Proteste bei Tadano Gensch ruft Tadano-Mitarbeiter zum Widerstand auf

Zweibrücken · Der CDU-Politiker kritisiert die Tadano-Geschäftsführung und rät den Mitarbeitern, der IG Metall zu vertrauen.

Tadano will das Wer Wallerscheid schließen. Gewerkschaft und Betriebsrat versuchen, das zu verhindern.

Tadano will das Wer Wallerscheid schließen. Gewerkschaft und Betriebsrat versuchen, das zu verhindern.

Foto: Lutz Fröhlich

Mit deutlichen Worten hat der Zweibrücker CDU-Stadtrat und Landtagsabgeordnete Christoph Gensch erneut die Unternehmensführung von Tadano kritisiert, die das Zweibrücker Werk Wallerscheid schließen und rund 400 Mitarbeiter entlassen will (wir berichteten).

In der letzte Woche hatte es zwei Betriebsversammlungen in der Festhalle gegeben, bei der, wie Salvatore Vicari, der zweite Bevollmächtigte der Industriegewerkschaft Metall Homburg-Saarpfalz, hinterher dem Merkur sagte, „Wut und Enttäuschung“ über vier Monate voller Gespräche ohne Entgegenkommen des Unternehmens geherrscht hätten. Die Stimmung gegen das Management sei kaum zu beschreiben. Bis Ende dieser Woche wolle man Verhandlungsbereitschaft von der Unternehmensführung sehen, hatte es von Gewerkschaft und Betriebsrat gehießen.

Geschäftsführung warnt vor Gewerkschaft

Stattdessen gab es einen Rundbrief von Geschäftsführer Kenichi Sawada, in dem dieser warnte, mit den „bereits erfolgten verdeckten Arbeitskampfmaßnahmen oder angekündigten (Warn-) Streiks“ gefährdeten die IG Metall und der Betriebsrat den gesamten Standort Zweibrücken. Der IG Metall gehe es nur darum, sich auf Kosten der Mitarbeiter zu profilieren, für die Mitarbeiter werde sich die Lage dadurch nicht verbessern, sondern verschlechtern.

Vicari hatte nach der Betriebsversammlung am Montag gesagt, wenn die Arbeitgeberseite nicht bereit sei, in Verhandlungen einzutreten, würden weitere Schritte eingeleitet werden. Per Urabstimmung könne es auch zum unbefristeten Arbeitskampf kommen. Dabei handelt es sich um einen unbegrenzten Streik, der keine festgelegte Dauer hat und solange andauern kann, bis eine Einigung erzielt wird.

Management wird „Verantwortung nicht gerecht“

Christoph Gensch schreibt in einer Stellungnahme auf seiner Facebook-Seite, er habe in den letzten Wochen und Monaten bezüglich der Schließungspläne von Tadano viele Gespräche geführt , unter anderem mit der IG Metall, mit dem Betriebsrat, mit einzelnen Personen aus dem Betriebsrat, mit der Geschäftsführung von Tadano, mit politisch verantwortlichen Personen und mit vielen ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern von Tadano.

Nach all diesen Gesprächen ergebe sich für ihn ein klareres Bild der Gesamt-Situation und der aktuellen Vorkommnisse, „wenngleich längst nicht alle meine Fragen (insbesondere an die Geschäftsführung) zufriedenstellend beantwortet“ worden seien.

Die Geschäftsführung werde weiterhin ihrer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern nicht gerecht, weder bezüglich ihrer unternehmerischen Entscheidungen noch hinsichtlich ihrer Informations- und Kommunikationspolitik. „Vielmehr äußert sie in nicht nachvollziehbaren Brandbriefen gegenüber Mitarbeiterschaft und Gewerkschaft weitestgehend haltlose Vorwürfe“, kritisiert er.

Landesregierung nicht um Hilfe gebeten

Ihm bleibe zudem unklar, warum man „die rheinland-pfälzische Landesregierung zu keinem Zeitpunkt kontaktiert hatte, um im Vorfeld der Schließungs-Entscheidung auszuloten, welche Fördermöglichkeiten in RLP bestehen“. Zweifelhaft bleibe dabei, ob die Möglichkeit einer Konzentration der Firmentätigkeit am Standort Zweibrücken überhaupt in Erwägung gezogen worden sei.

Zeigt Video Japaner mit 3D-Kamera in Werkshalle?

Befremdlich erscheine ihm auch das Verhalten der japanischen Führungsriege von Tadano in Zweibrücken. „Anscheinend vergeht kein Tag an dem nicht Know-how aus Zweibrücken kopiert, fotografiert und abgezogen wird. Äußerst seltsam mutet die Tatsache an, dass japanische Führungskräfte mit Google-Street-View-artigen Kamerasystemen umgeschnallt nachts durch die Zweibrücker Produktionshallen schleichen“, schreibt er unter Bezug auf ein Video, das auch unserer Redaktion vorliegt. Darin ist ein Mann mit asiatischen Gesichtszügen zu sehen, der mit einem Gestell auf dem Kopf langsam durch eine Werkshalle geht, den Blick auf einen Bildschirm gerichtet, den er in den Händen hält. Man scheine Vorkehrungen zu treffen, „die Zweibrücker Anlagen eins zu eins an anderen Standorten aufzubauen“, kommentiert Gensch.

Zwar sei sein grundsätzliches Verhältnis zu Gewerkschaften nicht immer spannungsfrei, so der CDU-Politiker selbstkritisch, aber in diesem Fall stehe er hinter der Arbeit der Arbeitnehmervertretungen. Wörtlich schreibt er: „Vertrauen Sie der Gewerkschaft IG Metall und dem Betriebsrat! Vertrauen Sie Salvatore Vicari, Eduard Glass und Frank Schilb! Lassen Sie sich nicht durch Drohgebärden der Geschäftsführung verunsichern beziehungsweise auseinanderdividieren!“