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Gabi Wenk sucht und bestimmt Trüffel und bildet Trüffel-Suchhunde aus

Gabi Wenk sucht und bestimmt Trüffel : Trüffelsuche als Spaß für Mensch und Hund

Weil ihre Hündin hoch talentiert, und ihr viele Arten des Trainings auf Dauer zu aufwändig waren, kam Gabi Wenk vor drei Jahren aufs Trüffelsuchen mit Hund. Mittlerweile ist die 71-Jährige Fachfrau für Trüffel, hält Vorträge bei der VHS Zweibrücken und bildet Trüffel-Suchhunde aus. Wir haben sie im Wald begleitet.

„Candy, geh du voraus. Such Pilze!“ Mit diesen Worten schickt Trüffel-Fachfrau Gabi Wenk ihren Trüffel-Suchhund in den verschneiten Fasaneriewald. Anfangs ist die zierliche Hündin trotz Schal und warmem Mäntelchen wenig begeistert von dem nassen, kalten Weiß. Doch dann, unter den Fichten oberhalb des Trompetenhügels, nimmt sie sichtlich Witterung auf. „Such, such Pilz“, ermuntert die Hundeführerin erneut. Gabi Wenk wendet keinen Blick mehr von dem Hund, der konzentriert am Boden schnüffelt. „Ist hier etwas?“, fragt sie und befreit die Stelle von Schnee. Sofort beginnt Candy zu kratzen und zu scharren. „Da, da ist einer, das ist bestimmt ein Hirschtrüffel“ ruft die Trüffelsucherin erfreut. Behutsam legt sie das etwa walnussgroße, braune Gebilde frei. Erst wird fotografiert, dabei die topografischen Gegebenheiten per Sprachaufnahme erfasst sowie die Koordinaten bestimmt und gespeichert.

Behutsam hebelt Gabi Wenk mit ihrer kleinen Eisenschaufel den für Laien unerkennbaren Trüffel aus der Erde und verpackt ihn in den Fächern ihrer überdimensionalen „Pillendose“. Achtsam schließt sie das kleine Loch sofort wieder – Umweltschutz. „Dieser ist riesig, sonst suchen wir Trüffel, die sind noch kein einen Zentimeter groß“, erklärt die 71-jährige Saarländerin aus Völklingen. Um dann ausgiebig ihren jetzt zehnjährigen Hund zu loben. „Fein, das hast du ganz fein gemacht.“ Zur Belohnung gibt es ein Leckerli und ein Stückchen Hundeleberwurst aus der Tube.

Es war ihre erste Schneesuche und Gabi Wenk war sich ganz sicher gewesen, dass das klappt. Sichtlich stolz lächelt sie. „Candy findet immer etwas. Sie ist ein Naturtalent, spielt quasi in der Champions-League der Trüffel-Suchhunde.“ Die ehrgeizige Hündin ist so intelligent, dass sie mittlerweile vorwiegend unterschiedliche Trüffelarten bei einem Spaziergang anzeigt. Waren anfangs unter den rund 20 Trüffeln, die sie auf einer dreistündigen Tour fand, zwei Arten, meldet Candy inzwischen bei zehn Trüffeln fünf bis sechs unterschiedliche, die ihre Halterin wissenschaftlich untersucht, bestimmt und kategorisiert.

Gabi Wenk ist Mitglied in der Forschungsgruppe der deutschen Trüffelsucher und der Saarländischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft. Außerdem bildet sie Trüffel-Suchhunde aus.

Mit italienischen Speisetrüffeln werden die Hunde an den Geruch gewöhnt. Klein geschnitten, werden die begehrten Delikatessen in spezielle Suchhölzchen verpackt und diese zunächst auf dem Spazierweg ausgelegt. Für jedes daran Schnuppern gibt es eine riesige Belohnung, bis der Hund die Hölzer, selbst unter Laub und Steinen oder unter einer Baumwurzel versteckt, findet und meldet. Von Candy lernen sie dann, wie man Trüffel ausbuddelt. Bereits zum Abschluss des Basis-Wochenendes finden die meisten Hunde vier versteckte Trüffel in der Erde.

Gabi Wenk weiß aus Erfahrung: „Das können Hunde aller Rassen, vom Welpen bis zum Senior und den meisten macht es riesigen Spaß, weil es den Spieltrieb im Hund anspricht.“ Die Kursteilnehmer erhalten entsprechendes Arbeitsmaterial, um mit ihren Hunden weiter zu üben. „Ohne Fleiß kein Preis!“ betont die Ausbilderin. Täglich Trüffelhölzer auslegen, schon vor dem Spaziergang eingraben, die Trüffel anschließend tiefgefrieren bis zum nächsten Einsatz, damit sie nicht schimmeln – der Aufwand zur Konditionierung eines Trüffel-Suchhundes ist erheblich. Und dient ausschließlich dem Spaß von Hund und Mensch, denn gerade die Esstrüffel, die auf kalkigem Untergrund auch im Saarland bis hin in den Zweibrücker Raum gedeihen, stehen in Deutschland unter Naturschutz und dürfen nicht ausgegraben werden. Jedoch sind das Suchen und Finden laut Bundesartenschutzverordnung nicht verboten.

Doch ähnlich wie andere Hundesportarten, von Man-Trailing bis Agility, schweißt auch das gemeinsame Trüffelsuchen das Team Hund und Mensch zusammen. Für schüchterne Hunde, wie Candy einer war, bringen die Erfolgserlebnisse und das ständige Lob einen weiteren Zusatzeffekt. Die kleine, sensible Hündin habe dadurch erheblich an Selbstbewusstsein gewonnen. Außerdem benötigt man für die Trüffelsuche weder einen Trainingspartner, wie beim Man-Trailing, oder einen Parcoursaufbau, wie bei der Agility, sondern lediglich ein nicht von Brombeeren zugewachsenes Waldstück. Da Hunde keine Trüffel fressen, hat der beste Freund des Menschen dem Trüffelwildschwein längst den Rang abgelaufen. Gabi Wenk weiß: „In Italien und Frankreich sucht man nur noch für die Touristen mit Wildschweinen.“

www.trueffelwelten.de

Am Wochenende, 24./25. April, bietet Gabi Wenk über die Volkshochschule Zweibrücken einen Basiskurs zur Ausbildung von Trüffel-Suchhunden an. Preis inklusive Trüffel 250 Euro.

www.vhs-zweibruecken.de