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Stadtverwaltung muss jetzt prüfen : Gewobau will die Festhalle übernehmen

Stadtverwaltung muss jetzt prüfen : Gewobau will die Festhalle übernehmen

Der Vollzug könnte zwei bis drei Jahre dauern. Man erhofft sich finanzielle Vorteile und sieht die Expertise der Gewobau beim Gebäudemanagement als Vorteil an. Doch es gibt einige Fragezeichen und Misstöne.

Die Stadtverwaltung Zweibrücken überprüft derzeit, ob und wie es möglich ist, den Betrieb der defizitären Festhalle von den Stadtwerken auf die andere Stadttochter Gewobau zu übertragen. Entsprechende Merkur-Informationen bestätigten gestern sowohl Stadtsprecher Heinz Braun als auch Gewobau-Geschäftsführer Rolf Holzmann. Letzter betonte, dass es noch keine konkreten Ausarbeitungen gebe, Gespräche mit Stadtspitze und Kämmerei ausstünden und sich das Verfahren über zwei bis drei Jahre hinziehen könnte. Ein Argument für den Wechsel sei die größere Erfahrung der Gewobau in Sachen Gebäudemanagement und -vermietung. Ein anderes, so Stadtsprecher Braun, sind die Finanzen. So sei eine finanzielle Entlastung der Stadtkasse durch die Maßnahme ein Ziel, das man im Auge habe. „Es kommt auf die Konstruktion an“, so Braun.

Im abgelaufenen Jahr hatte die Einrichtung ein Defizit von 762 000 Euro eingefahren. Davon waren 434 000 Euro Abschreibungen, die daraus resultierten, dass die Halle 2005 für zehn Millionen Euro umfangreich saniert worden war. Das Defizit aus dem Betrieb liegt bei etwa 300 000 Euro.

Seit Mai 2006 haben die Stadtwerke die technische und kaufmännische Betriebsführung der Festhalle inne. Die anfallenden Verluste gleichen sie durch ihre Gewinne aus, sparen gleichzeitig Steuern. Ob das Engagement der Gewobau für die Stadt auch in diesem Punkt lukrativer ausfallen könnte, soll eine angedachte Prüfung der Lage ergeben. „Wenn das Prüfergebnis vorliegt und es aussagt, dass der Wechsel zur Gewobau keinen Sinn ergibt oder er aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, dann bleibt die Situation, wie sie jetzt ist“, schildert Stadtsprecher Braun.

Wie der Merkur aus Kreisen der Gewobau-Belegschaft erfuhr, stößt die Idee dort nicht auf große Gegenliebe. Man sei unsicher, ob ein solches Engagement mit der bestehenden Belegschaft darstellbar sei. Im letzten Geschäftsbericht vom Oktober 2017 hatte das Unternehmen dargestellt, dass sich der Wohnungsbestand in den letzten zehn bis 15 Jahren um rund 30 Prozent erhöht habe. Die Zahl der Mitarbeiter sei aber indes quasi gleich geblieben (Ende 2016 waren es 65).

Aktuell ist die Lage zwischen Festhalle und Gewobau bereits überaus kurios: Die eigenbetriebsähnliche Einrichtung Festhalle als 100-Prozent-Tochter der Stadt Zweibrücken hält nämlich seit 2008 85 Prozent der Anteile am Unternehmen Gewobau! Sprich: Die Gewobau gehört der Festhalle, die übrigen 15 Prozent der Gewobau den Stadtwerken. Dass sie sie übernehmen könnte, wäre vor diesem Hintergrund äußerst skurril.

Ob oder inwiefern die Kommunalaufsicht bei einem solchen Wechsel Bedenken hätte oder Probleme sähe, könnte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier gestern auf Merkur-Anfrage nicht beantworten.

www.festhalle-zweibruecken.com