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Erste Gottesdienste nach Corona in Zweibrücken

Gottesdienste nach Corona-Regeln : „Wir alle haben darauf gewartet“

Gläubige und Geistliche waren glücklich, dass sie am Wochenende endlich wieder gemeinsam Gottesdienst feiern konnten.

(cvw) Live ist live – da kann kein noch so gut gemachter Fernseh- oder Computer-Gottesdienst mithalten. Zum ersten Mal seit der staatlich verhängten Corona-Zwangspause öffneten am Wochenende in Zweibrücken und im Zweibrücker Land zahlreiche Kirchen wieder. Die Kirchenglocken, die während der gesamten Zeit regelmäßig läuteten, klangen an diesem Tag für viele Ohren anders, riefen sie doch tatsächlich zum Gottesdienst und erinnerten nicht nur daran.

Die Gläubigen, auf die Vorgaben wie Abstandsregelung und Maskenpflicht etwa beim Einkaufen konditioniert, hätten sich „sehr diszipliniert“ verhalten, heißt es durchweg. „Das war kein normaler Gottesdienst, sondern alles sehr ungewohnt durch die Prozedur auch mit der Anmeldung“, findet Pfarrer Wolfgang Emanuel. Der katholische Geistliche war dennoch froh, den Menschen endlich wieder in die Augen schauen zu können, nachdem er wochenlang vor Fotografien Gottesdienst gehalten hatte. 80 von 100 möglichen Plätzen waren in Heilig Kreuz besetzt. Zum Teil hätten Gottesdienstbesucher vor Freude geweint. „Dankbar und bewegt“ ist Peter Schiedermaier, Vorsitzender des Pfarreirats der Pfarrei Heilige Elisabeth, nach dem Gottesdienst. Er hat das Gefühl, dass viele eine neuen Wertschätzung für ansonsten gewohnte Dinge empfinden.

Dekan Peter Butz empfand den Gottesdienst als „ein Stück gewohntes Zuhause wieder gewinnen, auch wenn noch vieles fremd ist“. In der Alexanderskirche waren knapp 50 der möglichen 60 Plätze besetzt. Peter Butz begrüßte die Gläubigen vor dem Gottesdienst, hinterher entschwanden diese rasch durch drei geöffnete Ausgänge. Die Predigt zum Sonntag „Kantate – singt“ und die musikalischen Beiträge eines Vokalembles kamen sehr gut an. Margarete Paltz hatte schon „lange gelauert“, wann wieder Gottesdienste gehalten werden. Die 83-jährige Künstlerin sagt: „Mein Herz hat gejubelt.“ Die „sehr lebensnahe Predigt“ habe sie bewegt, besonders die Frage „Welches Wunder hast Du heute erlebt?“ beschäftige sie allabendlich. Dankbar stellt sie fest: „Es sind täglich so einige!“
  „Der Sonntag ist wieder ein Sonntag“, stellt Pfarrerin Ursula Müller fest. Sie fand es schön, in der Versöhnungskirche wieder Gottesdienst feiern zu können. Unter den zehn Gläubigen fehlten die betagten Stammbesucher. Es sei „ganz merkwürdig gewesen, Masken zu tragen. Dies verhindere nicht nur den Gemeindegesang, bereits beim „Vater unser“ als gemeinsam gesprochenen Gebet habe sich gezeigt: „Das ist schwierig.“ Außerdem falle durch die Vorgaben das Persönliche komplett weg. So empfand es auch ihre Contwiger Kollegin Silke Gundacker. Sie bedauert: „Normalerweise verabschiede ich alle persönlich an der Kirchentür. Diesmal sind alle so auseinander gegangen.“ Die Pfarrerin bemerkte, dass viele der elf (von 44 möglichen) Männer und Frauen spürbar schüchtern gewesen seien. Sie waren zwischen 40 und 60 Jahren alt, die Senioren der Gemeinde blieben zu Hause.

Ähnlich sah es auch bei den Contwiger Katholiken aus. Hedi Bender, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, zählte rund 60 angemeldete Personen inklusive Familien. Darunter seien einige Kommunionkinder gewesen , jedoch ebenfalls keine Senioren, etwa aus dem Haus Sarepta. Dennoch ist sie froh, dass es wieder losging: „Wir alle haben darauf gewartet.“