Frauen lernen, Grenzen zu setzen

Damit sie sich im Notfall gegen Angreifer verteidigen können, haben Frauen bei einem VHS-Kurs Abwehrtechniken gelernt. Den Trainern ging es aber vor allem darum, dass die Teilnehmerinnen lernen, die eigenen Grenzen zu kennen und zu setzen.

Man stelle sich einmal vor, eine Frau ist am Abend alleine unterwegs. Auf der Straße ist kein Mensch zu sehen, bis eine fremde Person - möglicherweise ein Mann, der körperlich weit überlegen ist - auftaucht und eben diese Frau bedrängt. Dann ist nicht nur guter Rat teuer, vom Verhalten der Frau hängt vielleicht sogar ihr Leben ab. "Täter suchen Opfer, keine Gegner", sagt Jan Frenzel. Er und seine beiden Trainer-Kollegen der Wing Tsun Kuen Kampfkunstschule Rodalben standen beim VHS-Kurs "Selbstverteidigung für Frauen " genau dafür ein.

Trotz des ernsten Hintergrundes war die Stimmung unter den zehn Frauen heiter. In der ehemaligen Hauptschule Nord lernten sie an zwei Abenden Grenzen zu setzen, Grenzen zu bewachen und diese zu verteidigen. Zuvor wurde theoretisches Wissen vermittelt. So erklärte Kursleiterin Michelle Martis beispielsweise die sieben Phasen eines Kampfes und erläuterte die Gefahrenfarbcodes, damit die Teilnehmerinnen ihre Situation stets einschätzen können. Dass das Grenzensetzen besonders eine Sache der Köpersprache und der Stimme ist, galt es für die zehn Frauen unterschiedlichsten Alters zu lernen. Laut, fast schon brüllend "Stopp" zu sagen, dabei trotzdem ruhig und bestimmt zu sein, eine Abstandhaltung einzunehmen und all dies in einer Übung - das erforderte vor allen Dingen eines: Überwindung. Doch dafür waren die drei Kursleiter Michelle Martis, Jan Frenzel und Nico Depta da, die die Übungen stets mit einer Portion Humor vormachten. Wie wichtig dennoch die Konzentration ist, stellte Jan Frenzel immer dann in den Vordergrund, wenn mehr gekichert als geübt wurde.

Wie schnell sich Unkonzentriertheit rächen kann, demonstrierte sogleich Nico Depta während des Kurses, in dem er sich unbemerkt von hinten näherte und es schaffte, eine regungslose Teilnehmerin vor verblüfften Gesichtern aus dem Saal zu ziehen. So sollte es im Ernstfall eben nicht ausgehen. Um eine möglichst authentische Situation darzustellen, übten die Teilnehmerinnen beispielsweise die Abwehrtechniken vor Würgeangriffen immer zu zweit. Trainer Nico schlüpfte dafür zusätzlich in die Rolle des Täters, wofür er so manches Mal einstecken musste, schließlich sollte das Erlernte auch angewandt werden. Und doch solle kein falscher Eindruck entstehen, erklärte Jan Frenzel. "Keiner wird hier zum Kämpfer ausgebildet. Viel wichtiger ist es, die eigenen Grenzen zu kennen und diese zu setzen." Und Michelle Martis ergänzt: "Das Körperliche lernen sie nur für den absoluten Notfall", viel wichtiger sei früher anzusetzen, um eine Deeskalation zu erreichen.

Das Trainerteam ist derzeit stark gefragt. Seit den Vorfällen in Köln leider mehr denn je. Die Motivation der Zweibrücker Frauen ist allerdings bunt gemischt. Claudia Wingert beispielsweise besuchte den Kurs in erster Linie für ein sichereres Gefühl für sich selbst. Bei Yvonne Langner waren die Vorfälle in Köln mit ausschlaggebend, und so hatte sie den Wunsch vorbeugend etwas zu tun. "Hauptsächlich aus dem Was-wäre-wenn-Gefühl heraus", erklärt die 40-Jährige. Esther Hartfelders Ansporn hingegen hat hingegen nur mit ihr selbst zu tun. "Ich mache hier mit, weil ich die Idee, die eigenen Grenzen zu setzen und das am eigenen Körper zu lernen, sehr gut finde." Dafür hat sie auch bereits die Trainertipps umgesetzt und zuhause geübt. Für die Volkshochschule war der Selbstverteidigungskurs für Frauen ebenfalls eine Premiere mit einer unglaublichen Resonanz. "Wir haben den Kurs an einem Donnerstag ausgeschrieben, am Samstag war er bereits ausgebucht. Das habe ich noch nie an der Volkshochschule erlebt", sagt der Zweibrücker VHS-Leiter Helmut Ertel.

Der Kurs Selbstverteidigung für Frauen findet in diesem Semester noch an drei weiteren Terminen statt. Diese beginnen am Donnerstag, 14. April, am Montag, 2. Mai, und am Donnerstag, 7. Juli.

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