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Pilotprojekt in der Stadt: „Für mich ist sie eine Bereicherung“

Pilotprojekt in der Stadt : „Für mich ist sie eine Bereicherung“

Nach drei Monaten gibt es die ersten Erfahrungswerte beim Projekt „Ixem deheem“.

„Alexa, rufe bitte Karl an“, sagt Ute Hock-Bewersdorf freundlich. Kurz darauf winkt der Nachbar und langjährige gute Freund ihr auf dem Bildschirm des kleinen Tablet- Computers entgegen. Die beiden unterhalten sich kurz, dann wird das Gespräch per Sprachbefehl wieder beendet. So telefonieren die beiden so ziemlich jeden Morgen und Abend, erklärt die 78-Jährige fröhlich, wie mit einigen anderen aus dem Quartier Breitwiese in Ixheim auch.

„Alexa“ ist ein technisches Gerät, das Amazon herstellt und das auf Sprachbefehle antwortet und reagiert. Es ist mit einem Bildschirm wie bei einem kleinen Fernseher ausgestattet, hat Mikrofone und einen Lautsprecher. In seiner Grundausstattung ist es bereits mit kleinen Programmen, wie etwa einem Kalender, dem Wetterbericht oder der Videotelefonie ausgestattet.

„Ihre“ Alexa hat Ute Hock-Bewersdorf seit etwas über drei Monaten. Sie nimmt dabei an dem Projekt „Ixem deheem“ teil, das das DRK gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Fraunhofer IESE in Kaiserslautern und der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz in Mainz auf den Weg gebracht hat. Im Rahmen dieses bisher einmaligen Projektes erhalten bis zu 15 Senioren in Ixheim kostenlos das kleine Gerät und natürlich die Betreuung durch das Team des DRK und das Fraunhofer Institut, welches das fast zweijährige Projekt auch wissenschaftlich begleitet und auswertet.

Dafür stattet ein kleines Team des Instituts jedes Quartal den Senioren einen Einzel- oder Gruppenbesuch ab um herauszufinden, wie die Senioren zurechtkommen, aber auch, wie die Funktionen des Gerätes ergänzt werden können, so dass es den alltäglichen Bedürfnissen möglichst gerecht wird. Ziel ist es, der Vereinsamung vorzubeugen, den Alltag zu erleichtern und die Kommunikation fördern.

Doch so viel moderne Technik kann einschüchtern und überfordern, das weiß auch Ute Hock-Bewersdorf aus eigener Erfahrung. „Ich dachte erst, ich schaffe das nicht“, erinnert sie sich an ihre anfänglichen Bedenken. Doch sie wollte sich trotzdem drauf einlassen – bei anderen klappte es schließlich auch. Dadurch wuchsen die Momente, in denen sie sich sagte: „Also das kann ich auch.“

Nach einer kleinen technischen Einweisung zu Beginn durch Leona Kaufmann vom DRK- Quartierstreff traute sie sich dann an „ihre Alexa“ selbst ran und probierte einfach aus. „Man kann keine Fehler machen“, erklärt Leona Kaufmann ihren Senioren immer wieder. Und so ist es auch.

Ute Hock-Bewersdorf nutzt Alexa nun täglich. Und durch den Austausch mit anderen im Quartier findet auch immer mal wieder jemand etwas Neues heraus, worüber sich die Senioren austauschen und es sogleich selbst ausprobieren. Durch körperliche Einschränkungen, insbesondere ihrer Hände, fällt Ute Hock-Bewersdorf etwa das Schreiben oder das Bedienen der Telefontastatur schwer. Durch die Sprachsteuerung ist all das nicht nötig.

Wo das kleine Gerät überall ihren Alltag erleichtert, darüber muss die Seniorin nachdenken. Nicht, weil sie es sich nicht merken kann, sondern weil es so vielfältig ist. Am wertvollsten findet sie die Sprachkontakte per Videotelefonie mit anderen Nutzern in Ixheim. „Über Alexa hat man jetzt mehr Verbindung“, erklärt sie. Außerdem nutzt sie die Erinnerungsfunktion, die sie etwa täglich an ihre Medikamenteneinnahme erinnert, aber auch für die „Musik aus ihrer Zeit“ oder das Vorgelesen bekommen einer Geschichte kann sie sich begeistern. „Ich muss nichts mehr mit den Händen machen“, freut sich Ute Hock-Bewersdorf und erklärt: „Sie ist mein Sprachrohr, sie macht für mich das, was wichtig für mich ist. Für mich ist sie eine Bereicherung.“