Frühstück mit Genscher

Der Ex-Bundestagsabgeordnete Walter Hitschler würdigt Hans-Dietrich Genscher nicht nur als „geschichtliche Persönlichkeit“, sondern auch als humorvollen und unterhaltsamen Menschen.

Bestürzt hat der Ehrenvorsitzende des Zweibrücker Kreis- und Bezirksverbands Pfalz der FDP , Walter Hitschler, am Freitag auf die Nachricht vom Tod des früheren Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher reagiert. "Damit ist eine geschichtliche Persönlichkeit gestorben." Genscher habe für die Aussöhnung von Ost und West gestanden. Mit dem von Genscher mitgetragenen Nato-Doppelbeschluss und den Zwei-plus-Vier-Gesprächen sei der Kalte Krieg beendet worden. "Genscher war ein äußerst kluger Politiker, der ein Gespür für die Zeit hatte", sagt Hitschler, der als Bundestagsabgeordneter von 1987 bis 1994 Genscher persönlich kennengelernt hat. Dabei habe er Genscher als humorvollen und unterhaltsamen Menschen erlebt. "Genscher hat auch regelmäßig Leute aus der Fraktion zum Frühstück eingeladen", erinnert sich Hitschler an "interessante und wertvolle" Gespräche mit dem langjährigen Chef der Liberalen. Bei diesen Gesprächen habe Genscher ein Gespür bekommen, wie die Parteifreunde und auch die Bevölkerung denken. Hitschler erwähnt, dass auch Helmut Kohl solche Gespräche geführt habe. Neben dieser Gemeinsamkeit hätten sich der Kanzler und der Außenminister sehr gut verstanden.

Hitschler erinnert sich auch an die Besuche Genschers in Zweibrücken 1971 bei der Einweihung des Elsa-Brandström-Hauses des DRK. Damals nicht auf Einladung der FDP , sondern auf Einladung des damaligen Oberbürgermeisters Helmut Fichtner, der wie Genscher aus Halle stammte. 1987, 16 Jahre später, hatte Genscher dann in der Festhalle Wahlkampf für die FDP gemacht.

Diese beiden Besuche des FDP-Granden fanden natürlich auch im Pfälzischen Merkur ihren Niederschlag. Bei seiner Visite im März 1971, so notierte es der Merkur-Berichterstatter, würdigte der damalige Bundesinnenminister die Verdienste des DRK. "Er meinte, im freiwilligen Dienst am Nächsten stecke nicht nur humanitäre Opferbereitschaft, sondern auch staatsbürgerliches Engagement. Genscher würdigte besonders, dass sich die Jugend aktiv in den Dienst des Roten Kreuzes stelle", heißt es im Zeitungsartikel vom Montag, 8.März 1971.

Im Mai 1987 schaute Hans-Dietrich Genscher , mittlerweile Außenminister, kurz vor der rheinland-pfälzischen Landtagswahl am 17. Mai in der Rosenstadt - und bei der Saarmesse in Saarbrücken - vorbei. In Zweibrücken , so ist es im Merkur vom 11. Mai nachzulesen, pries Genscher bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit Rainer Brüderle und Martin Bangemann die "gemeinsame Gestaltung der Zukunft in Europa durch Deutsche und Franzosen" als ein Wunder.