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FWG Zweibrücken: Vorsitzende Monika Mischke folgt auf Werner Sebald

Nachfolgerin von Werner Sebald – Tiefer Unmut bei Freien Wählern über Wechsel von Patrick Lang zu Grünen : Monika Mischke ist neue Zweibrücker FWG-Vorsitzende

Werner Sebald legte Amt aus Altersgründen nieder. Verärgerung über den Übertritt von Patrick Lang zu den Grünen sitzt auch bei Kurt Dettweiler tief.

Die 55-jährige Monika Mischke ist einstimmig zur neuen Vorsitzenden der Freien Wähler-Gruppe (FWG) Zweibrücken gewählt worden. In ihrer Arbeit wird die Chefin des Augenoptiker-Betriebs Seybold-Epting künftig durch den pensionierten Lehrer Hartmut Leiner unterstützt. Seine Wahl ins Amt des stellvertretenden Vorsitzenden erfolgte gleichfalls einstimmig.

Mit der Wahl dieses neuen Duos bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Montagabend an die FWG-Vereinsspitze endet die 15 Jahre währende Vorstandszeit von Werner Sebald. Voller Harmonie, gut vorbereitet – allerdings zuletzt mit einer Trübung belastet: Der Übertritt von Schriftführer und Stadtratsmitglied Patrick Lang vor zwei Wochen in die Grünen-Fraktion (wir berichteten), sorgte für erheblichen Unmut, zeigten Diskussionsbeiträge in der Versammlung zeigten.

Auch die neugewählte Vorsitzende Mischke (die an der Versammlung nicht teilnehmen konnte) sagte dem Merkur: „Klar, wir alle von der FWG sind enttäuscht. Das ist für uns von der FWG ein klarer Verlust. Ich persönlich bin sehr enttäuscht von Patrick Lang. Enttäuscht – weil das das Ende einer Täuschung ist!“

Nichts beschönigen will auch Werner Sebald, der nunmehr den Zeitpunkt gekommen sah, das Ehrenamt des Vorsitzenden in jüngere Hände zu legen. Sebald sagte zum Austritt von Patrick Lang aus der FWG: „Patrick war mit großer Euphorie zu uns gekommen. An der von ihm geleistet Arbeit gibt es nichts zu tadeln. Jetzt allerdings eine Trennung zu vollziehen mit dem Hinweis, Politik der Grünen würde ihm näher stehen, ist aus meiner Sicht eine fadenscheinige Erklärung. Unser Verein mit nicht mal 50 Mitgliedern hat eine klare Zielrichtung, die heißt: Gute Kommunalpolitik für die Rosenstadt Zweibrücken, für die Vororte, für die Menschen und Bürger, die in dieser Stadt leben. Als Patrick Lang zu uns kam, sind wir noch nicht auf Landes- oder Bundesebene aktiv gewesen.“

Sebald kritisierte auch Langs Politik: „Als Vorsitzender der Freien Wähler-Gruppe führten wir viele Gespräche zusammen. Die Sichtweise von Patrick Lang war dabei bisweilen Scheuklappen gleich. Als Beispiel dafür fallen mir spontan der Zugangsweg beim Baugebiet auf dem Gebiet des alten Evangelischen Krankenhauses ein – oder das Problem mit den Krähen in der Allee.“ Sebald lobte aber auch: „Ja, für die FWG war Patrick Lang in Ernstweiler vor allem ein großartige Stimmenjäger für die FWG-Ideen und Ziele einer guten Politik für Stadt und Vororte der Rosenstadt. Für die Zukunft wünschen wir alles Gute. Die Zeit wird zeigen, ob es ein Schritt in die richtige Richtung gewesen ist.“

Bereits am Sitzungsabend im Sportheim des TuS Wattweiler sprach Kurt Dettweiler, FWG-Stadtratsfraktionschef und Ortsvorsteher von Mittelbach-Hengstbach, von einer riesengroßen Enttäuschung über den Wechsel von Patrick Lang zu den Grünen: „Die Kommunalwahl 2019 bescherte uns von der FWG ein großartiges Wahlergebnis. Zehn Prozent der Stimmen und vier Stadtratssitze – zurecht konnten wir dieses Ergebnis feiern.“ Die Folgen der Corona-Pandemie seien bekannt: kein Stadtfest, keine Dorffeste in den Vororten, kein Adventsmarkt. Und jetzt auch noch der Austritt von Patrick Lang aus der FWG. Kurt Dettweiler: „Für mich eine riesengroße Enttäuschung, die ich noch nicht überwunden habe. Viele (Ausschuss-)Mandate gehen dadurch der FWG verloren. Freuen kann sich die CDU-Fraktion, die davon partizipiert. Von mir herzlichen Glückwunsch, jetzt bin ich um eine Erfahrung reicher, hätte aber gern darauf verzichtet. Seit 1995 bin ich im Stadtrat und sei 1997 Ortsvorsteher von Mittelbach-Hengstbach, ohne je daran zu denken, das Pferd zu wechseln!“

