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„Für uns eine Hiobsbotschaft“

„Für uns eine Hiobsbotschaft“

Der Cap-Markt in der Hallplatz-Galerie blickt mit großer Sorge auf die Entwicklung, dass neben dem City-Outlet ein Netto-Markt entstehen soll. Das erklärt Marco Dobrani, Vorstand der Kimmle-Stiftung, die den Cap-Markt betreibt, im Gespräch mit dem Merkur . Wenn der Cap-Markt wegen der übermächtigen Konkurrenz dichtmachen müsse, würde die Hallplatz-Galerie nahezu leer, es drohe dann eine „Bauruine“.

Konkurrenz belebt das Geschäft, lautet ein geflügeltes Wort. Aber manchmal belebt Konkurrenz nicht - sondern macht den Garaus. Und zwar dann, wenn sie übermächtig ist. Vor einer solch übermächtigen Konkurrenz fürchtet sich die Kimmle-Stiftung, die in der Hallplatz-Galerie in Zweibrücken den Cap-Markt betreibt. Noch ist dieser der einzige Lebensmittelmarkt in der Innenstadt - noch. Denn spätestens im Sommer 2017 soll in der früheren Passage Schreiner neben dem leerstehenden City-Outlet am Busbahnhof ein Netto-Markt eröffnen (wir berichteten).

Marco Dobrani, Vorsitzender der Kimmle-Stiftung, sieht diese Entwicklung mit argen Bauchschmerzen. "Das war für uns eine Hiobsbotschaft, als wir von den Plänen erfuhren", erklärt Dobrani im Gespräch mit unserer Zeitung. "Wir haben die Befürchtung, dass zwei Märkte nebeneinander nicht existieren können", macht er deutlich; "die Kaufkraft der Bürger gibt das einfach nicht her". Im Cap-Markt würden viele Kunden nur kleinere Einkäufe tätigen, wenn diese Einkäufe künftig noch schmaler ausfielen, sei sehr schnell ein Bereich erreicht, in dem es betriebswirtschaftlich eng werde. Dobrani will aber nicht nur Sorge demonstrieren, sondern auch Kampfbereitschaft. "Wenn der Lebensmittelmarkt am Busbahnhof eröffnet, nehmen wir die Herausforderung an. Wir versuchen dann, mit besonderem Service zu punkten. Wir haben ja einen Lieferservice, der jetzt schon gut angenommen wird, aktuell beliefern wir rund 100 Kunden. Auf diese Dienstleistung wollen wir dann noch stärker setzen."

Ob sich der Cap-Markt unter diesen Vorzeichen behaupten könne, müsse dann die Zukunft zeigen. Wenn der schlimmste Fall eintrete und der Cap-Markt schließe, wäre dies ein zweifacher Schlag ins Kontor, so Dobrani - für den Markt selbst wie auch für die Galerie. "Wir betreiben in der Hallplatz-Galerie ja nicht nur den Cap-Markt, sondern auch noch das Bistro Capino und den Bürobedarfsartikel-Laden Capito, insgesamt beschäftigen wir in der Galerie 33 Festangestellte", zählt der Stiftungsvorstand auf. Die Besonderheit: Von den 33 Personen ist etwa die Hälfte behindert; sie zu fördern und in die Arbeitswelt zu integrieren ist ein besonderes Anliegen der Kimmle-Stiftung. Nicht nur für die 33 Festangestellten wäre ein Aus bitter - auch für die Galerie selbst. Dobrani: "Wir sind dort der Ankermieter." Ohne diesen Ankermieter könne aus der Galerie eine Bauruine werden, verdeutlicht er. 2008 sei der Cap-Markt in die Galerie eingezogen - mit einem fünf Jahre laufenden Mietvertrag. "Diesen Vertrag haben wir 2013 um weitere fünf Jahre verlängert." Vermieter ist die Firma Shore Capital International Limited. "Hätten wir gewusst, dass eine Konkurrenzsituation in der Innenstadt geschaffen wird, hätten wir uns das mit der Mietverlängerung sehr genau überlegt", merkt Dobrani an. Immerhin eröffne der Discounter am Busbahnhof wohl erst im Laufe des Jahres 2017, bis dahin laufe der Mietvertrag mit der Galerie nicht mehr lange und man könne gegebenenfalls recht zeitnah aussteigen.

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HintergrundAuch der erfahrene Einzelhändler Dieter Ernst geht davon aus, dass in der Innenstadt nicht zwei Lebensmittelmärkte gleichzeitig existieren können. Ernst, der selbst zwei Supermärkte in Zweibrücken betreibt - den großen Edeka-Markt im Hilgard-Center und einen zweiten, kleineren Edeka-Markt in Niederauerbach, erklärt auf Merkur-Anfrage: "Ich habe in der Vergangenheit ja selbst den Lebensmittelmarkt in der Hallplatz-Galerie betrieben, bevor der Cap-Markt dorthin kam. Ich kenne also das Potenzial, das dieser Markt hat", so Ernst. Er gehe davon aus, dass sich der Cap-Markt nicht gegen einen Lebensmitteldiscounter werde behaupten können. Ernst sagt, er sei in der Vergangenheit selbst gefragt worden, ob er sich im City-Outlet mit einem Supermarkt engagieren wolle; der Investor HGV, der bis Ende 2013 im Auftrag der Stadt das City-Outlet vermarkten sollte (was nicht von Erfolg gekrönt war) habe ihn darauf angesprochen. "Das habe ich damals aber abgelehnt", sagt Ernst. Er sei davon ausgegangen, dass dies dann der Todesstoß für den Markt in der Hallplatz-Galerie gewesen wäre. eck