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Helexier Zweibrücken: Thomas Doerr erstattet Anzeige wegen Diebstahl

Neuer Wirbel um Helexier: Dr. Doerr erstattet Anzeige gegen Unbekannt : Wurden Ex-Chefarzt Geräte geklaut?

Am Montag hat der von der Betreiberfirma Helexier gekündigte Chefarzt Dr. Thomas Doerr bei der Polizei Anzeige wegen Diebstahls gegen Unbekannt erstattet.

Es ist eine schier unendliche Geschichte. Am Montagnachmittag hat der fristlos gekündigte Chefarzt und ehemalige Ärztliche Direktor der bislang ungenehmigten „Fachklinik Himmelsberg“, Dr. Thomas Doerr, bei der Zweibrücker Polizeiinspektion Anzeige wegen Diebstahls erstattet – gegen Unbekannt. Der Kardiologe vermutet, dass in seiner Abwesenheit irgendjemand seine Praxisräume im ehemaligen Evangelischen Krankenhaus (EvK) leergeräumt haben könnte. Denn sein einstiger Arbeitgeber, die Helexier GmbH, der das EvK gehört, hatte ihm mit Schreiben vom 29. März nicht „nur“ fristlos gekündigt, sondern auch Hausverbot erteilt (wir berichteten).

Und genau dieses Hausverbot, gegen das er eine einstweilige Verfügung beantragt hatte und derzeit vor der Zweiten Zivilkammer des Landgerichts Zweibrücken vorgeht, hat nun – indirekt – jene neue Anzeige ausgelöst. Denn während der mündlichen Verhandlung am vergangenen Freitag behauptete die beklagte Seite unter anderem, dass in den ehemals Doerr im EvK-Gebäude zur Verfügung gestellten fünf Praxisräumen gar keine dem Kardiologen gehörenden medizinischen Geräte mehr stünden. Vor Gericht sagte Helexier-Anwalt Hermann Comtesse, Doerr habe bereits alles ausgeräumt, habe nur „ein Esszimmer mit Stühlen, einen Schreib- und einen Glastisch, ein Solarium, zwei Fernseher, eine Demo-Wand mit von ihm (Doerr) vertriebenen Kaffeekapseln und jede Menge Unrat“ zurückgelassen – und drei gemietete medizinische Geräte.

„Das war alles gelogen“, wetterte Doerr am Mittwoch auf Nachfrage. In seiner Praxis hätten sich bis zum Zeitpunkt, an dem er sie wegen des gegen ihn verhängten Hausverbots hatte zwangsläufig verlassen müssen, „genug Geräte befunden, um zwei kardiologische Praxen komplett auszustatten“ – so je zwei Echogeräte, Spiroergometrie- und Pulswellenlaufzeit-Messsysteme sowie eine Stressliege. Den Neuwert der Geräte bezifferte Doerr mit rund 600 000 Euro. Er habe lediglich einen Server mit sensiblen Patienten-Daten mitnehmen können.

Zwar geht der Mediziner, wie er sagte, nicht davon aus, dass die Geräte tatsächlich weg sind, aber nach der Aussage des Helexier-Anwalts „muss man wohl davon ausgehen“. Zumal während der Verhandlung vor der Zivilkammer auch Helexier-Geschäftsführer Alexander Jüllig anwesend war und seinem Rechtsbeistand in dieser Hinsicht nicht widersprochen habe, argumentierte Doerr.

Allerdings hat die aktuelle Anzeige wegen Diebstahls gegen Unbekannt die zuständige Staatsanwaltschaft Zweibrücken noch gar nicht erreicht, wie ein Justizbehördensprecher am Mittwoch auf Anfrage mitteilte. Er sagte, unabhängig davon gingen die Ermittlungen in zwei Fällen des Hausfriedensbruchs, in denen sich Helexier und Doerr gegenseitig angezeigt hatten (wir berichteten), unvermindert weiter. In dem einen Fall hatte Doerr dem Unternehmen Helexier vorgeworfen, unmittelbar nach Inkrafttreten seines Hausverbots unberechtigt seine Praxisräume durchsucht zu haben. In dem anderen Fall hatte Helexier Doerr bezichtigt, trotz Hausverbots mit Unterstützung der Polizei in seine vormaligen Behandlungsräume eingedrungen zu sein.

Zumindest ein Verfahren könnte – zumindest vorläufig – am kommenden Montag ein Ende finden. Dann will die Zweite Zivilkammer um zwölf Uhr ihre Entscheidung hinsichtlich der von Doerr angestrebten einstweiligen Verfügung verkünden. Sollte die Entscheidung zugunsten des Kardiologen ausfallen, wäre sein Hausverbot hinfällig. Und er könnte sich umgehend selbst ein Bild davon machen, ob seine medizinischen Geräte noch an Ort und Stelle sind.