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Gemeinsamhandel Zweibrücken mit Geschäft 2019 zufrieden

Jahresbilanz der Händler in der Zweibrücker City : „Einzelhandel ist Heimat und Identität“

Der Umsatz der Zweibrücker Einzelhändler habe sich 2019 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres bewegt, sagt Andreas Michel, Vorsitzender der Vereinigung Gemeinsamhandel. Doch grundsätzliche Herausforderungen bleiben bestehen.

Dichter Verkehr quälte sich auf der Autobahn 8 in Richtung Zweibrücken und kostete Autofahrer am letzten Sonntag des vergangenen Jahres einige Nerven. Das Aufkommen war trotz des verkaufsoffenen Feiertages ungewöhnlich. Denn diesmal lockt nicht nur das Fashion Outlet zahlreiche Menschen aus der Region – sondern auch das Streetfood-Festival in der City (wir berichteten).

Von einer „bombastischen Stimmung wie auf einem Volksfest“, schwärmt (im Rahmen des Merkur-Gesprächs über die Zweibrücker Einzelhandels-Bilanz 2019) Andreas Michel, Vorsitzender der Zweibrücker Händler-Vereinigung Gemeinsamhandel. 8000 Besucher hätten auf dem Schlossplatz das kulinarische Fest genossen – und damit auch den Einzelhändlern rund um die Zweibrücker Fußgängerzone eine Kundenfrequenz beschert, die sie sich wohl auch an normalen Werktagen wünschen würden.

Der letzte Sonntag vor dem Jahresausklang gab den Händlern noch einmal einen Umsatz-Schub und sorgte bei vielen in Verbindung mit dem Weihnachtsgeschäft für einen soliden Jahresabschluss. „Die vier Samstage vor den Adventstagen waren zwar nicht ganz so stark wie 2018, aber die Händler, mit denen ich gesprochen habe, bewegen sich im Hinblick auf den Jahres-Umsatz alle in etwa auf dam Niveau von 2018“, sagt Michel. „Beim einen war es ein bisschen mehr, beim anderen ein bisschen weniger.“

Warum die „Adventssamstage“ 2019 schwächelten, habe man „noch nicht in der Tiefe analysiert“. Aber der aggressive Online-Handel von Internet-Giganten wie Amazon und Co. sei „natürlich ein Faktor“. Michel will über diese aber „nicht weiter jammern“. „Das Kaufverhalten hat sich eben geändert. Gerade bei der jüngeren Generation“, sagt Michel, der dennoch von einem positiven Weihnachtsgeschäft spricht. Auch weil sich die Händler und das Stadtmarketing ins Zeug gelegt hätten, die Fußgängerzone mit Weihnachtsbäumen und schöner Beleuchtung festlich herzurichten.

Michel bedauert lediglich, dass der Weihnachtsmarkt an vier seiner sechs Tage eine ziemlich feuchte Angelegenheit gewesen sei. „Da gab es ja phasenweise nur noch Regen. Beim Streetfood-Festival hatten wir dann Bilderbuch-Wetter. Da war dann gleich die Stimmung viel besser.“

Vom Pfälzischen Merkur befragte Zweibrücker Händler bestätigen Michels tendenziell zuversichtliche Einschätzung zur Geschäftsentwicklung 2019. „Es war ein gutes Jahr“, berichtet Sandra Cleemann, Geschäftsführerin vom Spielwarenladen „Idee und Spiel Cleemann“. Zwar habe ihr der Umstand, dass das Weihnachtsgeschäft erst spät im Jahr in die Gänge kam, die eine oder andere Sorgenfalte auf die Stirn getrieben. „Aber am Ende hat es noch richtig angezogen“, freut sich Cleemann, die im Weihnachtsgeschäft im Vergleich zum Vorjahr mehr Gewinn gemacht hat. „Zwar nur minimal. Aber ein Plus ist ein Plus.“ Dass der letzte verkaufsoffene Sonntag des Jahres im Rahmen des Streetfood-Festivals stattfand, wertet sie als Gewinn: „Die Stadt war proppenvoll. Wir hatten französische und saarländische Kunden, auch viele jüngere Leute.“

