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Prozess: Gericht verhängt hohe Jugendstrafen gegen Pizzaboten-Räuber

Prozess : Gericht verhängt hohe Jugendstrafen gegen Pizzaboten-Räuber

Richter: Ganz Zweibrücken, eine Stadt in der man sich eigentlich sicher fühlen könne, wurde damals durch die Überfälle in Angst und Schrecken versetzt.

Der Vorsitzende Richter Michael Schubert verkündete gestern Morgen am Landgericht die Urteile im Prozess um die Pizzaboten-Überfälle 2016 in Zweibrücken. Die Kammer habe sich die Entscheidung, ob Erwachsenen- oder noch Jugendstrafrecht anzuwenden sei, angesichts der schwerwiegenden Delikte nicht leicht gemacht und sich letztlich „im Zweifelsfall“ für das Jugendstrafrecht entschieden. Eine ausgereifte Lebensplanung könne man den vier jungen Männern aufgrund ihrer Motive und Vorgehensweisen noch nicht bescheinigen. Die höchste Strafe sprach er gegenüber dem Angeklagten mit den meisten Vorstrafen aus: vier Jahre Einheitsjugendstrafe unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Er sei schon auf einem hohen Level vorbelastet und offenbar unempfindlich gegen Verurteilungen, konstatierte der Vorsitzende.

Drei Jahre und neun Monate muss der Organisator und an allen Überfällen beteiligte Angeklagte hinter Gitter. Strafmildernd wirkte, dass er in hohem Maße zur Aufklärung der Taten beigetragen und sein Wissen offenbart habe. Mit drei Jahren und sechs Monaten wurde der Dritte im Bunde belegt, dem der Richter bereits frühe Neigung zur Gewalt bescheinigte und der, mit seinem Solo-Überfall auf die Frau an der Heilig-Kreuz-Kirche, beim Opfer schwere psychische Folgen verursacht habe.

Ein Jahr und neun Monate, drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, erhielt der älteste und zugleich als unreifster und Mitläufer eingestufte Angeklagte. Er habe jetzt, nach großen Defiziten in der Jugendzeit, eine Perspektive. „Hören Sie in Zukunft mehr auf ihre Freundin, die Ihnen während ihrer Haftzeit immer beigestanden und viel für Sie getan hat“, empfahl Richter Schubert dem jungen Mann, dessen Haftbefehl außer Vollzug gesetzt wurde und der, nach vorheriger Obdachlosigkeit, nun eine Unterkunft bei der Freundin gefunden hat. Der heilfroh wirkende junge Mann konnte noch im Gerichtssaal seine Freundin in die Arme schließen.

Schubert betonte, dass es sich nicht um Bagatelldelikte, sondern um Schwerkriminalität handele. Ganz Zweibrücken, eine Stadt in der man sich eigentlich sicher fühlen könne, sei damals durch die Überfälle in Angst und Schrecken versetzt worden. Erst durch fieberhafte Anstrengungen der Polizei, die nach der Auslobung einer Belohnung einen Hinweis erhielt, habe man entsprechende Maßnahmen einleiten können und sei mit umfangreichen Ermittlungen dem Quartett auf die Spur gekommen. Schon die Verängstigung der Bürger der Stadt sei eine Folge der Taten und sei, neben den noch schwerer wiegenden Folgen für die direkten Opfern, beim Strafmaß berücksichtigt worden.

Drei Angeklagte verzichteten auf eine Revision, so dass ihre Urteile rechtskräftig sind. Der Haupttäter, noch auf freiem Fuß und in Ausbildung, gab noch keine Erklärung ab.