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Kolumne Unsere Woche: Fahren auf Sicht

Kolumne Unsere Woche : Fahren auf Sicht

Es wird keine Einzelvermietung geben, bevor wir nicht wissen, wo wir mit dem Bahnhof hinwollen.“ Das war Marold Wosnitzas Ansage zum Thema Zweibrücker Bahnhof im März dieses Jahres. Gerade war ihm eine Petition mit 384 Unterschriften dafür übergeben worden, dass das Bahnhofsgebäude frei zugänglich bleibt und dort Service- und Dienstleistungen angesiedelt werden.

Jetzt hört man von der Gewobau, dass sie vor allem weiß, was sie nicht will: Das ganze Gebäude auf einen Schlag sanieren. Weil das verdammt teuer wäre. Nicht, dass ich der Gewobau diesen Ansatz verübeln würde: Sechs Millionen Euro sind eine Menge Geld. Noch dazu für ein Gebäude, das man wohl weniger aus marktwirtschaftlichem Kalkül gekauft hat, sondern mehr auf politischen Druck im Interesse der Stadtentwicklung, um den Bahnhof vor möglichen privaten Käufern mit unklaren Zielen zu bewahren.

Und es geschieht ja auch was im Bahnhof. Stichwort DRK-Kiosk, Stichwort Physiotherapeut. Auch der Kubus in der Bahnhofshalle wird sicher irgendwann mehr sein als ein paar Quadratmeter buntes Holz. Das ist dann, wenn es fertig ist, schon mehr an Dienstleistungen, als sich so mancher der 384 Unterzeichner hat träumen lassen.

Trotzdem die Frage: Weiß jemand, wohin es gehen soll mit dem Bahnhof? Vermutlich nicht. Jedenfalls nicht in dem Sinne, dass es ein realistisches, finanzierbares und tragfähiges Gesamtkonzept gibt. Ich wage nach dem grandiosen Scheitern des City Outlet auch zu bezweifeln, dass die Gewobau der richtige Akteur für ein solches Konzept wäre. Aber während das Fahren auf Sicht beim City Outlet alles nur schlimmer gemacht hat, ist es ohne einen finanzkräftigen Investor im Hintergrund wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, überhaupt wieder Leben in den Bahnhof zu bringen. So wird’s wohl nix Großes mit dem Bahnhof, aber es wird. Reichen müssen.