Aber, der Blick sei in die nahe Zukunft gerichtet, ergänzte Dettweiler. Auch bis zur Stadtratswahl 2024 gelte es, die Wähler zufriedenzustellen – und das im Zeichen eines riesigen Aufgabenberges. „Ich erinnere nur an die Mammutaufgabe bei der Konsolidierung des Stadthaushaltes mit 265 Millionen Schulden, mehr als einer viertel Milliarde Euro an Schulden!“ Die Themenfelder mit Straßenausbauprogramm (und den wiederkehrenden Beiträgen hierfür), den Dorfgemeinschaftshäusern die gern zum Einsparen von Kosten herhalten müssten, oder die Friedhofsunterhaltung in Stadt und Vororten seien weiterhin zwingende Themen, bei denen es gelte, gute FWG-Politik zu machen, so Dettweiler. Er verwies zudem auf die gemeinsame Forderung von CDU, FWG und FDP für lufttechnische Coronaschutz-Maßnahmen in Kitas und Schulen (wir berichteten). 200 Millionen Fördermittel stelle der Bund hierfür zur Verfügung. Von der Stadtspitze sei bisher nichts unternommen worden, um in den Genuss dieser Fördermittel zu gelangen. Hierfür sei allein der Oberbürgermeister (Marold Wosnitza, SPD) verantwortlich, meinte Kurt Dettweiler (erwähnte aber nicht, dass das Förderprogramm für Zweibrücken kaum anwendbar ist, weil es nur für schlecht lüftbare Räume gilt). „Ihr merkt, es gibt viel zu tun – packen wir‘s an“, meinte der gewohnt kämpferisch für die Sachen eingestellte FWG-Fraktionsvorsitzende.

Der scheidende Vereinsvrsitze Sebald hatte zum Beginn der Versammlung hervorgehoben, dass es innerhalb der FWG keine Unstimmigkeiten gebe und allein das Älterwerden für ihn ein Grund sei, nunmehr das Amt des Vorsitzenden in jüngere Hände zu geben.

13 Jahre an der FWG-Spitze, die Arbeit habe unwahrscheinlich viel Freude bereitet, so Werner Sebald, der noch einmal die Ziele der FWG in den Mittelpunkt rückte. Sein Dank galt dabei auch Annegret Kirchner die über Jahrzehnte die Fahne der FWG hochgehalten habe. Ihren Platz im Stadtrat hat im Februar Udo Brünisholz eingenommen.

Viel Lob spendete Sebald auch dem Vereinsschatzmeister Reiner Wolf für eine beispielhafte Kassenführung und Rechnungslegung. Sebald: „Das ist einmalig, hier ist ein Fachmann am Werk, das gebührt unser aller Dank.“ Das vorgelegte Zahlenwerk beeindruckte und spricht für eine ausgewogene Kassenlage bei der Freien Wähler-Gruppe Zweibrücken. Reiner Wolf wurde erneut mit dem Ehrenamt des Schatzmeisters betraut.

Das Amt des Schriftführers wird statt von Patrick Lang künftig Werner Sebald bekleiden. Kassenprüfer blieben Astrid Lauer und Thomas Körner. Als Beisitzer wurden gewählt: Roswitha Betz, Udo Brünisholz, Aaron Holaus, Otto Imhof, Thomas Klein und Stefan Schantz.

Das coronabedingt ausgefallene Minigolfturnier will die FWG nachholen und damit die Arbeit des DRK fördern. Thomas Körner bot sich an, für die FWG die Arbeit auf der Facebookseite zu pflegen. Das Ziel aller ist, junge Menschen für die Arbeit der FWG zu gewinnen, das erklärte auch die neue Vorsitzende Mischke. Potenzial sei vorhanden, es gelte aber die Mitarbeit Jüngerer zu gewinnen. Lang war das mit Abstand jüngste FWG-Ratsmitglied.