Frauen mit Mut und Stärke

Weihnachten, das Fest der Liebe – doch gerade an den Feiertagen gibt es immer wieder Konflikte, die im schlimmsten Falle eskalieren können. Oft ist dann der Frauennotruf für viele weibliche Opfer die letzte Hoffnung.

. "You are so beautiful" - mit diesem wertschätzenden und ermutigenden Rap endete die Feier 20 Jahre Frauennotruf Zweibrücken im Herzogsaal. Gut 60 Gäste aus der Politik, von öffentlichen und sozialen Einrichtungen sowie aus der Frauenarbeit erlebten eine höchst vielfältige Geburtstagsfeier. Der auf Landesebene ausgezeichnete Filmclip "Wenn das Leben zur Hölle wird" von dem anwesenden Edwald Knoll gewährte prägnant Eindruck in die Arbeit des Netzwerkes für Frauen mit unter anderem dem Zweibrücker Frauennotruf, der Polizei und dem Frauenhaus in Pirmasens.

An drei realen Fallbeispielen veranschaulichte Knoll die Bandbreite der Gewalt und die Auswirkungen für die Frauen: von der Verfolgung und Bedrohung durch den besitzergreifenden Expartner (Stalking) über eine Frau mit Migrationshintergrund, die den Mut fasst, sich, unterstützt vom Frauennotruf, von ihrem gewalttätigen Ehemann zu trennen, bis hin zu einer bedrohten Mutter, die mit ihren Kindern Zuflucht und Sicherheit im Frauenhaus findet.

Die Chefärztin für Psychiatrie und Neurologie im Pfalzklinikum Kaiserslautern, Gudrun Auert, erklärte in ihrem Kurzreferat die Wandlung von geführter zur selbstbestimmten Handlungsfähigkeit von durch sexualisierte Gewalt traumatisierten Frauen und Kindern. Unter dem Titel "Und bist Du nicht willig, so brauch ich … Geduld", machte die Psychologin deutlich, dass jede Verarbeitung, jede Heilung dem individuellen Weg der Betroffenen folgt und vor allem Zeit benötigt. Zeit, um zuzuhören, Bewältigungsstrategien zu erkennen und der Betroffenen bewusst zu machen sowie den Weg zu begleiten. "Traumabewältigung kann von schüchterner Verschlossenheit bis zu aggressiven Ausbrüchen und jeder Kombination daraus reichen", verdeutlichte Auer den Verlust von Lebensqualität und Handlungsfähigkeit privat wie beruflich.

Der wertfreie Weg führe von ernst nehmen, Vertrauen und Wohlfühlatmosphäre aufbauen über klare Handlungsstrategien bis zurück in Selbstvertrauen und Selbstbestimmung. "So schwer meine Arbeit ist, ich habe große Freude daran, mutige Frauen auf ihrem Weg zu begleiten", erklärte die Diplom-Psychologin Birgit Kerner, seit 17 Jahren hauptamtliche Frontfrau im Frauennotruf Zweibrücken . Gründungsmitglied und Kassenprüferin Gertrud Schanne-Raab erinnerte an die Ursprünge, bis am 30. November 1994 der Verein gegründet wurde, weil niemand die Trägerschaft für einen Frauennotruf übernehmen wollte. Nach dem anfänglichen Chaos mit kurzfristig wechselnden Vorsitzenden sei mit der Einstellung von Birgit Kerner Ruhe und erfolgreiche Handlungsfähigkeit in den rund 70-köpfigen Verein eingekehrt. Die vorsitzende Contwigerin Claudia Hunsicker fehlte, weil sie zur Stunde ihr erstes Kind zur Welt brachte.

Birgit Kerner und Festrednerin Birgit Heintz, Leiterin des Amtes für soziale Leistungen, kündigten für 2015 das geplante Übereinkommen der Europäischen Konvention an, den Paragrafen 177 und 179 BSG nach deutschem Recht zu ratifizieren: Rechtsanspruch auf Beratung für jede von sexualisierter Gewalt betroffene Frau sowie Strafbarkeit von nicht einvernehmlichen sexuellen Handlungen. "Es kann nicht sein, dass nur die wenigsten sexuellen Übergriffe geahndet werden", prangerte Kerner die "nicht hinnehmbare Ungerechtigkeit zu Lasten der Frauen an".