1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Fehlende 10 000 Euro: Stadt geht auf Tauchstation

Fehlende 10 000 Euro: Stadt geht auf Tauchstation

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln gegen Unbekannt, nachdem 10 000 Euro aus der Zweibrücker Stadtkasse verschwunden sind. Zu etlichen Kernfragen schweigen alle Beteiligten unter Verweis auf das laufende Verfahren.

Polizei und Staatsanwaltschaft Zweibrücken haben sich gestern in einer kurzen gemeinsamen Pressemitteilung zu den in der Stadtverwaltung verschwundenen 10 000 Euro geäußert. Wesentliche neue Erkenntnis: Demnach hat die Stadt bereits vorige Woche Mittwoch die Polizei informiert.

Wörtlich heißt es in der von Inspektionsleiter Matthias Mahl gemailten Mitteilung: "Bei der Polizeiinspektion Zweibrücken liegt eine Strafanzeige der Stadtverwaltung Zweibrücken vom 04.05.2016 gegen Unbekannt wegen des Verdachts einer Unterschlagung, einer Veruntreuung bzw. eines Diebstahls von 10 000 Euro aus der Stadtkasse vor. Staatsanwaltschaft und Polizei haben Ermittlungen aufgenommen; diese werden in Abstimmung mit der Stadt geführt. Weitere Einzelheiten können derzeit nicht mitgeteilt werden." Letzteres geschehe "im Hinblick auf das laufende Ermittlungsverfahren", das nicht gefährdet werden solle, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Martin Graßhoff auf Nachfrage. Von den zehn an ihn und die Polizei gerichteten Fragen beantwortete Graßhoff deshalb auch nur eine: Hat die Stadt, wie sie am späten Mittwochnachmittag der Presse mitgeteilt hatte, die Polizei nur "informiert" - oder selbst Strafanzeige gestellt? Graßhoff stellte klar: "Die Stadtverwaltung hatte die Polizei über einen möglichen Verdacht einer Unterschlagung informiert, was die Polizei nach dem bei der Strafverfolgung geltenden Amtsermittlungsgrundsatz als eine Strafanzeige wertete."

Der Stadtverwaltung hat der Merkur gestern 15 Fragen zu dem Fall gemailt. Stadtsprecher Heinz Braun antwortete: "Wir haben gestern das gesagt, was aus unserer Sicht zu sagen war. Die Polizei ist eingeschaltet, und damit ist das für uns ein laufendes Verfahren, zu den wir uns jetzt nicht mehr äußern."

Eine kleine Auswahl der offenen Fragen an Polizei und Staatsanwaltschaft oder Stadtverwaltung: Fehlen exakt oder rund 10 000 Euro? Ist Bargeld verschwunden? Oder Geld von einem Konto? Falls Bargeld: Ist es im Zweibrücker Rathaus üblich, so viel Geld aufzubewahren? Gibt es bereits Indizien oder einen konkreten Verdacht auf Täter? Hat es Durchsuchungen im Rathaus oder in Privaträumen gegeben? Lässt sich der Tatzeitraum eingrenzen? Hat die Stadtverwaltung schon Erkenntnisse, ob Defizite in Verwaltungsstrukturen die mutmaßliche Tat erleichtert haben? Gilt bei Auszahlungen das Vieraugenprinzip?

Der SWR berichtete gestern unter Berufung auf "einen Stadtsprecher", direkten Zugriff auf das Geld der Stadt Zweibrücken hätten etwa 20 Personen. Auf Merkur-Nachfrage wollte Stadtsprecher Heinz Braun sich auch nicht zu dieser Zahl oder der Frage, warum diese Zahl so groß ist, äußern.