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Test von „Elex“: Erst bockschwer, dann genial

Test von „Elex“ : Erst bockschwer, dann genial

Mit „Elex“ definieren die „Gothic“- und „Risen“-Macher ihr Spieluniversum neu.

Was für ein wirres Szenario: Mittelalter plus Mad Max plus Science-Fiction. Eigentlich kann so etwas  nur schief gehen. Eigentlich. Denn den Jungs von Piranha Bytes, den Machern der legendären „Gothic“-Reihe ist es gelungen, fast so etwas wie Sinn in diese abstruse Mischung zu bekommen. Hintergrund des Rollenspiels ist ein Meteor, der nicht nur das mächtige Element Elex auf den Planeten Magalan gebracht, sondern auch die dort zuvor bestehende Zivilisation in Schutt und Asche gelegt hat. Aus dieser Apokalypse haben verschiedene Gruppierungen verschiedene Lehren gezogen: Die einen verlassen sich auf Magie und versuchen die zerstörte Welt mit so genannten „Weltenherzen“ zu heilen, die anderen nutzen das Elex als Antrieb für mächtige Maschinen.

Wieder andere leben im Ödland in einer Art Mad-Max-Parodie. Ihr gemeinsamer Gegner sind die Albs. Sie konsumieren das Elex, was sie stark und intelligent, dafür total emotionslos werden lässt. Ihr Ziel: den ganzen Planeten erobern, um alle Elexvorkommen für sich zu sichern.

Zwischen diesen Fraktionen findet sich der ehemalige Alb-Commander Jax wieder, das Alter Ego des Spielers. Rollenspieltypisch muss er vom Niemand zum Weltenretter werden. Dazu übernimmt er Aufträge, für die es Erfahrungspunkte gibt.

Mit denen können die Attribute der Spielfigur verbessert werden, zudem gibt’s pro Stufe einen Lernpunkt, mit dem man bei diversen Lehrern weitergehende Fähigkeiten lernen kann. Alles wie bei Piranha Bytes-Spielen gewohnt also. Auch sonst ist der typische Stil der „Gothic“-Macher an jeder Ecke zu sehen. Vom rauen Umgangston bis zu den steifen Animationen.

Das fühlt sich vertraut an – und doch neu. Dabei ist abgesehen vom Setting kaum etwas neu. Mal abgesehen vom Jetpack, das Jax und seine optionalen Begleiter (die gibt’s natürlich auch wieder) sowie noch der eine oder andere technikaffine Mensch auf Magalan ihr Eigen nennen. Das reicht zwar nicht für längere Flugreisen, macht aber kleinere Höhen erkundbar und den Todessturz an tiefen Schluchten von der Regel zur Ausnahme.

Der Mangel an echter Innovation macht aber eigentlich überhaupt nichts. Denn die Welt von Magalan ist noch dichter und packender als die Welten der Quasi-Vorgänger. Es gibt so viel zu erkunden, so viele Entscheidungen zu treffen und alternative Lösungsmöglichkeiten auszutesten.  So viele Mutanten sind zu töten, so viele Schätze zu finden, so viele Waffen und Ausrüstungsgegenstände zu basteln, dass man als Spieler immer wieder die eigentliche Geschichte aus den Augen verliert.

„Elex“ ist, kurz gesagt, ein grandioses Erlebnis für alle, die etwas mit den eckigen Rollenspielen à la Piranha Bytes anfangen können. Allerdings gilt hier noch mehr als für andere Spiele der Entwickler: Da die Monster ihre Stärke nicht dem Level des Helden anpassen, sind anfangs fast alle Gegner viel zu stark und viele bereits verfügbare Missionen viel zu schwer. Da muss man sich erst einmal durchbeißen. Diese Zeit sollte man aber investieren.

 Das Jetpack ist eine der besten Neuerungen im Piranha-Bytes-Universum.
Das Jetpack ist eine der besten Neuerungen im Piranha-Bytes-Universum. Foto: THQ Nordic

Wertung (Schulnoten): 1