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Euroclassic-Festival mit Jigg Whigham in Festhalle Zweibrücken

Festival Euroclassic in Zweibrücken : Weltstar mit langjähriger Südwestpfalz-Connection

Jigg Whighams ungewöhnlicher Weg zum Euroclassic-Konzert mit dem Christoph-Heringer-Quintett in Zweibrücken.

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll – beim tollen Sound des Christof-Heringer-Quintetts, bei den wunderbaren Kompositionen der Bandleaders, beim fabelhaften Spiel des Stargasts Jigg Whigham oder dessen humorvolle Ansprachen. Das alles bescherte jedenfalls den 200 Zuhörern der Jazzmatinee in der Zweibrücker Festhalle am Samstag beim Euroclassic-Festival einen großen Genuss.

Vielleicht sollte der Artikel aber dort beginnen, wo dieses Konzert seinen Anfang nahm: Nämlich in der Dusche des Pirmasenser Pianisten Christof Heringer. Die zündende Idee fürs Jubiläum seiner Jazzband sei ihm, erzählt er, unter der Dusche gekommen: „Frag doch mal den Jiggs!“. Erst habe er eine Mail geschrieben, dann angerufen – und Whigham habe sofort zugesagt. Heringer und der Posaunist waren sich 1993 bei einem Workshop in der Eifel erstmals begegnet. Seither versorgte der Pirmasenser den Weltstar immer mit seinen jüngsten CD-Produktionen, der Kontakt riss also nie ab. „Dass er gleich zugesagt hat, hat uns sehr stolz gemacht. Ich habe dann ein Angebot mit ihm ausgearbeitet und Zweibrücken bekam den Zuschlag.“

Whighams Bedeutung zeigt auch die Liste der Musiker, mit denen er schon zusammenspielte, darunter Count Basie, Till Broenner, Michael Bublé, Ray Charles, Klaus Doldinger, Ella Fitzgerald, Peter Herbolzheimer, Bert Kaempfert, Albert Mangelsdorff, Donna Summer, Catherina Valente und Joe Zawinul. Dass da längst verstorbene Musiker dabei sind, erklärt sich daraus, dass Whigham 76 Jahre alt ist (die man ihm überhaupt nicht ansieht) und schon seit 1960 zur ersten Jazz-Garde zählt. Die vielen deutschen Namen rühren daher, dass der Amerikaner schon 1965 zum ersten Mal nach Deutschland kam, als Soloposaunist des Orchesters von Kurt Edelhagen. Jetzt leitet er unter anderem das Bundesjugendjazzorchester und die BBC-Bigband. Die Kontakte in die Südwestpfalz ergaben sich auch über den Leiter der Bigband der Kreismusikschule, Bernd Jörg. Der hatte Whigham einst als Gastdozent eingeladen. Heringer wiederum hatte auch auf Anraten von Whigham Mitte der neunziger Jahre ein Jazztrio gegründet. Erst 1999 fand er die passenden Mitmusiker, die bis heute dabei sind, Matthias Wolf am Bass und Uli Geßner am Schlagzeug, beide aus Zweibrücken. Also stand 2019 das zwanzigste Jubiläum an, das gebührend gefeiert werden sollte. Mittlerweile gehören auch Thomas Girard (Saxofon und Querflöte) sowie Helmut „Daisy“ Becker an der Trompete zur Band.

Das Quintett begann das Konzert zunächst ohne Whigham mit zwei Heringer-Kompositionen voller lateinamerikanischer Rhythmen (die sind Geßners Domäne) und orientalischer Skalen. Der Stargast stieß dann bei zwei Jazz-Standards dazu: dem Blues „On Green Dolphin Street“ und George Gershwins „Summertime“.

Das Entertainment beherrschte der gut aufgelegt Whigham auch: So berührte er nach einem besonders gelungenen Solo von Girard dessen Saxofon, scheinbar um die Temperatur zu prüfen – und schüttelte sofort die Finger, als habe er sich daran verbrannt. Oder: Für eine Ansage bückte er sich zum seinen Posaunenmikrofon herunter, obwohl sein Ansage-Mikro direkt hinter ihm stand. Das nahm er zum Anlass für eine Quasimodo-Imitation. Da er gerade eben erst aus Boston hergekommen sei, habe er bezüglich des Konzerts natürlich überlegt: „Muss das sein?“. Am Ende betonte er: „Es hat sich doch gelohnt.“ Denn bei all seinem Ärger über Donald Trump („unbrauchbar“) und Boris Johnson („die Steigerung zu Trump“) sei für Whigham der Tag doch wie Weihnachten gewesen – denn so sei das für Musiker, die empfingen jeden Tag das schönste Geschenk, die Musik. Außerdem lobte er Heringers „wunderbare Kompositionen“ – dem war nicht zu widersprechen, die brauchten sich in der Tat vor den Jazz-Standards nicht zu verstecken.