Stillstand am Himmelsberg Klinik-Gebäude immer noch nicht verkauft

Zweibrücken · Der potenzielle Kölner Investor, der das inzwischen leer stehende Gebäude des ehemaligen Evangelischen Krankenhauses an der Zweibrücker Oberen Himmelsbergstraße kaufen wollte, vertröstet wegen der noch nicht abgeschlossenen Finanzierung.

 Das ehemalige Evangelische Krankenhaus Zweibrücken bleibt ein Sorgenkind der Stadt; der Verkauf des Gebäudes hat sich erneut verschoben.

Das ehemalige Evangelische Krankenhaus Zweibrücken bleibt ein Sorgenkind der Stadt; der Verkauf des Gebäudes hat sich erneut verschoben.

Foto: Rainer Ulm

Bitte kein Luftschloss 2.0! Noch immer liegt das Gebäude des ehemaligen Evangelischen Krankenhauses im Dornröschenschlaf. Mit dem Unterschied zu dem Märchen der Gebrüder Grimm, dass drinnen kein Hofstaat schlummert. Das Haus steht leer – seit die Heltersberger Betreiberfirma Helexier 2023 pleite gegangen ist und die letzten Mieter ausgezogen sind. Und das wird wohl noch einen Weile so bleiben, bis die von einem potenziellen Investor vor nunmehr vier Monaten angepriesene rosige Zukunft des Gebäudes anbrechen kann.

Dafür gibt es Anzeichen. So hat die Kölner Unternehmensgruppe „Elit“, anders als versprochen, das Klinikgebäude (Verkehrswert: etwas über eine Million Euro) immer noch nicht erworben. Dabei hatte deren Chef Cankat Aydogdu das neue Nutzungskonzept bereits Ende Februar von seinem Projektleiter Detlef W. Biemüller während einer nichtöffentlichen Sitzung des Zweibrücker Stadtrats vorstellen lassen. Demnach sollten an der Oberen Himmelsbergstraße schon bald etwa 40 Millionen Euro investiert werden – einschließlich der Kosten für den Kauf, die Sanierung und die Planung. In den beiden oberen Etagen sollen die Seniorenresidenz „l‘arte di vivere“ (die Kunst des Lebens), in den beiden Stockwerken darunter ein Pflegezentrum mit 84 Plätzen und eventuell ein Hospiz mit palliativ-medizinischer Versorgung entstehen. Im ersten Stock soll ein Medizinisches Versorgungs-Zentrum (MVZ) mit Arztpraxen verschiedener Fachrichtungen einziehen. Und im Erdgeschoss sollen unter anderem eine Apotheke, ein Restaurant und ein kleiner Veranstaltungssaal Platz finden.

Nun beklagte Projektleiter Biemüller auf Nachfrage unserer Zeitung, dass „die Finanzierung noch nicht ganz“ stehe, insbesondere bezüglich der „öffentlichen Mittel“. Die Frage, um welche „öffentlichen Mittel“ es gehe, wollte er aber nicht beantworten. Vermutlich wartet das Unternehmen auf staatliche Zuschüsse für sein durchaus ambitioniertes Vorhaben. Auch auf einen Zeitpunkt, an dem der Gebäudekauf über die Bühne gehen könnte, wollte sich Biemüller besser nicht festlegen: „Es kann nächste Woche einen Knall geben, dann ist alles gut. Wenn nicht, dann läuft es eben ganz anders.“ Er könne schließlich „nicht in die Kristallkugel schauen“. Nur eines sei sicher, man halte an den Plänen fest. Allerdings war auch geplant, für das Projekt mit dem klangvollen Namen „Medical Care – alles unter einem Dach“ eigens die ortsansässige Gesellschaft „Elit Medical Care“ zu gründen – mit Aydogdu als Geschäftsführer, wie Biemüller im Februar gegenüber unserer Zeitung ankündigte. „Morgen ist Termin beim Notar“, hieß es damals. Doch bislang steht die Firmengründung aus, die der Projektleiter seinerzeit gar als Voraussetzung für den Gebäudekauf bezeichnet hatte. Entsprechend fehlt im hiesigen Handelsregister ein solcher Firmeneintrag, bestätigte am Freitag auf Anfrage der Direktor des Amtsgerichts Zweibrücken Klaus Biehl: „Es gibt in unserem Registergericht keinen Eintrag, nicht mal einen Eintragungsantrag für eine Firma namens Elit Medical Care.“ Auch am Grundbucheintrag habe sich nichts geändert. Dort sei noch Helexier als Eigentümerin des Klinikgebäudes genannt – samt „Versteigerungsvermerk“.

Und auch der Insolvenzverwalter, der Saarbrücker Rechtsanwalt Dennis Blank, der in der Vergangenheit – wenngleich auch zögerlich – Auskunft gegeben und auf Betreiben unserer Zeitung zum abgesagten Zwangsversteigerungstermin sogar eine Pressemitteilung herausgegeben hatte, beruft sich seltsamerweise plötzlich darauf, dass das Insolvenzverfahren grundsätzlich „nichtöffentlich“ sei und er deshalb diesbezügliche Anfragen „leider nicht beantworten“ könne. Dabei war er es seinerzeit gewesen, der in besagter Pressemitteilung von Ende Januar auf das „schriftliche Kaufangebot eines neuen Investors“ hingewiesen sowie in Aussicht gestellt und angekündigt hatte: „Die Verkaufsverhandlungen sollen in den nächsten Wochen abgeschlossen werden.“ Gleichwohl könnten „weitere Kaufinteressenten“ bis zum 16. Februar Kaufangebote – am besten „mit Finanzierungsbestätigung“ und „Grobkonzept“ – bei ihm „abgeben“. So kann vermutet werden, dass es keine „weiteren Kaufinteressenten“ gegeben hat. Ansonsten wäre es wohl nicht zur Vorstellung des „Elit“-Projektes „Medical Care – alles unter einem Dach“ Ende Februar vor dem Stadtrat gekommen.

Hingegen war die Zweibrücker Verwaltung zum Stand der Dinge etwas auskunftsfreudiger. Stadtsprecher Jens John teilte am Freitag auf Anfrage immerhin mit: „Das Verfahren läuft nach wie vor. Es besteht nach wie vor Kaufinteresse.“ Daher werde die Stadt (selbst eine der Gläubigerinnen, der Helexier einen fünfstelligen Betrag schuldig geblieben ist) „wohl nochmalig die Versteigerung des ehemaligen Evangelischen Krankenhauses aussetzen, um Zeit für die Kaufabwicklung zu gewinnen“. Zu „der Äußerung von Herrn Biemüller“ bezüglich des „Ausbleibens öffentlicher Mittel“ werde sich die Stadt allerdings „nicht äußern“. John verwies in diesem Zusammenhang an den Saarbrücker Insolvenzverwalter, der dazu möglicherweise etwas sagen könne. Doch Rechtsanwalt Blank hüllte sich auch zu dieser Frage in Schweigen.

Man darf also gespannt sein, ob das Dornröschenschloss an der Oberen Himmelsbergstraße nur noch etwas auf den rettenden Prinzen aus Köln warten muss oder ob es irgendwann zum Luftschloss 2.0 wird. Denn ein solches Luftschloss hatte bereits Helexier gebaut und war nach der dreijährigen holprigen Versuchsreihe „Himmelsberg Fachklinik“ samt hochfliegender Pläne gescheitert – an Selbstüberschätzung und unternehmerischem Unvermögen.