Flüchtlinge in Zweibrücken : Erinnerung ans eigene Schicksal

Dank ihrer Sprachkenntnisse und ihres Engagements ist Angham Ghadeer ein Glücksfall für das Flüchtlingslager am Flughafen. Besonders wichtig ist ihr, das Selbstvertrauen der Menschen zu steigern.

"Als eine Frau mit einem Baby auf dem Arm aus dem Bus gestiegen ist und um Hilfe gefleht hat, weil ihr Baby Fieber habe, musste ich weinen", erinnert sich Angham Ghadeer an den Moment, als der erste Bus mit Flüchtlingen auf dem Zweibrücker Flugplatz ankam, "Ich habe sie an der Schulter gefasst und eindringlich gesagt: ‚Keine Angst, jetzt bist du in Sicherheit'". Seit Anfang Oktober arbeitet Ghadeer für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Erstaufnahmelager in Zweibrücken . "Am Anfang war es sozusagen ‚Die Ruhe vor dem Sturm'. Man hat alles vorbereitet und dann kamen ständig wechselnde Mitteilungen darüber, ob bald ein Bus mit Flüchtlingen kommt oder nicht. Und plötzlich kamen dann vier an einem Tag", berichtet Ghadeer über ihre ersten Arbeitstage im Lager. Besonders in den ersten Tagen nach Ankunft der Flüchtlinge sei man ständig auf den Beinen gewesen, um verschiedene Dinge zu holen und zu organisieren, bis sich schließlich alles eingespielt habe.

Die gebürtige Irakerin lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zweibrücken (wir berichteten) und hat sich eine erfolgreiche Existenz aufgebaut. "Ich war schon des Öfteren ehrenamtlich beim DRK tätig gewesen und wurde dann ganz unverhofft angesprochen, ob ich nicht hier mitarbeiten möchte, vor allem da ich ja fließend Arabisch spreche", erzählt Ghadeer. 1989 flüchtete sie mit ihrer Familie vor dem Saddam-Regime und kam durch eine Familienzusammenführung nach Deutschland. "Die Ankunft des ersten Busses mit Flüchtlingen hat natürlich auch die Erinnerungen an unsere Geschichte und den ganzen Krieg hoch gebracht und man fragt sich, warum so etwas immer wieder passieren muss", gesteht Ghadeer nachdenklich. "Ich habe selbst drei Kinder und wenn ich an die Frau mit dem Baby auf dem Arm denke, kriege ich jetzt noch Gänsehaut. Ich habe die Angst in ihren Augen gesehen", sagt sie und streicht sich schnell über die Arme.

Die Arbeit im Erstaufnahmelager bereitet ihr aber trotz der unschönen Erinnerungen sichtlich Freude. Für viele der Flüchtlinge ist sie eine wichtige Ansprechpartnerin: "Ich war mal zwei Tage nicht da und in der Zwischenzeit wollten wohl schon einige wieder zurück nach Trier, weil die Leute Angst hatten und ein Ansprechpartner fehlte. Aber jetzt sind alle sehr zufrieden und das freut mich sehr. Wie versuchen immer den Menschen so gut es geht zu helfen und eine Lösung zu finden."

Ein besonderes Anliegen ist es Ghadeer dabei, das Selbstvertrauen der Menschen zu stärken: "Ich versuche immer, die Leute ein bisschen größer zu machen. Wir haben tolle Leute hier und sie sind ein Gewinn!" So hat sie beispielsweise unter den Flüchtlingen einen sehr begabten Maler entdeckt, dem sie Papier und Farbe besorgt hat, damit er weiter sein Talent ausüben kann. "Vielleicht schaffe ich es ja sogar, hier auf dem Flugplatz mal eine kleine Ausstellung zu organisieren bei der er und andere Flüchtlinge ihre Werke zeigen können", schmiedet Ghadeer eifrig Pläne. Sie weiß aber auch: "Man muss natürlich darauf achten, niemanden zu bevorzugen, damit es nicht zu Neid unter den Bewohnern kommt".

Ihre Arbeit begleitet Ghadeer in Gedanken oft auch noch nach Feierabend. "Ich weiß, dass die Leute hier alles haben, was sie brauchen. Aber wenn ich zu Hause koche oder etwas anderes Alltägliches mache, denke ich oft, dass die Flüchtlinge das nicht machen können, weil ihnen durch den Krieg alles genommen wurde und sie eben keine Küche haben, in der man sich mal schnell etwas kochen kann."