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Forschen für die Medizin der Zukunft

Forschen für die Medizin der Zukunft

Auf der Cebit präsentierte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) acht Projekte, die zeigen, wie die Innovationen der neuen Hightech-Strategie unser Leben und Arbeiten sicherer und leichter machen. Mit dabei war auch das Projekt „openIntelliCare“ der Hochschule Kaiserslautern.

Der demografische Wandel und explodierende Kosten im Gesundheitswesen machen es nötig, über zukunftsweisende Technologien im Gesundheits- und Pflegesektor nachzudenken. Hier setzt das Projekt "openIntelliCare" an, das kürzlich auf der Cebit vorgestellt wurde. Hierbei handelt es sich um ein Assistenzsystem, das Vitalfunktionen von Patienten kontinuierlich überprüft und an medizinisches Fachpersonal meldet.

"Wir haben eine Software-Plattform entwickelt, die Parameter wie Blutdruck, EKG, Blutzucker oder Sauerstoffsättigung des Blutes an ein telemedizinisches Zentrum meldet", beschreibt Projektleiter Prof. Uwe Tronnier das Produkt. "Das Besondere an "openIntelliCare" ist, dass wir Daten der verschiedensten Gerätehersteller in einem Produkt erfassen können. Wir machen uns also unabhängig von dem jeweiligen Messgerät und stellen medizinischem Pflegepersonal die reinen Daten zur Verfügung." Aus diesen Daten können Ärzte nicht nur den Gesundheitszustand des Patienten kontrollieren, sondern sogar voraussehen, dass möglicherweise eine Krise droht. Prof. Tronnier erklärt das am Beispiel eines Kreislaufzusammenbruchs. "Da kann man manchmal schon Tage vorher sehen, dass die Werte außer Kontrolle geraten. Zum Beispiel könnte das Körpergewicht einige Tage vorher durch Wassereinlagerungen ansteigen. Der Puls verlangsamt sich - das kann man schon etwa zwei bis sechs Stunden vor einem akuten Kreislaufkollaps sehen und der Arzt kann frühzeitig entsprechende Maßnahmen ergreifen." Zudem macht das System ein sogenanntes Triage-Management. Es sortiert die einlaufenden Daten danach, welcher Patient am schnellsten Hilfe benötigt und welcher Patient noch warten kann.

So könnte theoretisch ein Arzt eines telemedizinischen Zentrums 5000 bis 10000 Patienten betreuen. Im dünn besiedelten Norwegen ist eine solche Telemedizin schon wesentlich weiter fortgeschritten als in Deutschland. Hier will der Gesetzgeber in den kommenden Jahren nachziehen. Für die Patienten hat das Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist sicher, dass alte oder kranke Menschen länger zuhause bleiben und trotzdem engmaschig medizinisch überwacht werden können. Ein Nachteil ist sicher, dass gerade alte Menschen den Arzt oft aus Einsamkeit aufsuchen, weil sie niemanden zum Reden haben. Auch muss man sehen, ob alte und kranke Menschen die Messgeräte und die Übertragung per Mobiltelefon bewerkstelligen können. Die Forschungsgruppe "openIntelliCare" ist deshalb auch in Kontakt mit dem ASB in Zweibrücken . Mit der Uniklinik in Homburg entwickeln die Zweibrücker Forscher gerade einen Sensor zur Atemmessung für COPD-Patienten.

"Im Moment sind wir in der Testphase", berichtet Prof. Tronnier, "gerade die Messung des Atems ist schwierig, weil der Atem - anders als die Blutzucker etwa - willentlich verändert werden kann. Im April wird das Projekt "openIntelliCare" auf zwei Messen vorgestellt: auf dem Gesundheitskongress in Saarbrücken und auf dem Kongress "Zukunft Lebensräume" in Frankfurt. Eine Frage wird den Entwicklern von "openIntelliCare" auf der Cebit und auf den verschiedenen Messen immer wieder gestellt: Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? "Die Daten sind natürlich verschlüsselt", so Prof. Tronnier, "jeder Patient bekommt eine Nummer, die zufällig ausgewählt wird. Des Weiteren arbeitet "openIntelliCare" mit einer Hybridverschlüsselung der Daten, wie sie auch bei https-Webseiten angewendet wird. Als Medizinprodukt haben wir strenge Regeln, wer welche Daten bekommen darf. Anders als die beliebten Fitness-Tracker, bei denen die Nutzer intimste Daten eingeben und keine Übersicht darüber haben, wer das sehen kann. Das ist Datenhehlerei".