Frauenchor „Gospel & Praise“ : Ein Chor, der sich zu helfen weiß

Auch dem Mittelbacher Frauenchor „Gospel & Praise“ macht das Singverbot zu schaffen. Doch unterkriegen lassen sich die Mitglieder nicht. Denn es gibt immer etwas zu tun – zum Beispiel Müll einsammeln.

Auch wenn das Singen gerade einmal wieder verboten ist, lässt sich der Mittelbacher Frauenchor „Gospel & Praise“ den Spaß nicht verderben. Die mittlerweile 16 Damen im besten Alter haben nicht zuletzt auf Grund ihres Ideenreichtums und ihrer von Grund auf positiven Ausstrahlung, ihres mitreißenden Gesangs und natürlich ihres ebenfalls über alle Maßen engagierten Chorleiters Wolf Rüdiger Schreiweis selbst in der Coronazeit eine neue Mitsingerin gefunden.

Und so blicken die Sängerinnen neben außergewöhnlichen Proben, wie etwa im Pirmasenser Parkhaus, gleich auf drei Höhepunkte in diesem so außergewöhnlichen Jahr zurück.

Das erste Highlight war ein Probewochenende in Trier. Bereits ein Jahr zuvor hatte sich „Gospel & Praise“ in der dortigen Jugendherberge eingebucht, um für das vorweihnachtliche Jahreskonzert zu proben, das sonst am zweiten November-Wochenende in der Mittelbacher Kirche stattfindet. „Das wollen wir nicht aufgeben“, war sofort klar, obwohl weder die Räume in der Jugendherberge den Abstandsregeln entsprachen, noch das Konzert zu planen war.

Doch „Gospel & Praise“ wäre nicht „Gospel & Praise“, wenn sie keine Lösung fänden. Völlig unkompliziert erfuhren Organisatorin Simone Blatt und der Chor mitten in der Krise, die einem das Leben an vielen Ecken und Enden einfach beschwerlicher macht, selbstlose und unerwartete Hilfe und Unterstützung. Diese betonte: „Es sind immer die Menschen, die den Unterschied machen!“

Das ganze Wochenende über probten die Sängerinnen in der „wunderschönen Kirche St. Ambrosius“. Simone Blatt schwärmt: „Die Akustik und die Atmosphäre in der Kirche waren einfach zum Verlieben.“ Ohne Konzert gönnte sich die Gruppe inklusive der neuen Petra Löher mehr Freizeit, erkundete Trier bei einer Nachtwächterwanderung und genossen eine Moselschiffahrt.

Doch nur ein Konzert absagen ist so gar nicht „Gospel & Praise“. Nachdem Simone Blatt bei ihren Radfahrten zahlreiche illegale „Müllhalden“ entdeckte, entstand im Chor die Idee, sich gemeinsam nützlich zu machen. „Säubern statt Singen“ hieß die Wochenend-Aktion, bei der auch der Chorleiter mit anpackte. „Es ist einfach nur super: Alle sind sofort dafür und nichts ist zu viel“, strahlt Simone Blatt dankbar.

Unterstützt vom UBZ, übernahm der Mittelbacher Chor heimatnah den ausgefallenen Umwelttag in Mittelbach-Hengstbach und staunte über das, was sich so im Wald findet. Neben Erwartbarem wie Bier- und Schnapsflaschen oder Zigarettenschachteln bargen sie unter vollem Körpereinsatz einen beträchtlichen Müllberg mit vollen Joghurt-, Quark- und Fischdosen, Textilien oder Teilen einer Stoßstange. So erschreckend das beträchtliche Volumen an Alltagsmasken neben Verpackungen der Fastfood-Ketten auch war, so viel Spaß machte sich die lachende Gruppe bei ihrem segensreichen Wirken an der frischen Luft, vor allem beim abschließenden Kaffeetrinken mit selbstgebackenem Kuchen.

Und auch von ihrem dritten Höhepunkt können Sängerinnen und Chorleiter jetzt in der erneuten Zeit der reinen Online-Begegnungen zehren. Die fünf Weihnachtslieder, mit denen sie sich an der Adventkalender-Aktion von www.menscheninzweibruecken.de beteiligen, konnten sie gerade noch rechtzeitig vor dem Lockdown mit seinem Singverbot aufnehmen. „Samstag haben wir geprobt und Sonntag war Gerhard Schmidt (Organisator von „Menschen in Zweibrücken“, Anm. d. Red.) so flexibel, um uns aufzunehmen“, frohlockt Simone Blatt über das Weihnachtsgeschenk, das der Chor mit seinem musikalischen Beitrag an dem digitalen Adventkalender dort allen Interessierten und nicht zuletzt sich selbst macht. Simone Blatt erklärt: „Es hat alles unglaublichen Spaß gemacht. Wir alle haben uns dafür entschieden, positiv und optimistisch zu bleiben, weil wir uns gegenseitig haben und einfach so ein toller Haufen sind.“