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Facebook-Reaktionen auf Hobbit-Artikel

Ins N@z gegangen : Zwischen organisiertem Ungehorsam und Kritik an der Jugend

Das Gasthaus Hobbit sagt alle Events ab, weil es es sich an eine bestimmte Lautstärke halten muss. Wie reagieren die Merkur-Leser darauf? Ein Blick ins Internet.

Ja, die liebe Musik. In gewissen Momenten mag man sie, in anderen dann eher nicht so. Ein gutes Beispiel, wie unterschiedlich Musik wahrgenommen werden kann, sind die Geschehnisse zuletzt um das Gasthaus Hobbit in Zweibrücken.

Was war geschehen? Am Sonntag, 25. Juli, geht im Biergarten ein Live-Konzert über die Bühne. Bei den Gästen herrscht gute Stimmung.  Doch zeitgleich, da wären wir bei der polarisierenden Wirkung von Musik, beschwert sich ein Anwohner beim Ordnungsamt über die Lautstärke. Die Behörde wendet sich daraufhin an Hobbit-Betreiber Peter Staufer. Bittet ihn darum, bei allen Sonntags-Veranstaltungen einen bestimmten Dezibelwert einzuhalten. Der Grund: An Sonn- wie an Feiertagen sind laut Gesetz „alle öffentlich bemerkbaren Tätigkeiten verboten, die die äußere Ruhe beeinträchtigen“. 

Staufer reagiert prompt – und sagt alle Events seiner Veranstaltungsreihe „Immer wieder sonntags“ ab. „Flüstermusik“ bei einem Live-Konzert? Das sei unmöglich, moniert der Gastwirt. Als der Merkur am Freitag, 6. August, über die Geschehnisse rund um das Hobbit berichtet, bricht auf Facebook eine hitzige Diskussion aus. 66 Mal wurde der Artikel bislang kommentiert.

Etwa von Freddy Tomaka, der die Reaktion der Nachbarn nicht verstehen könne, schreibt er: „Sehr schade, dass Anwohner, gerade nach oder noch während einer Pandemie so wenig Solidarität zeigen, die Gastronomen stehen mit dem Rücken an der Wand und jetzt auch noch so etwas? Warum nicht mit dem Wirt sprechen und sich einfach dazu setzen?“

Andreas Herzog bedauert die Restriktionen gegenüber Staufers Gaststätte ebenfalls. „Das Hobbit ist eines der letzten Lokale in Zweibrücken, in dem noch was los ist. Ansonsten ist die Innenstadt praktisch tot“, hält er fest und wird dann etwas nostalgisch: „Und was hatte Zweibrücken mal für eine Musikszene, ausgehend vom Erdgeschoss bzw. Sutter.“

Robin Koch sieht das ähnlich – und fordert:  „Vielleicht sollte man sich gerade jetzt in der Umgebung Hobbit treffen und so lange richtig Lärm machen, dass sich der Nachbar die Lautstärke des Hobbits zurückwünscht. Oder einfach auszieht.“ Eine  Idee, bei der 24 Menschen den Daumen nach oben strecken.

Doch nicht allen Merkur-Lesern gefällt dieser Vorschlag des organisierten Ungehorsams. EL Roy stuft Kochs Vorschlag etwa als „Irrsinn“ ein  und merkt an: „Kennst du den Nachbar? Und wenn es eine Frau mit Baby ist? Wie sieht die finanzielle Situation bei ihr aus? Gab es vielleicht sonst keine freie Immobilie mehr für die Person? Niemand weiß es.“ Dagegen ist sich EL Roy in einer Sache ziemlich sicher:  „Jedenfalls würden 80% der Kommentierenden hier direkt bei den Behörden anrufen, würde es sich zuhause bei Ihnen ereignen.“

Auch Frederic Latour versteht, dass die laute Musik so manchen Anwohner stört. Gerade jüngeren Menschen wirft er Egoismus vor. „Zweibrücken kann man zu diesem ,Verhalten‘ als Spiegelbild für jugendliches Gebaren sehen. Viele wollen doch nur noch saufen, kiffen, gröhlen…“, schreibt er und schlussfolgert: „Das Morgen und den Nächsten interessiert sie nicht. Ihnen fehlt die ethische Grundausbildung, auch Benehmen und Anstand genannt.“

Eine Beschwerde, die Bella Pendon missfällt. Ihre Antwort an Latour: „Dachte, es wäre Ironie, aber nee du meinst das ernst.“ Dahinter setzt sie ein Clownsgesicht.

Bei Latour strecken sechs Menschen den Daumen nach oben,  bei Pendon fünf. Die liebe Musik – sie kann polarisieren.