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Gewobau kämpft für gutes Stadtbild Langer Atem für City-Outlet

Gewobau kämpft für gutes Stadtbild Langer Atem für City-Outlet

Zweibrücken. Der Umbau der ehemaligen Kaufhalle zum City-Outlet, der Umbau der alten Post mit seniorengerechten Wohnungen oder die Sanierung der Villa Ipser - die Gesellschaft für Wohnen und Bauen (Gewobau) leistet mehr für Zweibrücken als ein klassischer Wohnungsvermieter

Zweibrücken. Der Umbau der ehemaligen Kaufhalle zum City-Outlet, der Umbau der alten Post mit seniorengerechten Wohnungen oder die Sanierung der Villa Ipser - die Gesellschaft für Wohnen und Bauen (Gewobau) leistet mehr für Zweibrücken als ein klassischer Wohnungsvermieter. "Stadtentwicklung ist für eine kommunale Tochter, die finanzielle Spielräume hat, unabdingbar", lautet die Maxime von Gewobau-Geschäftsführer Werner Marx."Die Innenstadt liegt mir am Herzen. Die darf nicht zu einem Slum verkommen wie in amerikanischen Städten. Das ist doch in Europa unvorstellbar. Da müssen Funktionen in die Stadt, damit es sich lohnt, hier zu wohnen und zu leben", sprudelt die Begeisterung für die Stadt aus dem Gewobau-Chef förmlich heraus. Vor dem Hintergrund ist auch verständlich, dass die Gewobau und ihr Geschäftsführer bei den Projekten "nicht auf die Rendite schaut". Die Gesellschaft habe auch eine Funktion für die Stadt, vermeidet Marx aber das Wort "Verpflichtung".

Als Beispiel nennt Marx die frühere Villa Ipser, die er lieber als Villa Rothenberg bezeichnet. "Nach 100 Tagen im Amt habe ich die Villa an der Steinhauser Straße für die Gewobau vor sechs Jahren ersteigert." Erst danach habe die Gesellschaft festgestellt, dass das Haus nicht verkauft werden kann. Nur eine Vermietung sei möglich. Nach Verhandlungen habe die Gewobau Eva Lang als Mieter gefunden, die dort eine Klinik für ästhetische Chirurgie einrichten möchte (wir berichteten). "Schönheitsoperationen in Zweibrücken, das ist doch was ganz Neues und Interessantes für die Stadt", spricht aus Marx die Begeisterung, Zweibrücken auch mit neuen Ideen nach vorne zu bringen.

Doch das Geld in die Stadtentwicklung zu stecken, ist eine Sache, die andere sei, das Geld zu verdienen. Und da stehe die Gewobau "im Vergleich mit anderen Gesellschaften überdurchschnittlich gut da", erklärt Marx im Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur. Grund ist der hohe Eigenkapital-Anteil. "Wir können uns mehr leisten, weil wir uns nicht mit Zinstilgungen befassen müssen." Zudem sei die Gewobau nicht von Banken abhängig. Die Kaltmiete von rund 3,75 Euro sei im Vergleich "ganz niedrig". Marx führt das auf die Arbeit des früheren Geschäftsführers Wolfgang Pirmann zurück.

Die Gewobau hat zurzeit 2823 Wohnungen in 472 Häusern. Bis 2005 war die Zahl der Häuser und Wohnungen fast konstant. Doch 2995 kamen rund 120 Häuser mit rund 350 Wohnungen dazu. Die Investitionsverpflichtung in Höhe von 5,7 Millionen Euro sei bereits nach drei Jahren "fast erfüllt", betont der Gewobau-Chef.

Von den Mieteinnahmen in Höhe von rund 8,5 Millionen Euro werde jährlich über die Hälfte in die Instandsetzung, -haltung und Modernisierung der Wohnungen investiert. Auch das ist für Marx ein Stück Stadtentwicklung. Denn für Neubürger seien neben Arbeitsplätzen "gute und bezahlbare Wohnungen" ein Wohnortkriterium.

Die Mieter kommen laut Marx aus allen Bereichen. Viele von ihnen seien schon 40 Jahre Kunde bei der Gewobau. Zweibrücken. Vor über einem Jahr eröffnete die Gesellschaft für Wohnen und Bauen (Gewobau) das City-Outlet in der ehemaligen Kaufhalle. "Das ist eine unserer schwierigsten Aufgaben", macht der Gewobau-Geschäftsführer Werner Marx im Gespräch mit dem Merkur auch keinen Hehl aus der problematischen Situation des Einkaufszentrums. "Aber wir haben einen sehr langen Atem. Wir haben keine Neigung, das Konzept aufzugeben", blickt Marx trotz der Schwierigkeiten nach vorne.

Zumal die Gewobau durch das City-Outlet "finanziell nicht gefährdet ist", wie Marx betont. Die Gewinne würden allenfalls etwas schwächer. Aber für Marx geht es nicht allein darum, Gewinn zu machen. "Wir wollen, dass das Projekt funktioniert." Ein Stück "Abenteuerlust", wie er selbst sagt, stecke auch dahinter. Er liebe es, spannende Projekte anzugehen. Dazu erinnert er sich an den langen Leerstand des großen Gebäudes in der zentralen Lage der Stadt. Deshalb kaufte die Gewobau 2005 das 5000 Quadratmeter große Gebäude. Marx: "Wenn wir nichts gemacht hätten, wäre es nie renoviert worden."

Marx nennt zwei Hauptgründe für die Situation: Zweibrücken sei ein "schwieriges Einkaufspflaster". Dazu sei das City-Outlet mit einer Verkaufsfläche von 2700 Quadratmetern zu klein. Die Gewobau wollte zu Beginn Sortimente ins City-Outlet holen, die im DOZ (Designer Outlets Zweibrücken) nicht möglich sind. Werner Marx: "Es ist schwer, ein Geschäft im Bereich HiFi oder Computer in das Outlet zu bekommen." sf

Auf einen Blick

Werner Marx, Geschäftsführer der Gewobau, im Gespräch mit Merkur-Chefredakteur Michael Klein (rechts) und Merkur-Mitarbeiter Fritz Schäfer (links). Foto: pm

Die Gewobau als Konzertveranstalter ist Geschichte", erklärt Geschäftsführer Werner Marx. Im Sommer zeigte die Wohnungsbaugesellschaft in einem Zelt Spiele der Fußball-Europameisterschaft und präsentierte Konzerte. Dafür erntete Marx heftige Kritik von Gastwirten. Auch mit dem Versuch, After-Work-Partys in der Stadt zu veranstalten, habe er sich nur Ärger eingehandelt, blickt Marx zurück. sf