Auch Birgit Neuhardt, Inhaberin von „Mode Franck“ erklärt, das Jahr sei „insgesamt etwas besser gelaufen“ als das vorangegangene. Das Weihnachtsgeschäft sei indes fast identisch gewesen. Im Winter seien insbesondere Kaschmir-Pullover und um die Weihnachtszeit Accessoires wie Taschen gefragt gewesen. Von der Online-Konkurrenz lässt sich die Inhaberin, die das Geschäft in dritter Generation betreibt – 2021 wird Mode Franck 100 Jahre alt – nicht ins Bockshorn jagen: „Welchen Einfluss das Internet hat, ist schwer zu messen. Umsatzeinbrüche haben wir aber nicht festgestellt.“ Denn nicht jeder könne mit der Bestellung per Mausklick etwas anfangen. Und ihre Kunden schätzten die persönliche Beratung, berichtet Neuhardt. Am verkaufsoffenen Sonntag seien zwar mehr Kunden als sonst im Laden gewesen, merklich mehr verkauft als sonst habe sie aber nicht. Trotzdem finde sie das Konzept gut: „So können wir uns präsentieren. Und davon, ein paar Mal im Jahr den Laden sonntags zu öffnen, fällt niemand tot um.“

Roland Schöller hat mit seiner „Goldschmiede“ indes nicht am verkaufsoffenen Sonntag teilgenommen. Nicht weil er ihn kritisch sieht, sondern weil auch seine Mitarbeiter „an ihre Kapazitäten kommen.“ „Wir haben ja samstags noch lange geöffnet.“ Darüber geärgert, dass er sein Geschäft an jenem Tag geschlossen hatte, als die Innenstadt proppenvoll war, hat er sich nicht. „Genauso gut hätte es regnen können – und an so einem schönen Tag sollen die Leute sowieso lieber spazieren gehen“, findet Schöller, seit 32 Jahren selbstständig. Sein Geschäft sei über das Jahr „zufriedenstellend“ gelaufen. Das macht er aber nicht nur am Umsatz fest, sondern vor allem an der Zufriedenheit der Kunden. „Das ist das Allerwichtigste, und das versuche ich auch den Mitarbeitern zu vermitteln.“

Auch Renate Roth, Inhaberin von „Mic Mac Moden“ in der Fruchtmarktstraße, hatte ihr Geschäft am verkaufsoffenen Sonntag geschlossen. In der Vergangenheit sei das zeitweise anders gewesen, aber mehr verkauft habe sie dann nicht. Dennoch spricht die 72-Jährige von einem „guten Frühjahr, guten Sommer und sehr guten Winter“ für ihr Geschäft. Die Wertschätzung für Fachhandel in der Rosenstadt sieht sie durchaus weiter gegeben. Die fachkundige Beratung und der Umgang mit den Menschen seien dabei das A und O. „Deshalb habe ich viele treue Kunden und kaum Eintagsfliegen.“

Den Wert der Kundenbindung betont auch Gemeinsamhandel-Chef Michel, der zudem die Eigenverantwortung der Händler hervorhebt. „Sie müssen hellwach und kreativ sein, beraten und ihre Nische suchen.“ Den Einfluss des Online-Handels könne man nicht verhindern, aber man könne ihn abmindern. „Ich informiere mich ja auch online und vergleiche Angebote. Aber wenn möglich, kaufe ich stationär“, sagt der Vorsitzende von Gemeinsamhandel.

Die pessimistische Prognose, die mitunter im Hinblick auf das Überleben kleinerer Innenstädte verbreitet wird, mag Michel im Hinblick auf Zweibrücken nicht teilen. „Es sind keine Zeiten wie aus dem Schlaraffenland. Aber Zweibrücken hat noch eine ordentliche Innenstadt. Und für viele bedeutet Einzelhandel immer noch ein Stück Heimat und Identität. Das ist für uns eine Chance.“

www.gemeinsamhandel-zw.de