1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Gewappnet für das Unvermeidliche

Gewappnet für das Unvermeidliche

Alle 25 Jahre steht die Zweibrücker Innenstadt rein statistisch gesehen unter Wasser. Und dagegen kann man auch wenig tun. Zweibrücken und einige Partnergemeinden versuchen aber, für den Fall der Fälle gerüstet zu sein.

Eines muss den Zweibrückern laut Nicole Hartfelder klar sein: "Wir müssen mit Hochwasser leben." Denn technisch könne man gar nicht so viel machen, um zu verhindern, dass die Rosenstadt von Zeit zu Zeit überflutet wird, sagt die Abteilungsleiterin Abwasserbeseitigung beim Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) im Merkur-Gespräch. Das heißt aber nicht, dass nichts getan wird. Vor allem geht es darum, die Folgen von Hochwasser abzumildern.

Dafür hat Zweibrücken im Jahre 2009 die Leitung der Hochwasserpartnerschaft Schwarzbach-Hornbach übernommen. Darin sind auch der Landkreis Südwestpfalz sowie die Verbandsgemeinden Zweibrücken-Land, Thaleischweiler-Fröschen, Wallhalben, Waldfischbach-Burgalben und Rodalben Mitglied. Gemeinsam wurden in bislang sechs Arbeitsgruppen seit 2010 Konzepte erarbeitet, die jetzt vorgestellt wurden. Unterstützt und gefördert wird das Projekt vom rheinland-pfälzischen Wasserwirtschaftsamt sowie dem Umweltministerium.

Dass Zweibrücken die Leitung der Partnerschaft übernommen hat, ist kein Zufall. So liegt gerade der Innenstadtbereich mit seinen beiden Flüssen Schwarzbach und Hornbach mitten im Überschwemmungsgebiet. Rein statistisch gesehen wird die Innenstadt alle 25 Jahre überflutet. Die letzte richtig große Überschwemmung gab es im Jahre 1993.

In der ersten Arbeitsgruppe ging es um die Verbesserung der Frühwarnung. "Bei kleineren Gewässern ist ein Hochwasser schwierig zu prognostizieren", erläutert Andreas Reischmann, Bauingenieur und UBZ-Sachbearbeiter für Hochwasserschutz und Gewässerunterhaltung. Um die Vorhersehbarkeit dennoch zu verbessern, wurden im Bereich des Hornbachs und des Schwarzbaches zwei Pegel überarbeitet und einer mit Landesgeldern neu angeschafft.

Risikokarten aktualisiert

In einer weiteren Arbeitsgruppe ging es um die Aktualisierung der Risikokarten. Die wurden mithilfe der zuständigen Einsatzkräfte - wie der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) - auf einen realistischen Stand gebracht. Auf dieser Basis entstehen jetzt in einem Pilotprojekt sogenannte Interventionskarten. "Die sollen wichtige Informationen für die Hilfskräfte beinhalten", erläutert Hartfelder. So werde zum Beispiel genau verzeichnet, wo kranke Menschen untergebracht sind oder wo sich Öltanks befinden. Die Karten sollen für verschiedene Hochwasser-Szenarien erstellt werden.

Um die Aktualisierung des Alarm- und Einsatzplanes ging es in einer dritten Arbeitsgruppe. "Der Plan ist nun deutlich umfangreicher und wesentlich gegliederter", sagt Hartfelder. Vor allem die Feuerwehr habe sich dabei eingebracht. Beschäftigt haben sich die Beteiligten auch mit konkreten technischen Maßnahmen für den Hochwasserschutz . Die sind aber wie bereits erwähnt sehr begrenzt.

So sei der Wasserrückhalt im Stadtgebiet sehr schwierig, sagt Reischmann. Konkrete Planungen gibt es allerdings für den Hornbach-Verlauf zwischen Ixheim und Rimschweiler. In dem Bereich soll die Begradigung rückgängig gemacht werden, indem Befestigungen entfernt werden. Bis sich der Flusslauf dadurch verlangsamt, werden allerdings einige Jahre vergehen. Und Reischmann stellt klar: "An der Höhe des Wasserstandes kann man dadurch wenig ändern." Vielmehr gehe es darum, die Wellen zu verzögern, um so bei einem Hochwasser eine längere Vorlaufzeit zu haben.

Die Partnerschaft Schwarzbach-Hornbach soll bis Ende 2015 ein zentrales integriertes Hochwasserschutzkonzept hervorbringen, kündigt Hartfelder an. Bis es soweit ist, stehen aber noch weitere Arbeitsgruppen an. Dabei wird es unter anderem auch um Bauvorsorge gehen. Grundsätzlich dürfe in Überschwemmungsgebieten (und das sind weite Teile der Zweibrücker Innenstadt; siehe Grafik) nicht gebaut werden, erläutert Reischmann. Allerdings bestünden gute Chancen, Ausnahmegenehmigungen zu bekommen. Die seien aber mit strengen Auflagen verbunden.