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Wasserspaß und Foltermuseum: „Früher war es Mittelmeer, heute ist es Mittelalter“

Wasserspaß und Foltermuseum : „Früher war es Mittelmeer, heute ist es Mittelalter“

Für Veranstaltungen wie den Mittelaltermarkt im Zweibrücker Landgestüt verzichten manche Teilnehmer sogar auf Urlaub.

„Das fängt ja gleich gut an“, wird sich wohl so mancher Besucher des Mittelaltermarktes gedacht haben, der sich am Wochenende auf dem Gelände des Zweibrücker Landgestüts einfand. Wurde man doch direkt nach dem Eingang von einem Badezuber begrüßt, in dem splitternackte Gäste bei angenehmen Temperaturen im Wasser saßen. Etwas erhöht natürlich, sodass Neugierige nur die Köpfe der Badenden sahen – aber mutig war das schon von den Saarländern Petra und Jörg Alt sowie Karoline und Helge Krämer, die dem mittelalterlichen Badespaß frönten.

Waschzuber-Betreiber Hermann Leidisch aus Perl beschäftigt sich im realen Leben mit der Herstellung von Weidezäunen. Einst baute er für andere den Zuber; dann fuhr er einmal mit zu einem Mittelaltermarkt und fand selbst Spaß daran, den Badebetrieb zu unterhalten. Bequem kämen fünf Leute in dem großen Holzbottich unter, er habe aber auch schon neun Gäste hineingequetscht. Das eine Stunde dauernde Bad dient nicht in erster Linie zur Reinigung, im Gegenteil, vorher und nachher wird nämlich geduscht. „Aber es ist dermaßen entspannend!“, schwärmte Leidisch. Meist seien es Gruppen, die das Vergnügen im Voraus buchen – „damit die Leute, die reingehen, sich auch kennen“. Ein Freigetränk zum Badespaß gab es auch noch dazu. Ansonsten bestimmten fliegende Händler diesen Zweibrücker Mittelaltermarkt, so wie die Familie Trauth aus Annweiler. Zum echten Eintauchen ins Mittelalter-Flair gehörte bei ihr dazu, dass in altertümlichen Zelten auf dem Gelände übernachtet wurde – nur bei der Temperatur durfte ein wenig geschummelt werden, da half ein Gasbrenner gegen die Kälte. Spezialisiert haben die Trauths sich auf verschiedene Handwerksarbeiten. Vater Freddy beherrscht die Kunst des Brettchenwebens: Damit stellt er bunte Textilbänder aus Baumwollgarn her, die als Zierde von Kleidung oder als Schmuck dienen. Das Nadelbinden, eine Urform des Strickens, ist das Metier von Mutter Sabine, die aus Schurwolle Mützen, Socken und Pulswärmer anfertigt. Zur Mittelalter-Manie sind beide gekommen, weil Sohn Julian schon früh mit dem Spielen vieler alter Instrumente begann, darunter auch dem Dudelsack. Somit musste er, noch bevor er den Führerschein besaß, überall hinkutschiert werden für sein Hobby. Zu seinem Glück fingen die Eltern bei diesen Gelegenheiten Feuer. So begleiten sie ihn, der auch Glasperlen herstellt, seither regelmäßig zu diversen Märkten. Oft verlaufen diese von Donnerstag bis Dienstag, dafür gehe dann der gesamte Jahresurlaub drauf. „Früher war es Mittelmeer, heute ist es Mittelalter“, fasste Sabine Trauth zusammen – aber ihr gefällt das so besser.

Ansonsten ließen sich am Samstag die wenigen Besucher vom schlechten Wetter nicht beeindrucken. Vieles fand überdacht unter Zeltplanen statt; im Gestüt selbst dienten einige leere Pferdeboxen für die gruselige Schau des Foltermuseums. Streckbank und Garotte erinnerten daran, dass das eigentliche Mittelalter wohl weniger lustig ablief als es auf Mittelaltermärkten bisweilen den Anschein hat. Möglich war es für Mittelalter-Fans auch, einfach ihr Lager aufzuschlagen und am altertümlichen Treiben teilzuhaben. So zum Beispiel machte das Timo Obenauer aus Ixheim, der mit seiner Familie das „Volk von Hukinesheim“ darstellte. „Hukinesheim ist der alte Name von Ixheim“, erklärte Obenauer, der über dem Feuer eine leckere Erbsensuppe zubereitete.

Jörg Alt, Helge Krämer, Karoline Krämer und Petra Alt stiegen in den Badezuber von Hermann Leidisch. Foto: Sebastian Dingler

Am Sonntag hatten alle Beteiligten mehr Glück mit dem Wetter, da genossen weitaus mehr Besucher das mittelalterliche Treiben.