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General Zorn nennt Probleme beim Namen

General Zorn nennt Probleme beim Namen

Das offene Wort hat Generalmajor Eberhard Zorn am Montagabend in der Zweibrücker Fasanerie wahrlich nicht gescheut. Wenn es darum ging, Probleme und Herausforderungen der Bundeswehr zu benennen, brachte er sie in einer erfrischend klaren Sprache auf den Punkt: "Mein Handy kann noch nicht mal Fotos machen", nannte er ein Beispiel für den Modernisierungsstau bei der Truppe.

In dem Bereich sehe er Handlungsbedarf. Eine veraltete Ausstattung - das gelte auch für Büros oder Möbel - passe einfach nicht zur neuen Rolle als ein Arbeitgeber von vielen, die die Bundeswehr seit der Abschaffung der Wehrpflicht innehat. "Wir sind in einer Konkurrenzsituation, der wir uns stellen müssen."

Diese neue Rolle war eines der Schwerpunktthemen bei einem sehr lebhaften Merkur-Salongespräch mit dem Kommandeur der Division Schnelle Kräfte mit Sitz in Stadtallendorf in Nordhessen. Zu ihr gehört auch die Luftlandebrigade 26 beziehungsweise ab April das Fallschirmjägerregiment 26 mit Sitz in Zweibrücken.

Zorn skizzierte den Umbruch, den die Truppe derzeit durchläuft. Der gehe einher mit einem notwendigen Mentalitätswandel - vor allem auch bei den Ausbildern. "In Zeiten der Wehrpflicht gab es die Auffassung: ‚Die Rekruten kommen ja sowieso'". Das sei heute anders. "In der Grundausbildung wenden sich die Vorgesetzten den Leuten mehr zu. Wir wurden damals einfach ins kalte Wasser geworfen." Hintergrund ist auch die neue Probezeit von sechs Monaten, während der die Rekruten von ihrer Verpflichtung zurücktreten können. Und die Möglichkeit nutzen im Moment etwa 25 Prozent.

Dennoch: Die Bundeswehr sei ein attraktiver Arbeitgeber, betonte Zorn. Als wichtigen Faktor nannte er vor allem die vielfältigen Qualifizierungsmöglichkeiten. "Ich wäre damals auch nicht zur Bundeswehr gegangen, hätte ich dort nicht studieren können." Darüber hinaus gebe es etwas, was die Industrie im Gegensatz zur Truppe in dieser Form nicht bieten könne: Kameradschaft.

Doch davon, etwas schönzureden, war Zorn am Montag weit entfernt. Das ist ohnehin nicht seine Welt, wie er auf eine Frage von Merkur-Chefredakteur Michael Klein, der den Abend moderierte, deutlich machte. Der wollte wissen, wie ein Minister (oder eine Ministerin) die Akzeptanz der Truppe gewinnen kann. "Unten angenommen wird der, der offen und ehrlich auf die Truppe zugeht", antwortete Zorn. Und das nahm sich der Zwei-Sterne-General zu Herzen. Er nannte Missstände beim Namen: "Ich kriege jeden Morgen Pickel, wie wenige Hubschrauber tatsächlich fliegen." Immerhin zeigte er sich zuversichtlich, dass dieses "Problem der Ersatzteilversorgung" mittelfristig gelöst werde. Problematisch seien oft auch die Verträge, die das Verteidigungsministerium in der Vergangenheit mit Rüstungsfirmen abgeschlossen hat. Ein Grund für begangene Schnitzer: "Wir haben keine Vertragsrechtler im Ministerium", sagte Zorn, der von 2012 bis 2014 Büroleiter des Generalinspekteurs der Bundeswehr war. Nicht zuletzt kam auch zur Sprache, dass dringend in die Kasernen investiert werden müsse: Das unterstrich Tischgast Constantin Spallek, Oberstleutnant und Kommandeur des Fallschirmjägerbataillons 263 in Zweibrücken: In der Niederauerbach-Kaserne gebe es in den kommenden fünf Jahren einen Investitionsbedarf in zweistelliger Millionenhöhe. In den nächsten 20 Jahren liege er sogar im dreistelligen Millionenbereich.

All diese Herausforderungen setzte Zorn auch in einen Zusammenhang mit einer "insgesamt instabilen Weltsicherheitslage". Als Beispiele fielen die Begriffe Ukraine-Konflikt und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). "Wir haben uns lange als Insel der Sicherheit gefühlt." Jetzt wachse das Bedrohungsempfinden allmählich wieder. Und wie sieht die Bundeswehr vor dem Hintergrund in zehn Jahren aus? Zorn glaubt an eine stärkere Integration mit den Armeen der verbündeten Staaten. Und: "Wir brauchen mehr Durchhaltevermögen." Denn vor allem die langfristige Schaffung von Stabilität in Krisenregionen sei der Schlüssel zur Konfliktbewältigung.

Alle Fotos vom Merkur-Salongespräch mit Generalmajor Eberhard Zorn, am Montagabend in der Fasanerie sind zu finden auf der Merkur-Internetseite unter www.pfaelzischer-merkur.de .