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Gedenktafel erinnert an Schicksale jüdischer Opfer

Gedenktafel erinnert an Schicksale jüdischer Opfer

An die Opfer des Nationalsozialismus unter den Juristen, die im Bezirk des Zweibrücker Oberlandesgerichts tätig waren, erinnert demnächst eine Gedenktafel im Foyer des OLG. Diese soll am Dienstag, 19. April, eingeweiht werden.

So soll die Gedenktafel, die im Foyer des OLG angebracht wird, aussehen. Foto: cvw Foto: cvw

"Recht ohne Macht ist ohnmächtig - Macht ohne Recht ist tyrannisch". Dieser Mahnspruch wird demnächst im Pfälzischen Oberlandesgericht Zweibrücken gut sichtbar zu lesen sein. Er kommt gemeinsam mit mehr als 70 Namen auf eine Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus, die als Richter, Anwälte, Notare und in anderen juristischen Berufen im Bezirk des OLG von 1933 bis 1945 tätig waren. Im vergangenen Jahr feierte das Pfälzische Oberlandesgericht Zweibrücken sein 200-jähriges Bestehen. Dabei sowie in der begleitenden Ausstellung im Stadtmuseum wurden alle Phasen dieser langen, eindrucksvollen Geschichte beleuchtet. So auch die dunkle Zeit des Nationalsozialismus, der für viel Ungerechtigkeit und Leid auch unter den Zweibrücker Juristen sorgte. Jetzt wird ihrer nicht nur in einer eigenen Feierstunde gedacht, sondern mittels dieser Tafel ihr Andenken und die Erinnerung an Umstände, die niemals wiederkehren sollen, auch der Nachwelt erhalten. Für den OLG-Präsidenten, Willi Kestel, ist der Blick auf die düstere Zeit und ihrer Opfer ebenso wichtig, wie es die glanzvolle Feier der positiven Errungenschaften war. "Das Jubiläum verpflichtet uns dazu, uns ausnahmslos mit allen Zeiten dieser 200 Jahre zu befassen, und dies tun wir in aller Offenheit", erklärt Kestel. Er hält den Blick zurück auf diese Zeit für so bedeutend, dass er ihr eine eigene Feierstunden widmet. Die Festrede dazu hält der Münchner Archivar AD und Historiker, Dr. Reinhard Weber. Er hat sich mit den Jahren des Nationalsozialismus befasst und eigene Forschungen angestellt zu den Verfolgten im Bereich der Justiz in Bayern - eine Zeit, zu der auch die Pfalz bayerisch war. Zweibrücken komplettiert jetzt die Reihe der vier Oberlandesgerichte nach München, Nürnberg und Bamberg, die nach Webers Studien bereits im vergangenen Jahr Gedenktafeln installierten. Von allen der gut 70 Opfer ist bekannt, dass sie verfolgt und aus ihren juristischen Ämtern entfernt wurden. Wem die Flucht ins Ausland gelang oder wer im KZ verstarb, lässt sich nicht in allen Fällen ermitteln. Einige der Nachfahren jedoch konnten ausfindig gemacht und zur Freude Kestels zu der Feier am 19. April eingeladen werden.

Die große Gedenktafel, die jetzt in Auftrag gegeben wurde, wird an einer exponierten, freien Wandstelle im Foyer des Oberlandesgerichts unterhalb des linken Treppenaufgangs angebracht und ist allen Besuchern zugänglich. Gefertigt wird sie aus Metall mit einem weißen Folienüberzug, auf dem in schwarzer Schrift Namen und Sinnspruch stehen. Eine Glasabdeckung schützt das Schriftbild. Kestel, der kurz vor dem Ruhestand steht, ist es ein Anliegen, diese Gedenktafel noch in seiner Amtszeit zu installieren, gehört sie doch untrennbar zu dem Jubiläum 200 Jahre Pfälzisches Oberlandesgericht Zweibrücken dazu.