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Gerd Forster zu Gast beim Förderverein Kultur in der Himmelsbergkapelle

Gerd Forster zu Gast beim Förderverein Kultur in der Himmelsbergkapelle : Von Bombenangriffen und Bratkartoffeln

Gerd Forster, Träger des Pfalzpreises für Literatur, las in der Himmelsbergkapelle aus seinem Erzählband „Wir waren Kinder und es war Krieg.“ Die Erzählung beruht auf Erlebnissen während der des Zweiten Weltkriegs.

Diese Lesung in der Himmelsbergkapelle startete ungewöhnlich. Autor Gerd Forster spielte die Orgel und die Anwesenden wurden von Pfarrerin Elisabeth Brach, Vorsitzende des Fördervereins „Kultur in der Himmelsbergkapelle“, zum Singen eines Kirchenliedes aufgefordert.

Forster war vor seiner Pensionierung Lehrer für Deutsch und Musik in Kaiserslautern. Er liebt neben dem geschriebenen Wort auch die Lieder. Acht Semester hat er Gesang studiert, später war er Organist und Leiter eines Kirchenchors.

Gewissermaßen als Prolog zum Gedenken an 75 Jahre Bombardierung Zweibrückens erinnerte Gerd Forster mit seinen Erzählungen zum Thema „Wir waren Kinder und es war Krieg“ an eine dramatische Zeit. Viele der Zuhörer in der Himmelsbergkapelle mögen sie noch miterlebt haben – die schlimme Zeit des Zweiten Weltkrieges. Zustimmendes Nicken oder leises Gelächter begleiteten zuweilen die Ausführungen des in Ludwigshafen geborenen Autors, der seine Erlebnisse als neunjähriger Junge schilderte.

Aufgeschrieben hat er die Geschichten, da war er über 50 Jahre alt, und aus der Rückschau ergeben sich andere Perspektiven als beim damaligen Erleben. „Für uns Kinder war das eher ein Abenteuer“, sagte er zu den manchmal schrecklichen Geschehnissen in seinem Heimatdorf. Ausgebombt erreicht die Familie mit einigen wenigen Habseligkeiten das Haus der Tante in einem kleinen pfälzischen Dorf. Hier wohnen sie fortan und der kleine Gerhard – so nennt sich der Autor in seinem Erzählband – erlebt das Leid der russischen Kriegsgefangenen, aber auch leckere Bratkartoffeln und die Scheune als Spielplatz.

Als „ein Erlebnis, das ich nicht vergesse“ beschrieb er den Angriff eines Jagdflugzeuges auf eine Menschenansammlung vor der Dorfbäckerei. Ein Mann wurde verstümmelt, eine Frau starb. Es sind schnörkellose Sätze, mit denen der Autor das Geschehen beschreibt. Er zeigt den Zuhörern die Begebenheiten des Alltags, die doch in den Zeiten des Krieges eine besondere Bedeutung bekommen. Wie kleine Miniaturen haben sich die Geschehnisse in das Gedächtnis des Autors eingebrannt und schreibend bekommt er auch nach Jahrzehnten noch einen genauen Zugang zu ihnen. „Die Bilder von früher stellten sich ein. Nun quollen die Erinnerungen aus dem Dunkel ans Licht“, schreibt Gerd Forster.

Zum Beispiel an seinen Freund Alex, der bei einem Bombenangriff verschüttet wurde und dabei beide Beine verlor. Stets fröhlich sei der gewesen und von einer Klugheit, die seinem Alter weit voraus war. Schreiben, das ist für Gerd Forster nicht nur Kunst, sondern auch eine Menge Handwerk. Schon als Schüler hat er Gedichte geschrieben. Seine Texte sind wie genaue Fotografien, gleichsam eine präzise Chronik vergangener Erlebnisse. Zeitzeugen wie der Autor – er ist Jahrgang 1935 – halten die Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse des Krieges wach. Man sollte ihnen gut zuhören.