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Fusionieren statt Kunden belasten!

Fusionieren statt Kunden belasten!

Kommentar von Merkur-Redakteur von Lutz FröhlichDer Sparkasse Südwestpfalz schlägt wegen der starken Erhöhung der Kontogebühren eine heftige Protestwelle entgegen. Kein zweites Zweibrücker Thema hat in letzter Zeit für so viele - und so einhellig kritische - Reaktionen auf Facebook gesorgt.

Dabei ist die Sparkasse nicht zu beneiden: Wie alle Banken steht sie angesichts der Niedrigzinspolitik der EZB in der Tat vor der Herausforderung, noch genug zu verdienen. Zu beneiden sind aber gewiss auch die Sparkassen-Kunden nicht. Schon die Anhebung der monatlichen Kontopauschale von 3 auf 4,50 Euro ist ein großer Schritt. Hinzu kommt eine Vielzahl neuer Einzel-Gebühren. Ich selbst habe anhand meiner Kontobewegungen seit Jahresanfang ausgerechnet: Meine Gebühren hätten sich nach dem neuen Preismodell auf monatlich 7,20 Euro summiert - 140 (!) Prozent mehr als bisher. Und dabei habe ich schon einkalkuliert, Überweisungen nur noch an Selbstbedienungs-Terminals zu tätigen, um "nur" jeweils 50 Cent extra zahlen zu müssen. Wer - wie viele Senioren - eine Überweisung auf Papier abgibt, muss künftig sogar 1 Euro zahlen. Bei so drastischen Preissteigerungen ist verständlich, dass so viele Kunden via Facebook drohen, ihr Konto zu wechseln, zumal es deutlich günstigere Angebote von Banken mit Filialen vor Ort gibt (jedoch mit kleinerem Geldautomaten-Netz).

Dabei hätten Sparkassen eine Alternative: Anstatt durch Gebührenerhöhungen und Mini-Zinsen fürs Sparen ihre Ertragslage zu sichern zu versuchen (mit ungewissem Ausgang, denn mit Kündigern verdienen sie gar nichts mehr), sollten sie ihre Kräfte bündeln. In Rheinland-Pfalz gibt es 23 (!) Sparkassen , allein drei in der strukturschwachen Westpfalz, alle mit eigenen teuren Verwaltungsapparaten. Da ließe sich durch Fusionen viel sparen, ohne Nachteile für Kunden . Fusionen kosten zwar Arbeitsplätze. Aber solange kein Ende der Geiz-ist-geil-Mentalität abzusehen ist, wächst die Konkurrenz durch sehr schlanke Online-Banken ohnehin weiter. Wenn Sparkassen ihr Preis-Leistungs-Verhältnis dann auch noch verschlechtern, geraten am Ende noch mehr Arbeitsplätze in Gefahr. Landräte und Bürgermeister als Sparkassen-Träger sind deshalb gefragt, über ihren Schatten zu springen: Jede Fusion mindert ihren Einfluss. Doch die Alternative wäre für manche Sparkasse ein Tod auf Raten.