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Facco: Kaufverhalten hat sich unglaublich geändert

Facco: Kaufverhalten hat sich unglaublich geändert

Verändertes Kaufverhalten, immer mehr konkurrierende Einkaufsformen, die Folgen falscher politischer Weichenstellung: Werbegemeinschaftschef Mario Facco sieht den sich wandelnden lokalen Einzelhandel vor vielen Herausforderungen. Doch Zweibrücken stellt er auf der anderen Seite ein sehr gutes Zeugnis aus.

Die Einkaufsstadt Zweibrücken ist "wirklich sehr gut aufgestellt" - das findet Mario Facco, Vorsitzender der Zweibrücker Werbegemeinschaft. Ein sehr positives Fazit, das einer der kreativen Köpfe in Sachen städtischer Einzelhandel formuliert, der schon mit Ideen wie einer überdachten Fußgängerzone oder dem Weltrekordversuch "Größter Adventskranz der Welt" Aufmerksamkeit erregte. "Das Angebot ist sehr gut, wie haben sehr viele gepflegte und sehr schöne Geschäfte, die einen hohen Stellenwert genießen, auch qualitativ und fachlich", fügt er an. Leerstände gebe es keine. Verbessern könnte sich das gastronomische Angebot, was die Aufenthaltsdauer verlängern könnte.

Doch all das könne auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Überlebenskampf des Stadteinzelhandels härter wird. Katalogversandhäuser, Discounter, Outlet-Center, Online-Händler: Die Konkurrenz wird immer größer und nagt am Gewinnkuchen. "Der Handel ist im Wandel, das trifft nicht nur auf Zweibrücken , sondern auf alle Städte und Regionen zu. Das Kaufverhalten hat sich in den letzten Jahren unglaublich geändert", findet Facco. Auch Einzelhändler müssten sich umstellen. Ein wachsendes Phänomen ist das, was Facco "Beratungsdiebstahl" nennt: Kunden lassen sich vor Ort ausführlich beraten, bestellen ihre Kamera, Brille oder Sportschuhe dann aber günstig im Internet . Wobei das Internet und mobile Endgeräte in seinen Augen beim Einkaufsverhalten lediglich die neueste Ausprägung ist. "Früher hat man halt auf der Grünen Wiese eingekauft." Los gegangen sei es vor 30 Jahren, als Aldi, Lidl oder Globus immer häufiger außerhalb der Zentren eröffneten. "Da hat man in der Innenstadt diffus gemerkt: Es wird weniger. Aber die Umsätze waren gut", erklärt Facco, der auch die in seinen Augen falsche Ansiedlungspolitik kritisiert, die die Grüne Wiese erst richtig stark gemacht habe. Durch schlechte Parkplatzbewirtschaftung oder steigende Parkgebühren seien die Kunden dann immer mehr aus den Innenstädten herausgetrieben worden. Autofreie Innenstädte seien der Gipfel dieser Entwicklung gewesen, ebenso hätten Fußgängerzonen viel kaputt gemacht, denn die Kunden wollten am liebsten unmittelbar vor den Eingang eines Geschäfts fahren. "In Zweibrücken können wir uns hinsichtlich der Zahl der Parkplätze nicht beschweren, aber sie sind nicht gut verteilt", findet Facco, der als nächstes Einkaufssystem, dem sich der Einzelhandel gegenüber sieht, innerstädtische Malls auf der Rechnung hat: große Einkaufsmärkte, in denen es alles unter einem Dach gibt, zentral verwaltet, mit einheitlichen Öffnungszeiten, betontem Erlebnischarakter und vor allem mit genügend kostenlosen Parkplätzen. Das Neunkircher Saarpark-Center ist für Facco ein gutes Beispiel dafür. "Das wird in Deutschland und Europa fokussiert", ist er sich sicher.

Der innerstädtische Einzelhandel sei beim Gegensteuern stark auf die Mithilfe der Städten und Kommunen angewiesen. "Da geht's schon los: Es fehlen schlicht die Gelder, um etwa einen Erlebniseinkauf möglich zu machen", klagt Facco mit Blick auch auf das leere Säckel der Rosenstadt. Den Händlern bleibe oft nur die Hoffnung. "Der Einzelhandel lebt seit Jahren vom Eingemachten, weil er nicht in der Lage ist, Sicherheiten zu schaffen. Die sind alle bei der Bank", erläutert Facco. Ausnahmen, und hier sieht er die große Chance der Händler, seien Spezialgeschäfte mit Angeboten, die man weder über Kataloge noch das Internet findet. Juwelier Rohrbacher sei ein Beispiel für einen Betrieb, dem das hier gut gelinge. Doch ein Angebot, das keiner hat oder eine Dienstleistung mit Alleinstellungscharakter sei immer schwerer zu finden. Die Beratungs- und Lieferleistungen, die früher den Einzelhandel ausgezeichnet hätten, böten auch die großen Geschäfte wie Media Markt inzwischen an. Sollen dafür auch kleine, inhabergeführte Läden mit eigenen Internet-Shops kontern? Facco: "Der Einzelhändler greift nach jedem Strohhalm. Warum also nicht?" Doch er räumt ein, dass das je nach Branche und Firmengröße schwierig sei, weil das Anlegen und Pflegen des Shops viel Zeit fresse. Daher plant die Werbegemeinschaft eine konzertierte Aktion, eine Art virtuelles Kaufhaus Zweibrücken . "Ich habe mit der Fachhochschule erste Kontakte geknüpft, vielleicht lässt sich dies im Rahmen der Projektarbeit eines Abschlusssemesters angehen." Das sei ein Projekt, das Monate und Jahre umfasse. Auch die Politik könnte dem Handel noch mehr helfen, meint Facco. Etwa, indem das Einzelhandelsgutachten auch bei Discountern rigoros angewandt würde und auf der Grünen Wiese keine Ansiedlungen mit innenstadtrelevanten Sortimenten zuließe. Generell greife das Konzept schon gut - ein Hauptgrund für Faccos anfangs angestimmtes Loblied auf die Zweibrücker City.