Geheimnistuerei um Notfallzahlen

Nach dem Aus fürs Evangelische Krankenhaus wächst die Befürchtung, dass Notfallpatienten künftig schlechter versorgt werden könnten. Das Deutsche Rote Kreuz widerspricht dem zwar. Doch weder die beiden Krankenhäuser noch das Land wollen veröffentlichen, wie oft in der Vergangenheit die Intensivstationen abmelden mussten.

Man will es sich nicht ausmalen: Man verunglückt in oder um Zweibrücken , der Rettungsdienst rückt an, doch beide hiesigen Krankenhäuser haben etwa wegen Überbelegung ihre Intensivstationen abgemeldet. So muss der Rettungstransporter einen weiteren Weg etwa nach Homburg oder Pirmasens zurücklegen - eine Zeitverzögerung mit vielleicht dramatischen Folgen. Das zumindest ist die Furcht, die manchen in und um Zweibrücken umso mehr umtreibt, seit das Aus des Evangelischen zum 30. September besiegelt ist.

Ist sie gerechtfertigt? Die beiden Krankenhäuser, die bisher die Notfälle aufnehmen und bei Bedarf im Wechsel auch Notfallärzte abstellten, und das Land sagen Nein. Sie wollen das aber mit Zahlen nicht belegen. Nardini-Sprecher Thomas Frank erklärt bloß zum Prozedere: "Abmeldungen von Versorgungsbereichen eines Krankenhauses erfolgen digital über den Zentralen Kapazitätsnachweis. Hierbei werden einrichtungsbezogen aktuelle Meldungen übermittelt. Jedes Krankenhaus hat lediglich Einblick in die eigenen Daten." Auch auf nochmalige Nachfrage liefert Frank keine Zahlen.

Susanne Liebold vom LVIM tut dies zwar auch nicht, erklärt aber immerhin: "Die Intensiv-Versorgung am Evangelischen Krankenhaus ist gesichert, das Haus hält die üblichen Kapazitäten vor. Entsprechend ist die Zahl der Abmeldungen von der Notfallversorgung stabil." Um jederzeit eine reibungslose Aufnahme und Versorgung von Notfallpatienten zu gewährleisten, melden man sich wie andere Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung bei der Rettungsleitstelle von der Versorgung ab, wenn im Haus vorübergehend nicht sämtliche Voraussetzungen für die intensivmedizinische Versorgung gegeben seien - etwa durch die komplette Auslastung von Intensivbetten oder Beatmungsgeräten. Dies sei "ein üblicher Vorgang".

Auch das Gesundheitsministerium verweigert eine Herausgabe von Zahlen. Erst heißt es, der Merkur solle sich dafür der Einfachheit halber an die Krankenhäuser direkt wenden, weil die Abmeldungsdaten in Mainz schwierig auszulesen seien. Nachdem die Kliniken die Zahlen nicht herausrücken, kommen auch aus Mainz plötzlich andere Töne. Sprecherin Sandra Keßler schreibt: "Wenn die Krankenhäuser diese Zahlen nicht an Sie weitergeben möchten, können wir das auch nicht." Die Notarztversorgung sei aber gewährleistet - auch nach dem Aus des Evangelischen, so Keßler. Viele lebensbedrohliche oder zeitkritische Erkrankungen würden auch außerhalb von Intensivstationen behandelt.

Jürgen See, Leiter Rettungsdienst bei der DRK Rettungsdienst Südpfalz GmbH mit seiner auch für Zweibrücken zuständigen Integrierte Leitstelle Südpfalz hat nach eigenem Bekunden keine Bedenken, dass die Notfallversorgung bereits jetzt leidet oder nach dem Aus des Evangelischen tun könnte. "Wenn in Zweibrücken keine Kapazitäten vorhanden sind, wird auf das nächstgelegene Krankenhaus ausgewichen." Notfallopfer würden vor Ort versorgt, befundet, dann zur Not auch mit dem Rettungshubschrauber aus Saarbrücken abtransportiert. Schwerstverletzte würden in Traumazentren gebracht. Er habe nicht den Eindruck, dass das Katholische das tatsächliche Notfallaufkommen nicht alleine stemmen könne. Allerdings müsste das Nardini-Klinikum künftig den Notdienst alleine mit eigenen oder eingekauften Honorarärzten abdecken.