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Freiheitsfahrer-Autokorso in Zweibrücken: Anzeige wegen Körperverletzung

Zweibrücker Polizei übergibt Fall an Staatsanwaltschaft : Nach Corona-Autokorso: Anzeige wegen Körperverletzung

Ein 59-jähriger Zweibrücker erstattete bei der Polizei Strafanzeige gegen einen 58-jährigen Wohnmobil-Fahrer – auch wegen Sachbeschädigung.

Die Rangelei am Rande des gegen staatliche Corona-Schutzmaßnahmen gerichteten „Freiheitsfahrer“-Autokorsos am 20. Februar nahe der Zweibrücker Festhalle hat ein juristisches Nachspiel. Ein 59-jähriger Zweibrücker hat nun doch bei der Polizei Anzeige erstattet – wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung, wie der Zweibrücker Polizeichef Matthias Mahl auf Merkur-Nachfrage bestätigte.

An jenem frühen Samstagnachmittag hatte ein 58-jähriger Mann aus dem Landkreis Neunkirchen, der mit seinem Wohnmobil an jenem Autokorso teilnahm, den Zweibrücker nahe der hiesigen Festhalle angegriffen. Seinerzeit hatte der 59-Jährige die Kreuzung Saarlandstraße/Gestütsallee sehr langsam überquert – offenbar, um die Autokorso-Teilnehmer in ihren Fahrzeugen, die sich gerade zu ihrer Rundfahrt aufstellten, zu bremsen. Was sich der saarländische „Freiheitsfahrer“, vor dessen Wohnmobil der Zweibrücker demonstrativ einige Sekunden lang verharrte, nicht bieten lassen wollte. Wutentbrannt verließ der 58-Jährige sein Führerhaus und rannte dem Störenfried hinterher – obwohl der bereits die Fahrbahn verlassen und die andere Straßenseite erreicht hatte. Dort sprang der aufgebrachte Saarländer den Zweibrücker an und rang ihn zu Boden. Passanten brachten die beiden Streithähne schließlich auseinander. Und der 58-Jährige setzte sich, als wäre nicht gewesen, wieder ans Lenkrad seines Wohnmobils und fuhr in der „Freiheitsfahrer“-Kolonne weiter.

Die Bremsaktion des 59-Jährigen könnte mit dem Aufruf des Zweibrücker Stadtratsmitglieds Aaron Schmidt (Die Partei) zusammenhängen, der im Vorfeld via Facebook Fußgänger ermutigt hatte, gegen den Autokorso zu protestieren, indem sie auf der Strecke häufiger die Straßenseite wechseln.

Der Zweibrücker erlitt bei der Auseinandersetzung mit dem Wohnmobil-Fahrer Schürfwunden an einem Ellenbogen und an den Knien. Außerdem wurde seine Hose zerrissen. Laut Polizeichef Mahl ist der Fall inzwischen „ausermittelt“, weshalb man die Akten „in den nächsten Tagen“ der Zweibrücker Staatsanwaltschaft übergebe.

An dem von einem Mann mit Adresse in Brandenburg angemeldeten Autokorso (von der Festhalle aus quer durch Zweibrücken) hatten 106 Fahrzeuge teilgenommen. Polizei und Ordnungsamt hatten die Rangelei nicht gesehen und deshalb zunächst von einem ruhigen Verlauf gesprochen (wir berichteten).