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Flüchtlingsheim Flughafen startklar

Flüchtlingsheim Flughafen startklar

Zweibrücken bekommt bald eine Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende. Die Arbeiten dafür in der Flughafen-Abflughalle laufen bereits – doch das zuständige Integrationsministerium schweigt.

Die Pläne für eine Flüchtlingsunterkunft auf dem ehemaligen Flughafen Zweibrücken sind deutlich weiter fortgeschritten als bislang bekannt. Noch bis Dienstag hatten alle involvierten Stellen auf Anfrage unserer Zeitung sich zu solchen Plänen bedeckt gezeigt. Gestern Vormittag machte sich der Merkur deshalb selbst ein Bild vor Ort - und stieß auf laufende Arbeiten für das Flüchtlingsheim. Ein DRK-Mitarbeiter vor Ort verwies für Auskünfte auf DRK-Südwestpfalz-Geschäftsführer Mario Sauder sowie das Mainzer Integrationsministerium.

Sauder bestätigt das Offensichtliche: Das DRK Südwestpfalz bereitet sich vor, eine Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) im Flughafen zu betreiben. Die Vorbereitungen sind sogar schon fast fertig: "Zum Wochenende ist von unserer Seite alles klar", antwortet Sauder auf die Frage, wann die Afa eröffnet. Tatsächlich dauere dies aber wohl noch etwas länger, vermutet Sauder. So müsse die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) sich um die Organisation etwa der Betten kümmern, die "Mangelware im ganzen Land sind". Das DRK sei zunächst auf "bestimmt 300 Flüchtlinge " eingestellt, Genaueres wisse man aber selbst noch nicht. Es gebe auch noch keinen Vertrag mit ADD oder Ministerium, "aber wir stehen auf Abruf, wir können und werden dies stemmen". Man werde die Flüchtlingsunterkunft mit zwölf Vollstellen betreiben, großteils bisherigen Mitarbeitern. "Wir haben auch schon mit weiteren Leuten gesprochen, aber wir können niemanden einstellen, wenn es noch nicht konkret ist". Viele Aufnahmeeinrichtungen in Rheinland-Pfalz werden nach Merkur-Informationen aber auch ohne formellen Vertrag eröffnet. Laut dem letzten Stand von Stadtsprecher Heinz Braun war von einer Kapazität von bis zu 500 Flüchtlingen in der Afa die Rede. Auf die Stadt kämen keine Kosten zu. Nicht nur, weil es sich um eine Landeseinrichtung handelt: Die Abflughalle steht auf Contwiger Gemarkung. Eine Ausdehnung auf die teils in Zweibrücken liegende Ankunftshalle sei aber möglich.

"Alle kommunalen Gebietskörperschaften sind in den Abstimmungsprozess eingebunden", berichtet Verbandsgemeinde-Bürgermeister Jürgen Gundacker. Landkreis-Sprecherin Ulla Eder hat zwar ebenfalls "noch nichts Konkretes" vom Ministerium auf dem Tisch: "Diese Woche laufen noch Gespräche." Beim Kreis wären vier Ämter berührt: Bauabteilung, Ausländerbehörde, Gesundheits- und Jugendamt. Ob das Personal reiche, könne man noch nicht sagen.

ADD und Flugplatz-Eigentümer Triwo verwiesen auf Merkur-Anfrage gestern ans Mainzer Integrationsministerium. Dessen Sprecherin Astrid Eriksson antwortete auf unsere elf Fragen - darunter, ob die Startbahn auch für Abschiebe-Flüge genutzt werden soll - lediglich: "Ich bitte noch um ein klein wenig Geduld. Wir informieren über neue Standorte von Flüchtlingsunterkünften, sobald die Entscheidung hierfür jeweils gefallen ist."

ADD-Sprecherin Miriam Lange erklärte aber Grundsätzliches: Alle Afas in Rheinland-Pfalz würden durch von der ADD eingesetzte Leiter geführt, in der Praxis aber oft weitgehend von Hilfsorganisationen wie dem DRK betrieben. Es gebe temporäre und dauerhafte Afas. Die Flüchtlinge blieben immer kürzer in den Afas (zurzeit vier bis sechs Wochen), und würden dann auf die rheinland-pfälzischen Kommunen verteilt. Ehrenamtlichen Helfern, die langfristigen Kontakt zu Flüchtlingen suchen, rät Lange deshalb, sich auf die in den Kommunen untergebrachten zu konzentrieren.

Meinung:

Geheimniskrämerei schadet!

Von Merkur-RedakteurLutz Fröhlich

Bei vielen Bürgern ist die Akzeptanz und Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge erfreulich groß. Dass die Arbeiten für die große Flüchtlingsunterkunft in Zweibrücken weit vorangeschritten sind, das Mainzer "Integrationsministerium" aber Geheimniskrämerei betreibt, ist absurd. Es spielt auch Hetzern gegen "die Politik" und Flüchtlinge und in die Hände. Und Integration funktioniert nicht ohne Bürgerbeteiligung! Dass viele Flüchtlinge wegen Missständen in der zentralen rheinland-pfälzischen Aufnahmeeinrichtung Trier ins saarländische Pendant nach Lebach abgehauen sind, ist ein weiteres Armutszeugnis für das von den auf dem Papier doch sehr flüchtlingsfreundlichen Grünen geführte Integrationsministerium.