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Finanzlast drückt Kirchengemeinden

Finanzlast drückt Kirchengemeinden

Zweibrücken. Die Luft wird dünner. Bereits heute ist der Unterhalt der Gebäude ein besonders dicker Brocken im Etat der Kirchengemeinde Zweibrücken-Mitte, berichtet Dekan Peter Butz (Foto: pm) - ein Haushaltsposten, mit dem die Gemeinde immer mehr Probleme bekommen werde

Zweibrücken. Die Luft wird dünner. Bereits heute ist der Unterhalt der Gebäude ein besonders dicker Brocken im Etat der Kirchengemeinde Zweibrücken-Mitte, berichtet Dekan Peter Butz (Foto: pm) - ein Haushaltsposten, mit dem die Gemeinde immer mehr Probleme bekommen werde. "Wenn wir Rückstellungen ausweisen müssten, hätten wir jetzt schon keinen ausgeglichenen Haushalt mehr", sagt Butz. Auch anderen Kirchengemeinden im Dekanat, das von Zweibrücken über Blieskastel bis nach Saarbrücken-Ensheim reicht, reiße der Gebäudeunterhalt neben den in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegenen Energiekosten immer größere Löcher in den Haushalt. Dabei habe Zweibrücken-Mitte wegen des großen Gebäudebestands besonders hohe Unterhaltungskosten zu schultern. Mit Alexanderskirche, Karlskirche und Versöhnungskirche unterhält die Gemeinde allein drei Kirchen. Hinzu kommen vier Kindergärten und die Pfarrhäuser. "Und die Einnahmen lassen sich nur bis zu einem gewissen Punkt steigern." Die Konsequenz: Manche kleine Gemeinde wird sich wohl irgendwann von ihrem Pfarrhaus trennen müssen, glaubt Butz. Auch, weil es bis zum Jahr 2020 viel weniger Pfarrer gebe. Während in den 50er und 60er Jahren in der Evangelischen Kirche der Pfalz Pfarrermangel geherrscht habe, hätten sich in den 70er Jahren sehr viele junge Menschen für diesen Beruf entschieden, berichtet der Dekan. Im Vergleich zu damals sei heute das Interesse, in den Kirchendienst zu gehen, regelrecht eingebrochen. Zu seinen Studienzeiten waren es im Bereich der pfälzischen Landeskirche jährlich noch 300 Theologiestudenten, die Interesse am kirchlichen Dienst hatten. Aktuell sind es 47, sagt Butz. Deshalb sei abzusehen, dass die evangelischen Christen in der Pfalz (einschließlich Saarpfalz) in absehbarer Zeit mit erheblich weniger Pfarrern auskommen müssen. Das bedeute: Es werden auch weniger Pfarrhäuser gebraucht. Pfarrhäuser sind nach Worten des Dekans besonders teuer in der Unterhaltung. Viele von ihnen stammten aus einer Zeit, als es noch größere Familien gab und seien deshalb für die heutigen Ansprüche überdimensioniert. Außerdem handele es sich dabei um Gebäude, die ständig bewohnt sind und daher auch stärker abgenutzt werden.In den 70er und 80er Jahren gab es nicht nur einen Run auf den Pfarrerberuf, in den Kirchengemeinden setzte laut Butz auch ein regelrechter Bauboom ein. Kirchen, Pfarrhäuser, Kindergärten und Gemeindesäle wurden errichtet - eine Baufreudigkeit, wie sie die protestantische Kirche seit der Reformation nicht erlebt habe.Viele Gebäude bedeuteten auch hohe Unterhaltungskosten, sagt der Dekan und sieht im Bauboom der 70er und 80er die Hauptursache dafür, dass immer mehr Gemeinden in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Dass es deshalb auch zu Kirchenschließungen kommen wird, glaubt Butz hingegen nicht. Die Kirchen seien nicht das Hauptproblem. Und selbst, wenn sich eine Gemeinde davon trennen wollte, würde sich wohl kaum ein Käufer für so ein Gebäude finden. "Wenn wir Rückstellungen ausweisen müssten, hätten wir jetzt schon keinen ausgeglichenen Haushalt mehr." Dekan Peter Butz