Kulturausschuss „Mediothek“ noch in der Schwebe

Zweibrücken · Aktuell wird noch nach einer Finanzierungsmöglichkeit für das Projekt im Ex-City Outlet gesucht, die den Stadtsäckel nicht über Gebühr belastet. Aber das Interesse an einem öffentlichen Medienangebot ist groß, wie die Bilanz der Stadtbücherei zeigt.

Die beiden aktuellen Standorte der Stadtbücherei, hier die Hauptstelle in der Herzogstraße, sind nur über Umwege barrierefrei erreichbar.

Die beiden aktuellen Standorte der Stadtbücherei, hier die Hauptstelle in der Herzogstraße, sind nur über Umwege barrierefrei erreichbar.

Foto: Rainer Ulm

„Die Entwicklung ist positiv – zumindest nach den Zahlen“, stellte Anne Detzler bei der jüngsten Sitzung des städtischen Kulturausschusses fest, in dem die Leiterin der Zweibrücker Stadtbücherei den Jahresbericht 2023 ihrer Einrichtung vorstellte. Demnach sei im vergangenen Jahr die Nutzerzahl um 20 Prozent, die Neukundenzahl um 37 Prozent, die Entleihenzahl um gut zwölf Prozent und der Medienbestand immerhin um knapp vier Prozent gestiegen. Die Zahl der Veranstaltungen und Führungen habe laut Detzler sogar mehr als verdoppelt werden können.

In dem Jahresbericht wird zuvorderst auf das Projekt „Mediothek“ hingewiesen, das 2023 „erstmals an die breite Öffentlichkeit“ gelangt sei. Um das Konzept vorzustellen, hatte die Stadtbücherei für den 13. Mai zu einem Tag der offenen Tür in die Räume des einstigen City-Outlet am Zweibrücker Alexanderplatz eingeladen (wir berichteten). „Etwa 200 Besucher“ hätten die Möglichkeit genutzt, um ihre Ideen und Vorschläge einzubringen – etwa zu einer „Bibliothek der Dinge“, in der man unter dem Motto „Zeisch fa Eisch“ zum Beispiel eine Karaoke-Maschine für die nächste Party, eine Sackkarre für den nächsten Umzug oder eine Webcam für die nächste Videokonferenz ausleihen kann. Hierzu merkt der Bericht kritisch an, dass dem Zweibrücker Rat zwar bereits im Herbst eine Ergebnis-Broschüre vorgelegt und eine Machbarkeitsstudie vorgestellt worden sei, die mehrheitlich Zustimmung gefunden hätten, jedoch bestünde hinsichtlich der Finanzierung „weiterer Klärungsbedarf“. Deshalb befinde sich das Projekt „Mediothek“ leider weiterhin „in der Schwebe“.

Nach ersten Schätzungen würde es 7,8 Millionen Euro kosten, das ehemalige City-Outlet in eine „Mediothek“ umzubauen. Jedoch ergab eine im September veröffentlichte Machbarkeitsstudie des Kulturberatungsunternehmens Actori aus München, dass eine solche „Mediothek“ doch zu verwirklichen sei, ohne die alles andere als finanzstarke Stadt zu stark zu belasten.

Kern der „Mediothek“ soll die Fusion von Stadt- und Jugendbücherei sein, die bislang 500 Meter entfernt voneinander untergebracht sind – in nicht barrierefreien Gebäuden. Weshalb sie bislang insbesondere für beeinträchtigte Menschen schwer zu erreichen sind. Zudem sind die vorhandenen Räume beengt, schlecht beleuchtet und ungeeignet für eine Bibliothek mit vielen Besuchern.

All diese Probleme wären mit der „Mediothek“ im ehemaligen City-Outlet, die sich dann über drei Etagen erstrecken würde und sowohl ebenerdig als auch mit dem Fahrtstuhl problemlos erreichbar wäre, Geschichte. Hinzu kommen sollen Angebote und Annehmlichkeiten, die über eine bloße Medienausleihe hinaus gehen. So sind ein Café und ein Spiel-Bereich für Kinder und ein Chill-Bereich für Jugendliche, Gaming-Ecken (für Computerspiele), ein Veranstaltungssaal, in dem beispielsweise Filmabende oder Public Viewing von Fußballspielen möglich wären, ein „Maker Space“ zum Experimentieren, ein Ruheraum und ein „Green Screen“-Raum zum Filmedrehen geplant. Das Obergeschoss soll mit Sachbüchern und Romanen eher den Erwachsenen vorbehalten bleiben – mit dem klassischen Bibliotheksangebot, aber wesentlich einladender gestaltet.

Am 27. September war das Thema „Mediothek“ zwar Thema im Zweibrücker Stadtrat gewesen, entschieden wurde aber bislang nicht – jüngst mit dem Hinweis der Stadtverwaltung, noch nach einem passenden Förderprogramm, sprich: nach Finanzspritzen, zu suchen. Weshalb Stadtbücherei-Chefin Detzler den Kulturausschuss drängte, sich „diese Chance nicht entgehen zu lassen“. Wofür sie im Kulturausschuss durchaus auf offene Ohren gestoßen war. So sagte Norbert Pohlmann (Grüne): „Das (die „Mediothek“, Anm. d. Red.) ist ja viel mehr als das, was man in einer Bücherei erwarten kann – ganz toll!“

Als, wenngleich nicht mit diesen Worten, „ganz toll“ befand die Leiterin der Bücherei auch die, wie Detzler sagte, „drei Highlights“ des vergangenen Jahres, die ihre Einrichtung organisiert hatte: nämlich mehrere Lesungen im Herzogsaal am Büchereisitz Herzogstraße „mit insgesamt 270 Besuchern“, die Veranstaltungsreihe für Senioren „Generation Silber – sicher im Internet“ und den im November eingerichteten Handarbeitstreff „An die Nadeln, fertig, los!“, der sich laut Detzler bereits eines regen Zuspruchs erfreue. Auch das Ende 2023 eingerichtete Sachbuch-Neuheitenregal und der Lesetreff in den Räumen des Pop-Up-Stores in der Hauptstraße seien sehr angenommen worden. Weshalb man weiterhin daran festhalten wolle, versprach Bücherei-Leiterin Detzler.

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