Für Nahversorgung am Ortsrand

Zweibrücken. Tumultartige Szenen begleiteten am Mittwochabend im Stadtrat die Abstimmungen über ein von SPD, FDP und Linksfraktion beantragtes "Nahversorgungszentrum Niederauerbach" (wir berichteten kurz). Weil die beiden Linken ebenso wie die CDU wegen weiteren Beratungsbedarfs vertagen wollten, kamen "Umfaller"-Rufe aus den Reihen der Sozialdemokraten

Zweibrücken. Tumultartige Szenen begleiteten am Mittwochabend im Stadtrat die Abstimmungen über ein von SPD, FDP und Linksfraktion beantragtes "Nahversorgungszentrum Niederauerbach" (wir berichteten kurz). Weil die beiden Linken ebenso wie die CDU wegen weiteren Beratungsbedarfs vertagen wollten, kamen "Umfaller"-Rufe aus den Reihen der Sozialdemokraten. SPD-Fraktionsvize Dirk Schneider stürmte zur Linksfraktion, redete auf sie ein. Zuvor war der Vertagungsantrag bei Stimmengleichheit abgelehnt worden - nachdem zunächst falsch gezählt worden war. Am Ende erreichten SPD und FDP mit Unterstützung von Christine Rauch (CDU) und Achim Ruf (Grüne Liste) eine 21:15-Mehrheit dafür, einen Bebauungsplan aufzustellen; die Linken enthielten sich.Die Antragssteller argumentierten, Lidl könne sich am bisherigen Standort Hofenfels-/Gewerbestraße nicht vergrößern, der Discounter sei dort auf Dauer nicht überlebensfähig - und solle deshalb auf das Zimmereigelände zwischen Pirmasenser- und Gewerbestraße umziehen, ergänzt um weitere Geschäfte. "Im Dorf ist nichts mehr", sprach FDP-Fraktionschefin Ingrid Kaiser von einer "sozialen Notwendigkeit" für das "Nahversorgungszentrum": "Viele besitzen kein Auto." Gerade deshalb sei er gegen die geforderte Abweichung vom Zweibrücker Einzelhandelskonzept, sagte Oberbürgermeister Helmut Reichling. Denn der beantragte Standort sei zu Fuß kaum erreichbar. Das werde, weil es immer mehr Ältere gebe, aber immer wichtiger: "Künftige Generationen werden uns verfluchen, wenn wir noch mehr großflächigen Einzelhandel erlauben und dadurch fußläufig erreichbare Geschäfte verhindern."

Die Niederauerbacher Bürger seien klar für die Lidl-Expansion, betonte Gerd Gries (SPD). Solche Märkte müssten "die Möglichkeit haben, sich dem Einkaufsverhalten der Menschen anzupassen". Zu Anmerkungen Reichlings, man könne das Einzelhandelskonzept nun beerdigen, und von Baudezernent Heinz Heller (SPD), die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd sehe Niederauerbach schon heute überversorgt mit Einkaufsmärkten, sagte Martin Graßhoff (SPD), dem Rechtsamt werde und müsse es wie schon beim Hilgardcenter gelingen, "die SGD von diesem Unsinn runterzubringen". FWG-Chef Kurt Dettweiler sieht durch ein neues Center den Edeka-Markt im Ortszentrum gefährdet.