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Freibad Zweibrücken verkauft Rest-Karten auch an Kasse

Zweibrücker Badesaison startet am 1. Juli : Freibad rudert zurück: Doch nicht nur Online-Ticketverkauf

Stadtwerke-Chef räumt Fehler ein: Für Menschen ohne Smartphone oder Computer wird nun doch auch die Freibad-Kasse geöffnet. Sie sollten aber vorher anrufen, ob es noch Karten gibt.

Die Stadtwerke als neuer Freibad-Betreiber haben auf die Kritik an dem geplanten Ticket-Verkaufssystem schnell reagiert. Wegen der Coronaschutz-Auflagen hatten die Stadtwerke ursprünglich geplant, in der kommenden Mittwoch (1. Juli) beginnenden Badesaion ausschließlich Einlass-Tickets ausschließlich online zu verkaufen, um die Besucherströme steuern zu können. Das hatte zunächst FWG-Stadtrat Patrick Lang heftig kritisiert: „Wir haben in Zweibrücken sehr viele ältere Badegäste, ohne Computer, manche sogar ohne Handy.“ Nicht jeder habe Enkel, die beim Online-Ticket-Kauf auf www.freibad-zw.de helfen könnten (wir berichteten).

Am Freitagmittag nun informierte Stadtwerke-Geschäftsführer Werner Brennemann auf Merkur-Anfrage: Es wird für solche Menschen auch eine Möglichkeit geben, Tickets vor Ort an der Freibad-Kasse zu kaufen. Brennemann räumte von sich aus offen ein: „Die Entscheidung, Tickets nur online zu verkaufen, war ein Fehler meinerseits.“ Ihm sei das von Lang geschilderte Problem so nicht bewusst gewesen. Natürlich solle niemand vom Freibad-Besuch ausgeschlossen werden.

Brennemann machte in dem Telefonat aber auch deutlich: Das neue E-Ticket-System bleibt, und wer immer es irgendwie nutzen kann, sollte es auch nutzen – der Verkauf an der Kasse kann nämlich nur eine Ausnahme sein.

Tickets online zu verkaufen, basiere auf einer Vorgabe des Landes, betonte Brennemann. Denn um nach eventuellen Corona-Fällen Infektionsketten nachvollziehen zu können, muss das Freibad die Kontaktdaten aller Besucher erfassen. Geschähe dies in größerer Zahl an der Kasse, gäbe es dort lange Schlagen. Und um die Ansteckungsgefahr zu verringern, dürfen diese Saison zunächst maximal 300 Menschen pro Schicht ins Freibad – an heißen Tagen waren es letztes Jahr bis zu 2000 (im Durchschnitt 246). Das bedeutet: Es kann gut passieren, dass Besucher an der Kasse abgewiesen werden müssen, wenn die Tickets schon alle weg sind. Brennemann empfiehlt deshalb dringend, kurz vor dem geplanten Freibad-Besuch unter Tel. (0 63 32) 4 10 45 anzurufen, um zu fragen, ob man Chancen hat, eingelassen zu werden.

Nicht möglich sei, telefonisch Karten zu reservieren – schließlich wolle man möglichst vielen Menschen auch an warmen Tagen den Freibad-Besuch ermöglichen, da könne man keine Tickets zurückhalten. Online-Tickets sind jeweils ab vier Tage im voraus kaufbar (wir berichteten ausführlich).

Nicht gefolgt dagegen sind die Stadtwerke der Anregung von Patrick Lang, die „Coronaschutz-Desinfektionspause“ um eine Stunde vorzuverlegen (dann ist laut Lang weniger los im Freibad). Dies lasse sich wegen des Zweischicht-Betriebs im Freibad nicht machen, ohne gegen Arbeitszeitgesetz-Regeln zu verstoßen, erklärte Brennemann am Freitag.

Am Dienstag gab es eine gemeinsame Freibad-Begehung mit Gesundheitsamts-Leiter Dr. Heinz-Ulrich Koch, um zu prüfen, ob die geplanten Coronaschutz-Maßnahmen ausreichen. Erfreulich sei, dass man auch den Spielplatz mit Rutsche, Planschbecken und Sand öffnen dürfe, berichtete Brennemann am Freitag – diese Entscheidung war zuvor noch offen. Bei den übrigen Plänen gibt es lediglich eine Änderung: Um die Abstandsregeln einzuhalten, folgen die Stadtwerke der Empfehlung Dr. Kochs, nur 50 statt 75 Menschen gleichzeitig ins Schwimmerbecken zu lassen. Im Nichtschwimmerbecken kann es bei der geplanten 75-er-Grenze bleiben.

Drei Tage nach Patrick Lang hatte am Donnerstagabend auch die Zweibrücker SPD eine Pressemitteilung geschickt und darin informiert: „In Gesprächen mit der Geschäftsführung haben die SPD-Aufsichtsratsmitgliedern nun darum gebeten, auch eine Ausnahme zu ermöglichen, für den Fall, dass jemandem die Online-Buchung nicht möglich ist.“ Dies müsse „aber die Ausnahme bleiben“ – denn an sich sei das Online-Ticket-System sehr sinnvoll (hier nennt die SPD wie oben Brennemann).

Die SPD hebt auch ihren Dank hervor für den großen Einsatz und die Kreativität der Stadtwerke, in diesen schwierigen Corona-Zeiten den Zweibrückern „Freibad-Vergnügen“ zu ermöglichen. Breiten Raum nehmen in der SPD-Mitteilung auch Spitzen gegen Patrick Lang ein. Der FWG-Rat betreibt privat im Freibad den Kiosk. Unter anderem schreiben die Sozialdemokraten: „Für die SPD nicht nachvollziehbar ist es, wenn nun Forderungen erhoben werden, die Stadtwerke sollen noch weitere zusätzliche Arbeitskräfte für den Betrieb des Kassenhäuschens beschäftigen und diese Forderungen dann auch noch von Personen kommen, die gleichzeitig den Freibad-Kiosk – gerade über die Mittagszeit – nicht öffnen wollen. Auch dort könnte doch ,einfach’ eine zusätzliche Aushilfe beschäftigt werden. Das würde das Angebot Freibad in diesem Sommer abrunden und – unter den gegebenen Umständen – noch etwas attraktiver machen.“

Lang betonte dazu gegenüber dem Merkur, er habe niemals mehr Personal für das Kassenhäuschen gefordert – es sei von der SPD „schlechter Stil, dies einfach so zu behaupten“. Er habe immer gedacht, dass zum Kontrollieren der Online-Tickets sowieso jemand da sein müsse. Und den Kiosk werde er, sobald genug Leute kommen, selbstverständlich auch bereits vormittags öffnen (dies hatte er auf Facebook schon vor einer Woche angekündigt).

Öffnungszeiten des Freibads ab 1. Juli: täglich 10 bis 14 Uhr und 15 bis 19 Uhr. Mehr Infos und -Anmeldung: www.freibad-zw.de. Infos: Tel. (0 63 32) 4 10 45.