EU-Forderung war K.-o.-Kriterium

Mit noch zu erwerbenden Flugzeugen wollten Slowaken eine neue Airline ähnlich wie Ryanair aufbauen, den Flughafen Zweibrücken kaufen und hier die Passagierzahl verzehnfachen. Die Slowaken vermuten zwar, dass sie mehr als Triwo für Zweibrücken geboten haben. Doch gekauft hätten die Slowaken den Airport nicht – weil die EU-Kommission verlangt, dass ein Käufer, der den Flugbetrieb fortsetzt, bis zu 47 Millionen Euro Beihilfen zurückzahlen muss.

Haben slowakische Investoren deutlich mehr als die Triwo AG für den insolventen Flughafen Zweibrücken geboten? Ein entsprechender Medienbericht unter Berufung auf den slowakischen Bevollmächtigten hat am Freitag für heftige Reaktionen in Zweibrücker Facebook-Gruppen gesorgt. Tenor: Das sei der Beweis dafür, dass die Landesregierung beziehungsweise "der politische Sumpf" den Flugbetrieb in Zweibrücken gezielt platt machen wollte - denn die Slowaken wollten den Flugbetrieb nicht nur fortsetzen, sondern sogar massiv ausbauen.

Doch die Aufregung steht auf äußerst wackligem Fundament, ergaben gestern Merkur-Recherchen. Der Bevollmächtigte des slowakischen Bieters, Zdenek Lochmann, erklärte auf Anfrage, die Slowaken hätten zwar für den Flughafen geboten - ob mehr als Triwo, wisse er aber nicht, da er das Triwo-Gebot nicht kenne. Die Slowaken prüften derzeit auch noch keinen Widerspruch oder gar rechtliche Schritte gegen den Zuschlag des Insolvenzverwalters für Triwo: "Das können wir gar nicht, da wir die Entscheidung noch gar nicht offiziell haben und nur aus der Zeitung kennen."

Selbst wenn, wie Lochmann vermutet, die Slowaken mehr für den Flughafen geboten haben - gekauft hätten sie ihn ohnehin nicht. Denn die EU-Kommission verlangt, dass ein Käufer, der den Flugbetrieb fortsetzt, die illegalen Beihilfen (also bis zu 47 Millionen Euro ) zurückzahlen müsste. Lochmann betonte auf Merkur-Nachfrage, die Slowaken hätten "keine Bereitschaft, das zurückzuzahlen - Sie können zum Kaufpreis ja nicht nochmal etwa 40 Millionen Euro dazuzahlen, denn das würde ja viel zu viele Jahre dauern, bis das Geld wieder verdient ist".

Lochmann bestätigte, dass es sich bei dem slowakischen Bieter um eine Holding beziehungsweise Winx Airlines handele. Dies sei eine neue Gesellschaft, aber mit Spezialisten aus der Flugbranche. Man habe in Zweibrücken sich zunächst auf Frachtflug konzentrieren wollen, aber innerhalb von drei Jahren auch die Passagierzahl auf zwei Millionen jährlich steigern wollen (zuletzt waren es 220 740 Fluggäste). Wie hätten die Slowaken diesen enormen Anstieg erreicht? Lochmann verweist auf Pläne der Slowaken, Flugzeuge zu kaufen und eine Fluggesellschaft mit einem ähnlichen Konzept wie Ryanair aufzubauen, um dann ab Zweibrücken "Flüge nach Tschechien, Kroatien und andere Länder Europas" anzubieten. Die Slowaken hätten alle Flughafen-Mitarbeiter behalten wollen. Lochmann lebt in Wiesbach und ist auch Vertreter der Kontaktstelle für die rheinland-pfälzische Wirtschaft in Tschechien.

Werner Boßlet, zuletzt Zweibrücker Flughafen-Chef, bestätigte, es habe schon seit zwei Jahren Gespräche mit Lochmann gegeben - allerdings nur auf lockerer Basis.

Insolvenzverwalter-Sprecher Sebastian Brunner erklärte: "Aufgrund der vereinbarten Vertraulichkeit und der Modalitäten des europarechtskonformen Bieterverfahrens können wir keine weiteren Angaben zur Identität der Bieter, zu Konzepten und weiteren Details der Angebote machen. Alle Angebote wurden geprüft und im Gläubigerausschuss ausführlich besprochen. Hierbei wurden die Besonderheiten der Angebote - auch unter insolvenzrechtlichen Gesichtspunkten - erörtert." Der Ausschuss war einstimmig für Triwo.