Etwas Licht ins Dunkel bringen

Zweibrücken. Die Zahl alter Menschen steigt. Damit gibt es auch immer mehr Pflegebedürftige. Um Betroffenen und Angehörigen bestmögliche Hilfe zu gewährleisten, werden in Deutschland seit 2009 Pflegestützpunkte eingerichtet. In Zweibrücken gibt es seit über einem Jahr diese Anlauf- und Beratungsstelle

Zweibrücken. Die Zahl alter Menschen steigt. Damit gibt es auch immer mehr Pflegebedürftige. Um Betroffenen und Angehörigen bestmögliche Hilfe zu gewährleisten, werden in Deutschland seit 2009 Pflegestützpunkte eingerichtet. In Zweibrücken gibt es seit über einem Jahr diese Anlauf- und Beratungsstelle."Wir hatten hier das Glück, auf vorhandene Strukturen zurückgreifen zu können", erklärt Nora Jockel. Die Diplom-Sozialarbeiterin hat bereits in der Beratungs- und Koordinierungsstelle gearbeitet, ebenfalls in der Bleicherstraße. Eine wesentliche Veränderung sei die personelle Aufstockung: Seit Gründung des Pflegestützpunkts ist die examinierte Krankenschwester Dorothea Förch-Maier mit an Bord.

"Wir können die Beratungsgespräche nun auch bei Wohnungsbesuchen durchführen", erklärt Jockel, "für Menschen, die nicht mehr mobil sind, ist das eine große Hilfe". Auch die Möglichkeiten nach außen aufzutreten seien größer geworden. So gibt es Vorträge, Seminare und Selbsthilfegruppen (zusammen mit ambulanten Pflegeinstitutionen).

Das größte Ziel des Pflegestützpunkts ist, "dafür zu sorgen, dass ältere, pflegebedürftige Menschen eine möglichst lange Zeit in ihrem Zuhause wohnen bleiben können und dabei gleichzeitig eine bestmögliche Versorgung sicherzustellen", erklärt Jockel. Als Anlauf- und Beratungsstelle hilft der Stützpunkt pflegebedürftigen Menschen sowie Angehörigen bei der Organisation ihres Alltags. Durch den zentralen Anlaufpunkt wird es Betroffenen erspart, unterschiedlichste Beratungszentren und Pflegestellen aufzusuchen. Damit bringt der Pflegestützpunkt etwas Licht ins Dunkel der unüberschaubaren Pflegeangebote. Aber nicht nur die Pflegebedürftigen selbst suchen Hilfe. "Es sind etwa zur Hälfte Betroffene und zur anderen Hälfte Angehörige", berichtet Jockel, "die Menschen, die zur Tür reinkommen, beginnen oft damit, dass sie allein sind und Hilfe brauchen, weil sie den Haushalt nicht mehr schaffen." Oft sei dann auch in anderen Bereichen Hilfe nötig. "Wenn man dann in Gesprächen herausgefunden hat, was nötig ist, kommt oft die Frage, wie man das finanzieren kann." Auch dabei greift der Pflegestützpunkt unter die Arme: Wie stelle ich Anträge für Pflegeversicherungsleistungen, wie fülle ich Anträge aus, wo gibt es welche Pflegedienste und wie verhalte ich mich beim Gutachten des medizinischen Dienstes? Dabei ist den beiden bewusst, dass es für Betroffene kein leichter Schritt ist, um Hilfe zu bitten oder diese anzunehmen. "Die Angehörigen, die den Weg zu uns schaffen, suchen nach Entlastungsmöglichkeiten", erklärt Jockel, "dieser Schritt ist schwer, denn man gesteht sich nicht gerne ein, dass man an die Grenzen der Versorgung gestoßen ist". Auch Pflegebedürftige möchten nicht ihre Schwächen offenbaren, "und gerade im Bereich der Körperpflege ist das Schamgefühl enorm hoch", weiß Förch-Maier. Daher müsse man sensibel mit der Situation umgehen. Jockel: "Oft hilft es, die Pflege langsam anzufangen und schrittweise zu erhöhen. Klar kann es einer Krankenschwester auch mal passieren, rausgeschmissen zu werden, man braucht Ausdauer und viel Fingerspitzengefühl."

Und obwohl diese Arbeit durchaus auch "mühsam" sein kann, macht es den beiden Frauen Spaß. "Man kann sehr viel tun", sagt Jockel, "die Menschen sind uns gegenüber nicht negativ eingestellt, da wir keine Institution sind. Gegen uns hegt man keinen Groll." Die bisherige Bilanz des Zweibrücker Pflegestützpunkts: "2010 hatten wir 690 Kontakte, das sind 160 mehr als im Jahr zuvor", sagt Jockel.

"2010 hatten wir 690 Kontakte, das sind 160 mehr als im Jahr zuvor."

Nora Jockel

Auf einen Blick

 Dorothea Förch-Maier (links) und Nora Jockel sind das Team des neutralen Pflegestützpunkts. Fotos: ski/dpa (Symbolbild oben)
Dorothea Förch-Maier (links) und Nora Jockel sind das Team des neutralen Pflegestützpunkts. Fotos: ski/dpa (Symbolbild oben)

Träger des Pflegestützpunktes sind die Stadt und das Ambulante Hilfezentrum Zweibrücken, Land Rheinland-Pfalz sowie Kranken- und Pflegekassen. Die Beratungen des Pflegestützpunktes sind kostenlos und neutral - auch in den eigenen vier Wänden. Der Pflegestützpunkt in der Bleicherstraße 8a (Seniorenzentrum) ist montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr, donnerstags zudem von 13.30 bis 15.30 Uhr geöffnet. red