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Forstamt: Wald in Zweibrücken ist dank des nährstoffreichen Bodens noch relativ stabil

Forstamtsleiter zieht Bilanz : Der Wald in Zweibrücken ist relativ stabil

Forstamtsleiter Ringeisen: In anderen Regionen Deutschlands ist die Lage teilweise deutlich ernster. Heute Abend stellt er im Rat Zustandsbericht vor.

„Unter den Blinden ist der Einäugige König“: So bringt Theodor Ringeisen den Zustand des Waldes auf städtischer Gemarkung in Zweibrücken auf den Punkt. Der Leiter des Forstamtes Westrich will damit verdeutlichen: Dem Wald in der Rosenstadt geht es – verhältnismäßig – gut. Andere Regionen in Deutschland haben deutlich gravierende Probleme zu beklagen, etwa Gebiete in Nordrhein-Westfalen oder Thüringen.

An diesem Mittwochabend (ab 17.30 Uhr im Ratssaal) wird Ringeisen im Stadtrat die Fraktionen über den Zustand der Wälder auf städtischem Gebiet in Zweibrücken informieren. Die CDU hatte um einen allgemeinen Zustandsbericht gebeten, die Grünen hatten ergänzend dazu gebeten, mehrere Fragen, etwa zur Struktur des Waldes, beantwortet zu bekommen (wir berichteten).

Auf Anfrage unserer Zeitung fasste Ringeisen die wesentlichen Inhalte dessen, was er im Stadtrat referieren wird, zusammen. Und das geht natürlich über die Erkenntnis hinaus, dass Zweibrücken der „Einäugige“ unter zahlreichen „Blinden“ ist.

„Der große Vorteil in Zweibrücken ist, dass die Böden dort relativ nährstoffreich sind. Deswegen ist die Palette an Baumarten viel höher als beispielsweise im Pfälzerwald“, nennt Ringeisen einen ganz entscheidenden Punkt. Denn: Eine breite Palette an unterschiedlichen Bäumen macht einen Wald widerstandsfähiger. Gibt es einen Schädling, der über eine bestimmte Baumart herfällt, ist nicht gleich der Wald in seiner Gänze betroffen.

Die Fichte sei ein großer Verlierer des Klimawandels. Die Wurzeln dieses Baumes reichen nicht tief, da die Böden immer stärker austrocknen, geht diesem Baum rasch das Wasser aus, seine Widerstandskraft lässt nach – ein gefundenes Fressen für den sogenannten Buchdrucker (Fichtenborkenkäfer), der diese Bäume massiv befällt.

„Wir haben im Stadtwald in den letzten 35 Jahren keine Nadelbäume mehr gepflanzt“, macht Ringeisen deutlich, dass man schon seit langem bewusst ein größeres Spektrum an Bäumen suche. „Das, was in den letzten 35 Jahren an Jungwuchs gekommen ist, ist auf natürliche Besamung zurückzuführen“, macht der Forstamtsleiter deutlich. „Wir reißen natürlich keine Fichten heraus, wenn sie da sind.“ Aber aktiv Fichten oder andere Nadelbäume setzen – das sei in Zeiten des Klimawandels der falsche Weg.

„Trockenheit – das ist das ganz große Thema“, sagt Ringeisen. Die Fichte komme mit Jahresdurchschnittstemperaturen bis zu etwa 9,5 Grad zurecht. „Wir haben aber jetzt schon 10 bis 10,5 Grad“, merkt er an.

Andere Baumarten wie Eiche, Roteiche, Kastanie, Winterlinde oder Spitzahorn würden Durchschnittswerte bis zu 12,5 oder 13 Grad wegstecken. Damit ist für Ringeisen die Marschrichtung klar: Auf diese Bäume wird gesetzt. „Wenn die Trockenheit anhält und die Durchschnittstemperatur weiter steigt, werden diese Bäume natürlich irgendwann auch Probleme bekommen.“

Wichtig sei aber, „intensive Mischungen“ im Stadtwald zu erschaffen, mit Bäumen, die eine größere Widerstandskraft haben. Das weitere Schicksal hänge dann von Faktoren ab, die ein Forstamt nicht beeinflussen kann.

„Wir haben in den vergangenen Monaten Glück gehabt, dass es bei uns nicht ganz so trocken war wie in anderen Regionen Deutschlands“, sagt Ringeisen. „Wir haben etwas mehr Regen abbekommen, deswegen steht der Pfälzerwald ganz gut da. Ebenso wie der Bayerische Wald. Für diese Wälder ist es glimpflich ausgegangen. In Nordrhein-Westfalen oder Thüringen ist es wesentlich dramatischer als bei uns. Dort sind Buchen derart stark betroffen – das hätte man so vorher gar nicht für möglich gehalten.“

Aber was ist schon alles möglich oder unmöglich in Zeiten des Klimawandels? Der Forstamtsleiter verdeutlicht, dass auch er keinen Blick in die Glaskugel werfen kann. „Wir versuchen halt, in unserem Wald zu streuen. So, wie man das bei Aktien macht. Nicht alles auf einen Baum setzen – so, wie man nicht alles auf eine Aktie setzen sollte. Wenn die dann abstürzt, wird es ernst.“