in Gewässern aufgetaucht. Auf der US-Airbase Ramstein in der Pfalz und im Umfeld von zivilen Flughäfen wie dem Hahn im Hunsrück gebe es ebenfalls Erkenntnisse über eine Belastung, teilt das rheinland-pfälzische Umweltministerium mit. Nicht allerdings rund um den Zweibrücker Flughafen, wie Ulrike Schneider, Sprecherin der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd erklärte. Bei Messungen habe man im Oberflächenwasser nur so minimale Belastungen mit PFT festgestellt, dass das rheinland-pfälzische Amt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht keine weiteren Untersuchungen für nötig erachtet habe. Im Grundwasser habe man gar keine PFT-Verunreinigungen gefunden, so Schneider.

Das Problem bestehe europaweit aber überall dort, wo PFT eingesetzt wurde. Auch Brandorte, Flugzeugabsturzstellen und Feuerlösch-Übungsplätze gelten als Gefahrenherde. Denn die Industriechemikalie baut sich nicht ab. "Wasser und Böden haben ein langes Gedächtnis." Um das Problem anzugehen, hatte die Mainzer Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) im Oktober 2014 eine Arbeitsgruppe PFT gegründet. Die Stoffe werden seit etwa 50 Jahren hergestellt.

Für den Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, Joachim Gerke, in Koblenz, ist klar: "Es ist ein Altschaden, der uns viele Jahre beschäftigen wird." Um das Ausmaß der Verunreinigung zu ermessen, werden in Rheinland-Pfalz seit Jahren routinemäßig und gezielt Gewässer auf PFT gecheckt. 2015 soll es weitere Untersuchungen geben, etwa im Umfeld von Flughäfen wie Büchel und Hahn. "Beim Hahn wissen wir, dass da was ist. Wir stehen aber noch am Anfang", sagt Gerke. Auch Regionen, wo Großbrände waren, würden überprüft.

Die Chemikalie, deren Verwendung die EU seit 2008 stark eingeschränkt hat, ist inzwischen auch in Brunnen in der Eifel aufgetaucht. Es bestehe aber keine Gefahr für die Menschen, teilt das Umweltministerium mit. Die PFT-Einzelstoffe seien "in sehr geringen" und für die Trinkwassergewinnung nicht relevanten Konzentrationen gemessen worden. Die Brunnen würden in kurzen Abständen überprüft. Bislang sei die Chemikalie nur im oberflächennahen Grundwasser nachgewiesen worden.

Am Flugplatz Ramstein beschränke sich die PFT-Belastung auf lokal begrenzte Bereiche auf dem Gelände der Airbase. "Ein Abstrom über die Grenzen des Flughafenareals ist nicht zu erwarten", berichtet das Ministerium. Unabhängig davon gebe es aber im Umkreis des Flughafens einen PFT-Grundwasserschaden, der auf einen Großbrand im Jahr 2008 zurückzuführen sei: Damals kamen bei einem Feuer in einem Reifengroßhandel Löschschäume zum Einsatz.

Über die Eifel-Gegend sei inzwischen "wohl am meisten bekannt", sagt Gerke. Aber auch noch nicht alles. Demnächst sollen Experten hier weitere Seen untersuchen. Zudem wird nach Bodenproben vom Ufer des Linsenbaches auf Ergebnisse gewartet. "Bis wir diese haben, wird empfohlen, Nutzpflanzen nicht mit dem Wasser des Baches zu bewässern", sagt Gerke. "Wir gehen da auf Nummer sicher." Auch die Fischuntersuchungen würden 2015 auf weitere Flüsse wie etwa Nims und Salm ausgedehnt.

Und was kann man gegen die Belastung tun? "Eine umfassende Sanierung im Boden, Grundwasser und Oberflächengewässer wird nicht möglich sein", sagt Gerke. Ziel sei daher, Einträge ins Oberflächengewässer deutlich zu verringern. Am Flugplatz Spangdahlem werde etwa gerade eine Sanierung von Kanälen geprüft. Ob und inwieweit eine Sanierung des Bodens und Grundwassers an den Hotspots möglich sein wird, entscheide sich nach den laufenden Untersuchungen. Aber: "Das, was im Grundwasser unterwegs ist, ist unterwegs", sagt der Bauingenieur.

Zum Thema:

StichwortPerfluorierte Tenside (PFT) sind nicht nur wasserfest, sondern auch schmutz- und fettabweisend. Sie werden vor allem benutzt, um Oberflächen von Teppichen, Kleidung, Möbeln oder Kochgeschirr zu behandeln oder Papier zu veredeln. In Böden sind PFT vergleichsweise leicht auswaschbar. Dadurch kann die Chemikalie ins Grundwasser gelangen und in der Folge auch das Trinkwasser verunreinigen. Die Verbindung selbst ist außerordentlich stabil und überall in der Umwelt nachweisbar. Die EU hat die Verwendung von PFT seit 2008 stark eingeschränkt. In Rheinland-Pfalz gilt PFT-haltiger Löschschaum als wichtige Quelle für regionale Belastungen. dpa